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Donnerstag, 19. November 2015

Ein Kissen mit zwei Gesichtern

Das Kissen vom Webenova-Webrahmen ist fertig. 

Es wurde in Schussrips gewebt. 
Schuss: Catania (100%BW), Kette: ähnliches BW-Garn

Auf der einen Seite habe ich mit drei Farben (rot, blau, beige) und Mustern gespielt und verschiedene Borten gewebt. 
Diese Kissenseite ist sozusagen eine kleine Mustersammlung im funktionalen und alltagstauglichen Kissenformat.
Die gleichen Muster können als Band in Kettrips gewebt werden, wenn man die Farbfolge der Schussfäden des Kissens als Kettfäden in einen Webkamm fürs Bandweben einzieht. 
Ich fühle, dass ich das eines Tages tun werde. 
Auf der anderen Seite habe ich mit Farbverläufen experimentiert.
Das Zusammenspiel verschiedener Farben und ihre unterschiedliche Wirkung bis hin zum übernächsten Nachbarn fasziniert mich immer wieder und ich werde diese Geheimnisse wohl nie ergründen. 
Über das Weben des Kissens habe ich in vier Teilen berichtet: 

1: Der Webenova-Rahmen
2: Kette spannen
3: erste Webversuche
4: Erfahrungen

Hier ist der fünfte und letzte Teil: 
Fertigstellung: 
- an den Schusskanten je einmal über die Kettfäden gehäkelt
- Webstab entfernt
- Fäden mit Abstand zu beidem Kanten durchgeschnitten

- erst an der Endkante je zwei Kettfäden zusammengeknotet
- dann den Kettstab rausgezogen und die Kettfäden am anderen Ende paarweise geknotet. 
Maße nach dem Abnehmen: Länge 99cm, Breite 49-53cm 

- gewaschen. Beim Waschen kam sehr viel rote Farbe raus. 
Maße nach der Wäsche: Länge 97cm, Breite 45-48cm, 383g
- Kettfäden auf der Rückseite auf Stylefix fixiert, daneben abgeschnitten. Kante umgelegt und abgesteppt. 

- RV eingenäht. Der RV war länger als die Kissenbreite, was sich nicht bewährt hat, weil es an den Ecken ein Gewurschtel gegeben hat. Bei einem so dicken Stoff ist ein kürzerer RV besser. 
(Für's nächste Mal merken!) 

- Seitennähte geschlossen, dicke Stellen an den RV-Ecken von Hand. 
- Füllung: überschüssiges Mottenfutter - sehr gemütlich! 
Ende dieser Geschichte.  


... und: 
nein, mein Sofa ist nicht pink, sondern bordeauxrot, 
wie auch die Hauptfarbe des Kissens. 
Ich kann die digitale Technik momentan nicht davon überzeugen, 
das vernünftig wiederzugeben. 

Montag, 9. November 2015

Der Webenova-Webrahmen, Teil 4 - abschließende Beurteilung

Der Zwangsurlaub der letzten Tage legte es nahe, einige herumliegende Dinge in Angriff zu nehmen. Allerdings nur solche, die man gut vom Sofa aus erledigen kann. 
Dazu gehörte auch die Fertigstellung des Kissengewebes auf dem Webenova-Webrahmen. 
Endlich ist das Gewebe fertig und vom Rahmen. 

Falls mal jemand mit ähnlichem Gerät weben möchte, hier meine abschließende Beurteilung:

In Schulnoten sähe sie so aus: 

Webenova-Stab: Webeigenschaften gut bis sehr gut (1-2)
Rahmenkonstruktion: mangelhaft bis ungenügend (5-6) 
(wegen Unhandlichkeit und der Unmöglichkeit einer gleichmäßigen, vernünftigen  Kettspannung)

In Worten: 

Fachbildung und Schusseintrag gingen gut und problemlos. 
Da kann ich gar nicht meckern. 
Man darf halt den Stab beim Andrücken des Schussfadens nicht nach vorne kippen, aber das muss man ja auch nicht machen. 
Auf einem anderen Rahmen könnte ich mir das durchaus noch mal vorstellen. 

Der Rahmen selbst ist eine Fehlkonstruktion. 
Zunächst ist er ziemlich windig und neigt zum Verziehen. 
Die Anleitung sieht deshalb vor, dass man immer, wenn man nicht webt, die Kettspannung löst. 
Folgt man dieser Anweisung, kippt der Webstab um. Er wird ja nur durch die Spannung aufrecht gehalten. Ohne Spannung hat er keinerlei Halt. Und ehe man sich's versieht, springen die Kettfäden aus den Schlitzen, da hilft auch der Verschlusstab nur wenig. 
Merke: Niemals die Kettspannung lösen, sonst darf man die Kettfäden vor dem nächsten Weben erst mal neu in die Schlitze sortieren. 

