Samstag, 30. Januar 2016

Frühling im Kühlschrank oder: Der Chinakohl will leben

Ich wollte ihn essen. Den Chinakohl. 

Also den Rest davon. 
Den, der einige Tagen zuvor in der ersten Salatportion nicht benötigt worden war 
und seither auf einem Teller im Kühlschrank lag, 
dort auf weitere Verwendung wartete 
und mir ehrlich gesagt allmählich schon etwas lästig wurde.

Aber der Chinakohl wollte nicht gegessen werden. 

Er sah mich an und sagte: 
"Guck mal, ich lebe doch noch. 
Es ist Frühling. 
Und ich will wachsen, wie es sich gehört für einen Kohl im Frühling." 
"Na gut", sagte ich. 
"Eigentlich wollte ich Dir ja auch nichts tun. Du bist mir bloß im Kühlschrank im Weg."
(Dass das untere Ende von Chinakohl sowieso nicht gerade meine Lieblingsspeise ist, 
habe ich ihm lieber nicht gesagt.)

"Dann stell mich doch ans Licht und schau, was passiert." 
Also da steht er jetzt seit ein paar Tagen und hat mir seither noch eine Menge erzählt. 
Aber das gehört nicht an die Öffentlichkeit, sagt er. 
(Naja, ein kleines Geheimnis darf ich vielleicht schon verraten: 
Kohlige Mathematik:
gelb + Licht = grün)

Was er allerdings davon hält, dass ständig hemmungslos lebendige Pflanzen gegessen und gefressen werden und dass es noch keine Gruppe von Aktivisten gibt, die sich aus floraritären Gründen für pflanzenfreie Ernährung einsetzen, das behalte ich nun wirklich besser für mich.






Donnerstag, 28. Januar 2016

Buch: Weben - kinderleicht! (Michel Politzer)

Michel Politzer: Weben - kinderleicht!
Frankfurt 1976. 95 S., ca. 11cm x 18 cm
Fischer FlickFlack ISBN 3 436 02451 1

Dieses Buch befindet sich in der Wanderbuchkiste Weben
Weitere Meinungen und das Inhaltsverzeichnis finden sich im Handspinnforum

Von diesem Opus besitze ich mittlerweile ein eigenes Exemplar. 

Es wurde für Kinder oder Jugendliche geschrieben. Der Leser wird mit du angesprochen und darf dem Mädchen mit dem hübschen Namen Marit beim Weben zugucken. Marit führt quasi als Protagonistin des Buchs verschiedene Webtechniken vor, wobei alle benötigten Gerätschaften selbst gebaut sind.
Dafür werden sämtlich sehr einfache, allgemein verfügbare Materialien verwendet, sehr oft Stecken oder Stöcke, Schnüre und Seile, aber auch Spielkarten (für's Brettchenweben) oder z.B. Papprahmen in Kombination mit den eigenen Zehen.

Ich hege Zweifel, dass ein (modernes) Kind mit diesem Buch weben lernen könnte, aber es ist ein hübsches kleines Lesebuch für die Bettkante und wer bereit ist, sich darauf einzulassen, kann jedenfalls eine Menge über das Weben allgemein und über verschiedene Webgeräte und Vorgehensweisen lernen. (Weben mit Litzen, Schäften, Tritten, Brettchen...)

Nun nenne ich einen glattgeschliffenen rechtwinkligen Webrahmen mit  Kunststoffgatterkamm und simpel zu fixierenden Bäumen mein Eigen und denke, mit diesem geht mir das Weben sicher leichter von der Hand als mit den gezeigten Materialien und Methoden, die bestimmt deutlich mehr Geschicklichkeit sowohl beim Bau als auch beim Weben erfordern.  
Aber es ist faszinierend, zu sehen, mit welch einfachen Mitteln grundsätzlich gut gewebt werden kann und dass das im Prinzip genau so funktioniert wie moderne Handwebstühle.

Prädikat interessant und lesenswert. 

