Diese französische Wolle ist ein Traum. Sehr flauschig und kuschlig und dabei deutlich elastischer als australische Merinowolle.
Die beiden Kammzüge dazu hatte ich schon vor einiger Zeit gefärbt.
Letzten Winter wurden sie versponnen, kürzlich zur Entspannung gebadet und jetzt endlich vermessen und fotografiert. So bekommen sie heute hier ihren Auftritt.
Memo:
Schafrasse: Merino d'Arles, handgefärbt
dunklerer Strang: ca. 155g/ 420m
hellerer Strang: ca. 136g/ 450m
Die Färbung und die Struktur der Garne machen sie zum idealen Garn für ein großes, kuschliges, locker gestricktes Schultertuch. Der dunklere Strang ist schon vergeben, der hellere kommt in meinen Werkstattladen.
Beim Fotografieren wurde ich ständig von den Akeleien abgelenkt, die nach und nach aufblühen. Jede ist anders. Manche strecken ihren Kopf nach oben, andere lassen ihn glockenzart hängen. Sie sind blau, lila, rosa, bordeaux, weiß oder gemischt, klein oder groß und alle Varianten davon in Kombinationen. Einfach wunderbar.
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Montag, 4. Mai 2020
Dienstag, 21. November 2017
Mein Malottke-Bockrad
Was macht dieses Spinnrad so außergewöhnlich?
Verschiedenes, zum Beispiel seine interessante Ausstattung:
• Da sind die vielen Kugellager:
Wie bei vielen Spinnrädern ist eines am Schwungrad, aber hier laufen auch die beiden Knechte kugelgelagert.
Die Spulen sind auf der Achse kugelgelagert und der Flügel dreht im Spinnkopf auf einem Kugellager.
Während bei meinen anderen Spinnrädern das Treten bei sich füllender Spule allmählich schwerer wird, tritt sich das Malottke vom ersten bis zum letzten Meter Garn superleicht und mit dem gleichen, widerstandsfreien Schwung.
• Dann die Haspel, die man aufstecken kann. Direkt von der Spule runter kann das Garn im Strang gehaspelt werden.
• Die beiden Spinnfügel, von denen der eine noch größer ist als der andere.
• Die sehr großen Spulen, von denen die kleinen mindestens 200g Wolle fassen, die großen noch viel mehr.
Die normalen Spulen haben je vier verschiedene Rillen für unterschiedliche Übersetzungen, Die Jumbospulen bieten zwei Übersetzungen.
Und am Schwungrad sind insgesamt 5 Rillen, so dass man den Antriebsriemen optimal auf die Spulen und die verschiedenen Übersetzungen anpassen kann.
(Mit dem normalen Flügel liegen die Übersetzungsmöglichkeiten zwischen 1:4 und 1:8; am Jumboflügel habe ich je nach Wirtel und Rille zwischen 5 und 6,5 Spulenumdrehungen pro Schwungradumdrehung gezählt.)
• Die fest installierte Lazykate, die wenigstens vier der Spulen ordentlich aufräumt.
(Mein "Dornröschen" hat 6 normale Spulen und 2 Jumbospulen.)
• Auch der Einzugshaken ist fest installiert und somit immer zur Hand.
• Und dann ist da noch die Flügelbremse: Während viele Spinnräder mit Flügelbremse in dem Ruf stehen, einen harten oder ruckeligen Einzug zu haben, kann das Malottke ganz sanft eingestellt werden.
• Bei alldem ist das Spinnrad trotzdem sehr kompakt gebaut und braucht nicht viel Standfläche.
Außergewöhnlich ist auch die Herkunft:
Soweit ich weiß, wurden diese Räder in einer kleinen Werkstatt in Mecklenburg-Vorpommern handgefertigt, von Herrn von Malottke persönlich. Alle Holzteile sind liebevoll gedrechselt, auch die anderen Teile wurden mit viel Sachverstand und Liebe zum Detail konstruiert und montiert. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass man Malottke-Räder nur bei Herrn Malottke selbst kaufen kann, aber ich weiß nicht, ob das stimmt. Ich habe meines einer anderen Spinnerin abgekauft – war das vor zwei oder drei Jahren, oder ist es schon länger her?