Außerdem soll man laut Anleitung den Rahmen in Webpausen immer waagerecht lagern, nicht hochkant. 
Tatsächlich kann man ihn auch kaum aufrecht hinstellen, z.B. an eine Wand oder das Sofa, weil er ständig wegrutscht und buchstäblich keinerlei Stand hat, man zudem sehr darauf achten muss, dass dann der Webstab nicht kippt. 
Eigentlich kann man ihn noch nicht mal vernünftig senkrecht tragen, weil dann der Webstab wegzurutschen droht und man sehr aufpassen muss, dass dann die Fäden nicht raushüpfen...
Eigentlich kann man den Rahmen überhaupt nicht tragen und auch nicht vernünftig wegräumen. 
Am besten fasst man ihn gar nicht erst an, außer man weiß, dass man für die nächste Zeit nichts anderes mehr vor hat, auch nicht eine Tasse Tee holen oder das Gegenteil. Denn wenn man den Rahmen erst mal auf dem Schoß hat, kann man ihn auch nicht wie einen anderen Webrahmen mal eben nach unten abstellen. 
(O.k., ich hätte natürlich an einem leergeräumten Küchentisch weben können statt am Couchtisch, dann hätte ich den Rahmen bei kleinen Webpausen waagerecht auf den Tisch schieben können. 
Aber dafür hätte ich ihn wieder durch die Tür in die Küche tragen und dabei wie ein rohes Ei behandeln und mich mit dem Rest der Familie über die Küchennutzung einigen müssen......)

Diese Unhandlichkeit des Rahmens nervte mich wirklich sehr, denn sie führte dazu, dass der Webrahmen ständig störend und platzraubend im Weg rumlag, ich aber auch nicht mal eben 5 Minuten zwischendurch dran arbeiten konnte, wie ich das bei wolligen Sachen gerne mache. 

Ein weiterer Konstruktionsfehler betrifft die Kettspannung. 
Grundsätzlich besteht in der Anleitung ein Denkfehler: Wenn man, wie vorgesehen, beide Holme löst und in die gleiche Richtung weiterdreht, dann hat man nicht wie vorgesehen ein gleichmäßiges Weiterdrehen von Kette und Gewebe, sondern auf einmal die maximal mögliche Kett-Entspannung, weil ja die beiden Holme mit der spannenden Seite nach außen angebracht waren. Es macht also nicht sortiert "flupp-flupp" und alles wandert etwas weiter, sondern es macht auf einmal "wusch" und alles fällt in sich zusammen und muss anschließend wieder angeordnet werden.
Darauf kann man eigentlich verzichten.... 

Dadurch, dass die Kettfäden einmal im Kreis um den Rahmen herumgehen, rutschte der Schuss außerdem quasi ungebremst auf der gesamten Kettlänge herum. 
Hätte man einen Warenbaum, dann wäre der Rutscherei durch das aufgewickelte Gewebe Einhalt geboten. 

Als ich mit dem Gewebe anfing, hatte ich ca. 5cm Abstand zwischen dem Webanfang und den Kettstab, da gibt es kein Foto. 
Nach einiger Zeit Weben war das gesamte Gewebe auf der Kette bis an den Kettstab gerutscht: 
Nachdem ich den Webanfang auf die Rückseite gedreht hatte, rutschten die Kettfäden mit der Zeit wiederum in die andere Richtung durch das Gewebe: Am Ende der Webarbeit waren wieder ca 7cm Platz zwischen Anfang und Kettstab: 
Ist an sich ja vielleicht nicht so tragisch, aber ein gleichmäßiger Anschlag der Schussfäden wird dadurch nicht gerade gefördert.  

Auch ansonsten wurde die Kette immer lockerer, vor allem an den Rändern und in der Mitte und gerade beim Rips-Weben ist das lästig. 
Nachspannen war eigentlich nicht möglich. 

Irgendwann habe ich aufgehört, ordentliche Ränder weben zu wollen und akzeptiert, dass die Weberei immer noch schmaler wurde. Ich bin dazu übergegangen, immer so ca 8 Schussfäden durchzuziehen und mit dem Webstab grob anzuschlagen, dann habe ich sie "im Paket" mit dem Kamm angedrückt und die lockeren Kettfäden am Rand und in der Mitte - im Verlauf der Arbeit immer mehr - von Hand einzeln auf die richtige Spannung durchs Gewebe gezogen....  

Ich bin froh, dass ich den Webenova-Rahmen jetzt wieder wegpacken konnte... 

Das Gewebe ist ganz schön geworden. Die scheußlichen Ränder werden in den Seitennähten des Kissens verschwinden und dann wird alles gut...

Das Kissen wird zwei sehr unterschiedliche Seiten haben: Die eine ist ein "Sampler" für Bänder und Bordüren, auf der anderen habe ich mit Farbverläufen und Farbkombinationen gespielt, mal wieder im Versuch, Farben verstehen zu lernen. 

Noch ein paar Fotos, bevor ich das Gewebe vom Rahmen genommen habe: 
(Die Fotos sind leider mies, aber ich bin momentan in meiner Beweglichkeit sehr eingeschränkt und wollte nicht warten, 
bis ich wieder schöne Fotos machen kann.)
Vorderseite, der Webstab ist schon entfernt.  
Rückseite: 
Jetzt würde ich gerne meinen Ashfordrahmen neu aufziehen, aber das macht mein Knie noch nicht mit. 