Samstag, 23. Januar 2016

Sinnsuche in Satzhülsen

Prolog: 
Früher hatte ich die Handarbeitszeitschrift "Anna" mal im Abo und mochte sie auch sehr, aber schon seit Langem finde ich darin nur noch selten Dinge, die mich ansprechen. 
In unserer kleinen feinen Stadtbücherei liegt sie jedoch auf und so nehme ich ab und zu mal ein Exemplar mit nach Hause. 

Auftritt: 
In der Ausgabe 8/2015 finde ich auf S.66 das großformatige Foto eines Stilllebens:
Im Vordergrund eine gehäkelte Obstschale, gefüllt mit gehäkeltem Obst. 
Da sind eine Ananas, eine Banane, zwei Orangen. 
Neben dem Bild:
"Dieses Obst steht seinen Vorbildern aus der Natur in nichts nach. Auch der Korb aus festen Maschen, die um eine Sisalschnur gehäkelt sind, kann dabei mithalten."


Was will mir das jetzt sagen?


Epilog: 
Die beiden Echsen in dieser Ausgabe sind ganz nett. 


•••


Donnerstag, 21. Januar 2016

Die alte Lenkeit Strick Fix - Strickmaschine


 Heute krame ich aus gegebenem Anlass mal ein paar Fotos aus meinem Fotoarchiv.
Die  Strickmaschine "Strick Fix" der Firma Lenkeit aus den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts finde ich sehr hübsch. Trotz viel Erfahrung mit alten Strickmaschinen habe ich sie seinerzeit (2010) allerdings nicht zum Stricken gebracht. Dieses gut erhaltene Exemplar befindet sich mittlerweile nicht mehr in meinem Besitz. Im Keller wartet jedoch noch ihre Schwester auf die Vollendung ihrer Restaurierung, wozu mir ein wenig die Motivation fehlt. 


Bilderbuch auf: 
(Die Fotos von meinem Strickversuch folgen der Anleitung.)

 •••
Achtung: 
Es gibt da noch die "Strick Fix magic", eine robuste Doppelbettmaschine, von der ich sehr viel halte und die mit diesem Modell nicht vergleichbar ist
Dazu vielleicht später mal mehr.
•••

Mittwoch, 20. Januar 2016

Die zwei bunten bleiben hier

Die habe ich gleich mitgefärbt. 
Oben: ca 140 handgekämmte Schwarzkopfwolle von 2013 - sie stammt noch von meinen ersten Kämmversuchen und wartet seither auf ihren Einsatz. 
Weil ich schon ein Paar Schwarzkopf-Kammgarnsocken in Betrieb habe und das meine allerliebsten sind, soll auch diese Wolle bald zu Socken werden. 
Eigentlich sollte sie etwas dunkler werden, aber was soll's.
Das Garn stammt aus der gleichen Zeit, nur dass ich hier die Kammzüge seinerzeit schon versponnen hatte. Auch diese 171g (ca 350m) Schwarzkopfkammgarn sollen zu Socken werden. Die Farbe ist in Wirklichkeit dunkler, eine Kaminfeuerfarbe mit Terracotta-Schattierungen.
Hach, ich mag diese Wolle so gern, als Rohwolle, Kammzug oder Garn und jedes Mal fällt der Schritt schwer, sie weiterzuverarbeiten, weil ich mich ja dann von dem schönen Zustand trennen muss, in dem sie sich gerade befindet und weil ich nicht weiß, ob - tja, ob's was wird oder ob mir nicht vielleicht nächste Woche noch ein besseres Projekt für genau diese Wolle einfällt. 
Aber wenn sie nur rumliegt, ist es auch nichts Rechtes. 
Und dann wächst Wolle ja auch nach.
Jetzt ist jedenfalls schon mal Farbe dran. 

Dienstag, 19. Januar 2016

Bunt und weich

 Manche Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. 
In diesem Falle sind diese Schatten bunt. 
Bunt und weich. 
Das Ereignis ist "Dorfen kreativ"
ein kleiner, feiner Frühlingsmarkt mit allerlei schönen Sachen zum Anschaun, inspirieren lassen und natürlich auch zum Kaufen. 

