Freitag, 2. Oktober 2015

Manchmal ist einfach der Wurm drin

Ich fühle mich wie ein Kreisel, rotiere innerlich und äußerlich. 
Und frage mich, was wohl passiert, wenn ich plötzlich stehen bleibe... 

Wolle ist eigentlich ein gutes Mittel, um mich ein bisschen zur Ruhe zu bringen.
Und das Wetter verlangt danach, genossen zu werden.

Also habe ich vorgestern den zweiten Sack Ggberger Steinschaf-Überraschungswolle ausgeleert, 
ein kleines bisschen vorsortiert und gewaschen. 
Interessante Fasern, offenbar mit schwarzen Grannen- oder Markhaaren und hellem, weicherem Unterfell, aber leider mit sehr viel Einstreu.
 
Das Kurbeln einer Trommelkarde ist eigentlich genau das Richtige, wenn ich so erledigt wie heute Mittag nach Hause komme und an dem ein oder anderen Ärger kaue. 
Also habe ich mir für heute "eine Dosis Kurbeln" verordnet und mich auf die Terrasse verzogen. 

Zuerst holte ich mir das Steinschafvlies, zog die ersten Grannenhaare aus, zupfte sorgfältig – und stellte fest: Das Grünzeug fällt einfach nicht raus, wie ich das sonst so kenne. 
Also SO kann ich das nicht in die Karde füttern, das muss ich mal irgendwie anders behandeln. Irgendwann anders.

Macht nix, es liegt ja noch genug Alpaka rum, dann nehm' ich halt das, und zwar am besten eine kleine Portion. Also vielleicht diese hier. 

Ach so ja, das war ja die mit den Schuppen. Naja, dann kann ich gleich mal ausprobieren, was aus denen beim Kardieren wird. 
Äh - was sind denn das für seltsame Fasern?
Warum habe ich die nicht gleich entsorgt, so ultrakurz wie die sind? 
Aber ich hatte doch alle Fasern fein säuberlich mit meinem kleinen Finger vermessen! 
Also nochmal nachmessen: Doch, sie sind wirklich so lang. Oder: 
SO kurz ist mein kleiner Finger! 
Wahrscheinlich ist das eine Sinnestäuschung, weil ich mich unmittelbar davor mir den Steinschaflocken beschäftigt hatte. 
Und jetzt das Kardieren: Dieses Fitzelzeug einzeln auszubreiten wie beim letzten Mal – dazu habe ich heute überhaupt keine Lust. Lohnt sich das überhaupt? 
Eigentlich habe ich gar keine Lust zu garnix. 
Aber jetzt habe ich schon alles rausgeschleppt. Also müssen sie so durch, wie sie kommen und ohne zu zimpern. Basta. 
Nach dem ersten Durchgang bekomme ich das Zeug fast nicht von der Trommel und muss immer wieder mit der Stricknadel nachhelfen. Schön ist es auch nicht, aber das hatte ich auch nicht erwartet. Na gut, eine zweite Chance gebe ich ihm, diesmal in brav ausgebreiteten Faserportionen. 
Das Ergebnis ist gar nicht so schlecht und indem ich es quasi im spitzen Winkel und mit der Handkante nach hinten runterziehe, geht es auch ganz gut von der Trommel und ich habe ein richtig schönes Batt. Jedenfalls fast. 
Nämlich: Die Schuppen sind alle noch drin. Oder zumindest sehr viele. Schade. 
Jetzt würd' ich gerne mal eben schnell anspinnen, um zu sehen, ob sie vielleicht beim Spinnen rausfallen. Aber das einzige freie Spinnrad ist gerade das Malottke. Und die Kombination aus geringer Übersetzung und "mal eben schnell" funktioniert überhaupt nicht, jedenfalls nicht, wenn ich so drauf bin, wie heute... 

Wie gut, dass jetzt Wochenende ist. Und die Blumen mir so treu und unverdrossen auf der Terrasse Gesellschaft leisten. 


Memo Wollwäsche: 
warm, Leitungswasser, 
eine Portion mit Marseiller Seife, trocknen lassen, am nächsten Tag mit Regenwasser gespült-> ziemlich fettfrei
eine Portion mit alter Kernseife, noch ungespült, enthält noch Fett (und unaufgelöste Seifenflocken?)

Memo Alpaka kardieren: 
Erster Durchgang: "friss oder stirb", zweiter Durchgang: sorgfältig.  

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