Leider schlummert es bei mir tatsächlich ein wenig im Dornröschenschlaf und wird im Gegensatz zu den anderen relativ wenig genutzt.
Das hat verschiedene Gründe.
Vor allem liegt mir die Anatomie das Rades nicht so gut, wie die meiner anderen Spinnräder:
Die Pedale am Malottke sind platzsparend "unter" dem Rad.
Das spinnt sich super lümmelnd vom Sofa aus, aber den Zipperlein in den Knochen geschuldet sitze ich doch oft lieber auf einem Stuhl vor dem Rad und dann ist für meine bevorzugte Spinnweise der Platz zwischen Körper und Spinnflügel etwas knapp. Meine kurzen Beine und mein Bäuchlein spielen da sicher auch ein Rolle.
Sodann liebe ich einen starken Einzug und spinne gerne auf Tempo. Und das Malottke ist eher ein sanftes und gemütliches Rad.
Bilderstrecke:
Die beiden Flügel:
Die Spulen zu den beiden Flügeln, mit je 2 bzw. 4 Übersetzungen:
(Der Anfangsfaden war bei allen Spulen festgeklebt. Bei jenen dreien, die ich Betrieb hatte, habe ich das Klebeband entfernt.)
Zum Vergleich mit einer Kromski-Spule:
Der Jumboflügel mit den drei Kugellagern (zwei für die Spule und eines für den Flügel):
Am Flügel wird eine Schraube gelöst, um die Spule aufzustecken und die Kugellager in Funktion zu bringen.
Kugellager im Schwungrad und an den Knechtverbindungen:
Die pfiffige Bremse:
Und die Haspel:
Einmal im Kreis gedreht:
Und neben seiner Kromski-Kollegin:
Nachtrag: Im Dezember nach Irland ausgewandert. (2017)
Donnerstag, 6. Juli 2017
Das Schnörkel- Spinnrad oder....
... es muss nicht immer topmodern sein.
Neulich (am 24.6.) kam eine Freundin zu Besuch und brachte ihr neu erworbenes altes Spinnrad mit.
Wir wollten testen, ob es spinnt.
Fazit: Es spinnt - und zwar gar nicht mal so schlecht.
Das Spinnrad hat eine klassische Rahmenbauweise, wie sie auch von sehr alten Rädern bekannt ist.
Es scheint jedoch eine eher "mittelalte" Eigenkonstruktion zu sein, vielleicht aus der 2. Hälfte des 20. Jhd., aus schwer schnörkelig gedrechselten Teilen und schlichten Holzlatten.
Und es wurde definitiv benutzt.
Für einen ersten Spinnversuch setzten wir den intakten Flügel ein und ich zog einen alten, knubbelreichen Kammzug unbekannter Art aus der Kiste, der mir mal mit irgendeinem Mischpaket ins Haus gekommen war und den ich gar nicht mochte – genau das richtige Material zum "Verhunzen".
Flugs war die erste kleine Spule fast voll. Und die zweite auch.
Zum Zwirnen nahm ich den kaputten Flügel. Der geht auch und bietet viel Zwischenraum bis zum Spulenkern. Da könnte man auch noch einen "Berg" draufzwirnen und auf diese Weise mehr Garn draufpacken.
Nette Details:
Einer der Füße ist per Holzgewinde höhenverstellbar, so dass man dem Spinnrad auf jedem Untergrund zu einem festen Stand verhelfen kann.
Auf der hinteren Rahmenleiste sind drei Metallspieße zur Aufbewahrung der (insgesamt vier) Spulen .
Außerdem gibt es eine extra Lazykate, die jedoch leicht kippt.
Einer der beiden Flügel ist gebrochen, sein Flügeldorn ist eine Stricknadel!