Ich bin mit meinem Spinnrad dabei. 
Als dekoratives Element sozusagen.
(Also was zum Anschaun und Zuschaun und vielleicht auch mal selber Probieren.)

Vor zwei Jahren hatte ich zu diesem Anlass eine Ausstellung aufgebaut: 
Vom Schaf zum Pullover. 
Da konnte man alle Verarbeitungsschritte und Gerätschaften sehen und probieren usw.

Diesmal bringe ich ein paar handgesponnene Garne und handgefärbte Kammzüge mit, 
die man dann auch kaufen kann. 
Und deshalb brodelt bei mir gestern und heute der Farbkochtopf..... 
Weil ich überhaupt nicht abschätzen kann, 
ob beim Publikum überhaupt Interesse an solchen Kammzügen besteht 
(– schließlich laufen auf so einem Kleinstadtmarkt 
 die Spinner eher nicht zufällig scharenweise herum–)
färbe ich nur, was ich auch selber gerne spinne:
Also nur Wolle ohne synthetsiche Beimischungen in meinen Lieblingsfarben. 
Wenn nichts weggeht, habe ich für die nächsten Jahre mit Spinnfutter ausgesorgt....

Mein kleiner Schleuder-Freund leistet ganze Arbeit, 
so dass die Wolle tropffrei im Wohnzimmer trocknen kann.

Hier hängen nun vor allem Corriedale und BFL auf der dem Ständer, aber auch eine BFL/Gotland-Mischung und ein paar andere Wollsorten. 


Vor weißem Hintergrund schicke ich heute bunte Creadienstags-Grüße in die Welt.
.


Samstag, 16. Januar 2016

Die Wanderbuchkiste "Weben"

Schon vor einer Woche brachte der Postbote ein schweres Paket. 
Der Inhalt war (unter anderem) die "Wanderbuchkiste Weben". 

Was – bitteschön – ist eine Wanderbuchkiste? 
... wird sich wohl mancher fragen.  

Ganz einfach: Eine kleine wandernde Bibliothek, die in einer Kiste per Post zu ihren Lesern kommt. Nach Lektüre wird sie an den nächsten Interessenten weitergeschickt. 
Die Aktion ist eine tolle Idee vom und im Handspinnforum und gilt natürlich nur für aktive Mitglieder, denn ein bisschen Vertrauen gehört schon dazu. 
Außerdem ist es Pflicht, dass die Nutzer dieses Angebots den anderen im Forum ihre Eindrücke über das Buch mitteilen. 

Meine Kiste enthält acht recht unterschiedliche Bücher zum Thema "Weben", die ich mir zu Gemüte führen werde.  

Dabei wird mein Schwerpunkt auf der Arbeit mit dem Webrahmen liegen, weil das Weben am Webstuhl bei mir im Moment nicht auf dem Plan steht. 

Folgende Bücher sind in der Kiste: 

Erika Arndt: Handbuch Weben
Rachel Brown: The Weaving, Spinning, and Dyeing Book 
Clara Creager: Weben - mein Hobby
Christel Diekmann: Weben. Einfach-schnell-vielfältig. 1981.
Ernst Kallmann: Weben. 1950.
Michel Politzer: Weben - kinderleicht! 1976.
Elisabeth Preis: Handweben
Rudolf und Helene Riedinger: Einfaches Weben




Demnächst mehr auf diesem Bildschirm....

Freitag, 15. Januar 2016

Buch: Stricken für Wollsüchtige (Angela Mayer-Spannagel)

Es kommt ziemlich selten vor, dass mir ein neues Buch aus der Sparte "Handarbeiten" richtig gut gefällt. 

Dieses Buch jedoch finde ich sehr gelungen und so verdient es einen Eintrag hier im Blog.
Ich habe es in unserer kleinen Stadtbücherei entdeckt, wegen des Kunststoffeinbands spiegelt das Cover im Foto.  

Nun zum Buch: 

Das Buch ist liebevoll gestaltet und enthält viele sowohl schöne als auch aussagekräftige Bilder. 
Die Kulisse bilden oft Ansichten meiner oberbayerischen Heimat - vielleicht spricht mich das auch besonders an.
Die Modelle gefallen mir alle. Sie sind zeitlos, tragbar, alltagstauglich und haben Pfiff bzw. das "gewisse Extra", wie interessante Muster, gute Schnitte, nette Details.

(Ob ich sie alle stricken würde ist eine andere Frage, zumal ich ja sowieso nicht nach Anleitungen stricke und Strickbücker eher zur Inspiration oder zum Vergnügen lese.)

Diese Modelle sind enthalten (teilweise jeweils in mehreren Farbkombinationen): 

1 Paar Handstulpen
1 Babygarnitur  (Jacke + Hose)
2 Jacken 
3 Mützen 
1 Schulteruch
1 Paar Socken
2 Pullover 
1 Weste in verschiedenen Farben
1 Paar Stutzen (Beinstulpen, Wadlwärmer)
2 Paar Handschuhe 
Babyschuhe
1 Schal

Der Aufbau: 

Zum Auftakt jeden Modells gibt es eine großzügige Doppelseite mit schönen Fotos. 

Dann wird das Modell ebenfalls auf einer Doppelseite vorgestellt: 
Ein kleiner Text informiert über das Modell und Details, wobei ich diese Textchen wirklich interessant finde, was bei anderen modernen Strickbüchern leider selten der Fall ist.

Es gibt einen QR-Code, mit dem man sich die komplette Anleitung des Modells auf's Smartie laden kann. Da ich kein solches besitze (und nicht nach Anleitungen stricke), ist das für mich überflüssig.  

Die Rubrik "Das macht diese ... einzigartig" weist mit postmoderner Pfeildarstellung nochmals kurz und knapp auf Details dieses Modells hin. Die Überschrift löst bei mir einen Logikknoten aus, denn die Dinge, die da stehen, assoziiert mein Gehirn nicht mit "Einzigartigkeit", z.B. dass die Kapuze angestrickt wird oder das Bündchen einer Mütze elastisch ist. Die Überschrift trägt ein bisschen dick auf und imitiert amerikanischen Stil. "Details" als Überschrift hätten es auch getan. Aber egal. Jedenfalls gibt's hier noch einmal ein Foto vom Kleidungsstück ohne Träger darin. 

Zu jedem Modell gibt es noch eine Rubrik "Historisches" und das finde ich eine sehr nette Idee und lese die Texte auch gerne. 
"Jetzt gehts zur Sache": 
Zu den einzelnen Modellen gibt es übersichtliche Angaben zu Schwierigleit, Größe, Garn, Nadeln,  Zubehör, Maschenprobe. 
Ferner gibt es eine Schnittzeichnung mit Maßen, Beschreibung der Muster teils in Worten (z.B. Perlmuster), teils mit Strickschriften (Zöpfe, Farbmuster) sowie eine komplett ausgeschriebene Anleitung zum Nachstricken. 
Bei vielen Modellen gibt es auch noch kleine Tipps oder größere bebilderte Beschreibungen besonderer Vorgänge, Muster oder Techniken. 
Auch das gefällt mir sehr gut und ich denke, man könnte gerade als Anfänger aus diesem Buch auch viel lernen. 
Noch eine Anmerkung zur Größe: Es wird bei jedem Modell nur eine Größe angegeben. Auf Seite 9 ist kurz und übersichtlich erklärt, wie man seine eigene Größe berechnen und nach Schnitt stricken kann. 

Was mir am Buch nicht gefällt, ist der Titel: 
"Sucht" ist bei mir grundsätzlich negativ belegt. 
Aber wenn ich schon mit einem zwinkernden Auge "für Wollsüchtige" im Titel lese, dann erwarte ich innen eigentlich nicht so "grundsolide" Modelle mit dem Potential zu langjährigen Lieblingskleidungsstücken, sondern eher Projekte zum Stash-killen (um noch so einen Begriff zu bemühen) wie Yarnbombing oder Guerilla-Stricken oder anderes abgefahrenes, mehr oder weniger schrilles und unnützes Zeug, womit möglichst schnell möglichst viel Garn verbraucht werden kann. 