Der Ersatzflügel passt optisch gut zum Rad und hat versetzte Haken, was ein gleichmäßiges Aufwickeln leicht macht.
Die Übersetzung liegt bei ca 1 : 8, womit man schon was anfangen kann.
Die Flügelbremse müsste wohl mal erneuert werden.
Der Einzug war jedoch sehr angenehm und gar nicht ruckelig oder streng.
Es kostete mich anfangs etwas Mühe, mich an des Treten auf diesem quergestellten Pedal zu gewöhnen und das Schwungrad gleichmäßig in die gleiche Richtung zu bewegen. Als ich den Bogen raus hatte, lernte ich die Konstruktion aber auch gleich schätzen: Durch diese Anordnung des Pedals kann man sich seinen bequemen "Trittwinkel" selber suchen, indem man den Fuß mehr nach rechts oder links schiebt. Außerdem ist die Holzlatte des Rahmens als "Fußstütze" durchaus angenehm.
Alles in allem ein Spinnrad, mit dem man arbeiten kann.
Nach dem Probespinnen haben wir das Rädchen dann noch ein bisschen geputzt : ) und schöne Fotos standen an diesem Nachmittag definitiv nicht auf der Todo Liste - sorry.
Montag, 19. Juni 2017
Lazy-Kate: Zwirnen mit optimierter Bremse
Eine Lazy Kate ist was Feines, vor allem dann, wenn sie eine Bremse hat.
Schon seit mehreren Jahren habe ich dieses polnische Exemplar und benutze es oft zum Zwirnen von 2-3 Spulen. Die Singles rollen ab, ohne zu vertüddeln.
Allerdings löst dieses Teil bei mir regelmäßig den gleichen Gedankengang aus:
Immer, wenn ich entspannt vor mich hinzwirne, frage ich mich:
"Warum hast du die immer noch nicht verleimt? Dann würde sie nicht jedes Mal auseinanderfallen, wenn du sie von hier nach dort stellst."
Gestern nun kam mir dann mal ein neuer Gedanke.
Ich beobachte so die Spulen, wie sie sich drehten...
immer ein Stück weiter im Rhythmus meiner Hände...
und wieder ein Stück... (sehr meditativ...)
und wie die Bremse ruckelt..
und wie die Spulen ruckeln....
und dann fiel mir wie Schuppen von den Augen, dass für die Kate auch gilt, was ich von der Spulenbremse am Spinnrad schon lange weiß:
Die Feder muss hinter (!) die Drehrichtung, so dass die Spulen quasi von der Bremsfeder wegdrehen, nicht darauf zu.
Auf den nächsten Metern dachte ich darüber nach, ob und wie ich die Kate neu zusammenstecken kann, um den gewünschten Effekt zu erreichen.
Vor der nächsten Zwirnportion setzte ich den Gedanken in die Tat um.
Und siehe da: Jetzt zwirnt es sich noch viel angenehmer, ganz ohne ruckeln!
(Im Foto oben ist es jetzt genau richtig.)
Dass ich da so lange nicht draufgekommen bin!
Übrigens verhält es sich bei meinen spulengebremsten Spinnrädern so:
Am Sonata war das Zwirnen anfangs kein Vergnügen, bis ich nach einer Anleitung im Internet auch hier die Voraussetzungen schuf, um die Bremse andersherum einhängen zu können.
Vielleicht werde ich eines Tages mal Federn auf beiden Seiten der Schnur anbringen.
Aber seit ich das Bliss habe, zwirne ich ohnehin kaum mehr auf dem Sonata...
Beim Bliss ist es von vorneherein vorgesehen, dass man die Bremsfeder aushakt und die Bremse je nach Drehrichtung zum Spinnen oder Zwirnen passend anbringt.
Foto: Bremse zum Zwirnen eingehängt (Schwungrad dreht gegen den Uhrzeigersinn):
Foto: Bremse zum Spinnen eingehängt (Schwungrad dreht im Uhrzeigersinn):
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