Abgesehen von dieser Kleinigkeit: 
Ein geglücktes Strickbuch, das meine Anforderungen an ein gutes Sachbuch als Informations- und Inspirationsquelle, Lesebuch und Bilderbuch voll erfüllt und nebenbei auch noch ästhetisch ist.   


Angela Mayer-Spannagel: Stricken für Wollsüchtige (2015)
ISBN-10: 978-3-426-64698-4
Knaur Kreativ Verlag
Blick ins Buch

Dienstag, 12. Januar 2016

Die Gletschereissocken

... sehen ohne Fuß drin seltsam aus. 
Mit Fuß drin auch, jedenfalls dann, wenn man seine Füße selbst von oben fotografiert, dabei im eisigen Wind bibbert und die Zehen nach oben zieht.
Aber seit dem Sockenfoto trage ich sie und ich habe herrlich warme Füße. 

Dabei trug ich heute morgen auch schon Handgestrickte
- allerdings aus gekaufter Superwash- Sockenwolle. 
Das ist wirklich ein großer Unterschied und ich sehe voraus, dass ich eines Tages nur noch Socken aus kompletter Eigenproduktion tragen werde.... 

Diese hier bestehen aus einem gekauften, gesponnenem und dann gefärbten
Weil ich nicht sicher war, wie weit das Garn reicht, strickte ich beide aus einem Knäul, den einen von außen bis zum Spitzenbeginn, den anderen von innen und die beiden Fußspitzen schließlich parallel. Und das war gut so, denn der letzte Meter fehlte dann wirklich. 
Memo: 
Garn: Coburger Fuchs (Wollmeister)
zweifach gezwirnt, stranggefärbt, 75g, 215m
+ Rest graublau (Bündchenrand und Spitzenspitze)
Socken: Größe 43, Gewicht 79g. 
Nadeln 2,25, 16x4 Maschen (64total)
(außer einer Fußspitze Zing )


PS: Blau ist für digitale Bilder eine schwierige Farbe. 
Deshalb kamen die beiden blauen Paare (die Novembersocken und die neuen)  jetzt doch noch mal gemeinsam aufs Foto.  
Beim Verlinken zum Creadienstag fiel mir auf, dass die DIY-Sammlungen am Dienstag sprießen wie die Frühlingsblumen. Also sind meine Socken heute auch mal bei Handmade on Tuesday, und bei den Dienstagsdingen mit von der Partie.

Sonntag, 3. Januar 2016

Die blaue Jacke oder....

... der Wollkalender im Januar

Eigentlich hatte ich vor, in jedem Monat zu erzählen, 
wie es zu dem jeweiligen Kalenderbild kam und was dahintersteckt.... 


.... aber schon beim ersten Bild scheiterte die Idee daran, dass ich von der betreffenden Jacke gar kein Foto hatte, obwohl sie schon seit über einem Jahr im Dauergebrauch ist. 
(Tja, das Wesentliche an einer Jacke ist ja auch, dass sie wärmt, und nicht, dass es Fotos von ihr gibt.)
Nun hat mir heute der Schnee eine hübsche Kulisse beschert, und so musste sie jetzt einfach mal runter von den Schultern und raus auf den Kleiderbügel. 
So kann ich mit drei Tagen Verspätung den ersten Kalenderfotoeintrag bieten. 

So, jetzt von vorn: 

Das Material ist Schwarzkopfwolle von Schafen aus dem Nachbarort aus der Ernte 2014. 
Den "grundlegenden Wollhaufen" habe ich hier schon einmal vorgestellt. 
Damals hat mir ein Gewitter den zum Sortieren bereitliegenden Berg nassgeregnet, 
so dass ich dann zügig arbeiten musste. 
Der Abfall wurde wegsortiert und die gute Wolle nach Länge und Beschaffenheit in verschiedene Körbe sortiert. 
Im Bild ein Teil der ungewaschenen sortierten Wolle. 
In jener Woche im Sommer August 2014, in der ich einmal "sturmfrei" hatte, wanderte dann ganz viel Wolle ins Farbbad. Für die blaue Jacke kamen der Inhalt des blauen und des gelben Plastikkorbes links vorne, der petrol-türkisfarbige Haufen hinter dem grünen Berg sowie der noch weiße Inhalt des Korbes links hintern zum Einsatz. Letzterer wurde vorher noch gefärbt, aber dummerweise war mir bei der ganzen Färbeaktion "blau" ausgegangen, so dass ich erst nachbestellen 
und später noch färben musste. 
Er wurde ziemlich dunkelblau mit einer Lilanote. 
Die blau-petrol-Töne packte ich zusammen in eine Tüte und schickte sie zum Kardieren weg.
Ich bat um eine gute Mischung der Farben und erhielt sie auch. 
Der Kandidat liegt entspannt auf dem Liegestuhl und harrt der Dinge, die da kommen.  
Vom fertigen Garn gibt es kein Foto, vom Stricken auch nicht, 
ebensowenig von der Jacke im Neuzustand.

Es war allerdings das erste Garn, von dem ich mir eine Tabelle 
mit Lauflängen und Gewichten machte. 
Für die Ärmel nahm ich dann die beiden dünneren Portionen. 

Ich begann mit dem Stricken im November und eine Freundin, 
die mir mal beim Stricken zuguckte, meinte: 
Das ist wie die Farbe des Meeres: Man denkt, es ist blau, aber es sind ganz viele Farben, die in einander verschwimmen....  Da hat sie recht, finde ich. 
Irgendwann im Januar 2015 war die Jacke dann so ziemlich fertig. 
Nur die Knöpfe fehlten noch – und fehlen bis heute. 
In der Blende sind zwar Knopflöcher, aber ich fand irgendwie nichts, was mir gefiel. 
(Als ob ich nicht gefühlte Millionen von Knöpfen mein Eigen nennen würde – aber keiner wollte an die Jacke.) 
So zog ich sie schließlich ohne an, was sich jedoch wärmetechnisch nicht bewährte. 
Eine Zeitlang improvisierte ich mit Klammern oder Sicherheitsnadeln bzw. einer Kiltnadel. 
Im Urlaub erstand ich schließlich im archäologischen Zentrum Hitzacker  
eine Eisenfibel nach bronzezeitlichem Vorbild. 
Ursprünglich war sie schwarz, aber durch den Gebrauch schimmert sie 
mittlerweile stellenweise metallisch. 
Ich konnte mir früher nie so recht vorstellen, wie diese Fibeln verwendet wurden und fand sie theoretisch auch nicht praktisch. 
Aber da kannte ich sie ja auch nur in Vitrinen und aus Büchern. 
Doch seit ich eine auch praktisch im Gebrauch habe, habe ich sie sehr schätzen gelernt. 
Normalerweise sitzt sie übrigens nicht so weit oben wie auf dem Foto, wo sie die Jacke daran hindert, vom Bügel zu rutschen, sondern an einer Stelle, wo sie dafür sorgt, dass die Jacke zu und meine Frontseite warm bleibt. 
Meine blaue Jacke in den Farben des Meeresrauschens ist sehr gemütlich und die Wolle gibt eine angenehme ausgleichende Wärme. Ich trage sie ausgesprochen gern und sie hat sich schon in vielen Lebenslagen bewährt. 
(Und sie ist schuld, dass manch anderes handgestrickte Stück nun im Schrank liegen bleibt.)
Mittlerweile hat sie ja auch schon einen Partner bekommen. 


Memo: 
Gewicht: 750g 
Nadeln: Nr. 4,5, Ärmel: Spiel Nr.5
(Der erste fast fertige Ärmel mit 4,5ern war viel zu stramm und ich musste feststellen, 
dass ich mit Spielen offenbar viel fester stricke als mit Rundnadeln. 
Also war Ribbeln angesagt.)
Schnitt: Raglan von oben nach Gefühl.
Blenden, Seiten und Bündchen: 
HR rechts, RR 1r/1l