Mittwoch, 12. August 2015

Der Webenova-Webrahmen, Teil 3 - Webversuche


Der Plan: 
Mein Probestück auf dem Webenova wird ein Baumwollgewebe, dass gleichzeitig ein Sampler für Schussripsmuster und ein Sofakissen werden soll. 

Das Garn: 
Die Kette besteht aus einem dunkelblauen Baumwollgarn mit 300m/100g LL. 
Der Schuss ist Catania, ebenfalls Baumwolle. 
Für die Garne habe ich seehr tief in gaanz alten Garnvorräten gegraben. 

Das Weben: 
Es funktionikert ganz normal: 
• Stab kippen -> Fach öffnet sich
• Schuss im spitzen Winkel eintragen
• Stab senkrecht stellen und nach vorne führen, um den Schuss zu fixieren
• beim Zurückfahren des Stabes denselben in die andere Richtung kippen
   -> anderes Fach öffnet sich
• nächster Schuss.... 
• usw. 

Soweit, sogut. Es funktioniert eigentlich nicht schlecht. 



Anmerkungen, Pannen und Probleme: 

Schiffchen: 
Diese seltsame (für mich neue) Schiffchenform mit der eckigen Aussparung bewährt sich: 
Das Garn lässt sich sehr ordentlich aufwickeln, eigentlich besser als bei den Schiffchen mit runder Bohrung. 
Beim Weben verhängt es sich auch nicht. Geht sehr gut. 

Fach und Schuss: 
Die Fächer sind wesentlich kleiner als bei meinen Gatterkammwebrahmen. 
Aber solange man mit dem Schiffchen nah am Stab entlangfährt, lässt es sich problem- und fehlerlos weben. 
Da der Drehstab auf dem Rahmen frei beweglich ist, kann man ihn immer in einer angenehmen Arbeitsposition halten. 

Der Anschlag: 
Steht der Drehstab senkrecht, klappt das Andrücken sehr gut. Auf den ersten ca. 10cm konnte ich auf diese Weise mit Ausnahme einer kleinen Stelle in der Mitte (siehe unten) mühelos das Garn so andrücken, dass der gewünschte Rips entsteht. 
Ein Problem gibt es, wenn man den Drehstab aus Versehen in nach vorne gekippter Stellung ans Gewebe drückt. Das ist mir einmal passiert. Dabei geriet der Schussfaden irgendwie zwischen Drehstab und Verschlussstab und drückte ein paar der oberen Kettfäden aus den Schlitzen, die dann in die benachbarten Schlitze hüpften. 
Der Schaden ließ sich einfach beheben, lästig ist sowas natürlich trotzdem. 
Ich habe mir den Fehlermechanismus genau angesehen: Das passiert wirklich nur, wenn man den Stab beim Andrücken nach vorne kippt, lässt sich also sehr leicht vermeiden. 
Möglicherweise strapaziert die breite Kontaktfläche in den Schlitzen beim Hin- und Herschieben das Kettgarn aber mehr, als es ein Gatterkamm tut. 

Die Kettspannung: drei Probleme

Die ersten Zentimeter gingen sehr gut. Dann hatte ich das Gefühl, die Kette würde immer lockerer. Ich schob am oberen Querstab ein Schiffchen zwischen Kette und Holz, das half kurzfristig..... Eine ganze Zeitlang später kam ich auf die Idee, mir mal die Kettspannvorrichtung – also die Stellung der Querleisten – anzusehen: 
Aha, da war ein Übeltäter gefunden. 
Die untere Querleiste hatte sich gelöst und aufgestellt, dadurch war die Kette lockerer geworden. Ich stellte sie wieder gerade und schraubte ordentlich fest. 
Dabei stellte ich fest, dass einerseits der Schuss mittlerweile völlig an den Kettordner gerutscht war, gleichzeitig war der Kettordner bis auf die untere Querleiste gerutscht. 
Ich hatte also beim Andrücken des Schussfadens nicht nur den Schussfaden angedrückt, sondern gleichzeitig alle bereits gewebten Schussfäden auf den Kettfäden sowie das ganze Gewebe auf dem ganzen Rahmen weiterbewegt. 
Auf dem leider sehr unscharfen Bild kann man die ursprüngliche Stellung des Kettordners (Rundholz) zumindest erahnen (oben). 
So hat es sich ganz von selbst entwickelt (unten)
Mittlerweile geht das Gewebe schon über dem Kettordner "um die Kurve", aber weiter kann es ja jetzt nicht mehr rutschen. Nur muss ich mir überlegen, wie ich das ganz am Schluss mache, denn da ist ja quasi überhaupt nichts mehr zwischen dem Gewebe und dessen Ende. 
Momentan denke ich, ich werde die Kettfäden von der anderen Seite mit viel Abstand abschneiden und dann den Kettordner-Rundstab vorsichtig herauslösen (zum Glück habe ich ihn nur einmal mit den Kettfäden umwickelt). Dann habe ich hoffentlich wieder genug Material, um mit Knoten sichern zu können, oder so. 
Das nächste Mal würde ich unbedingt eine Leiste oder Pappstreifen oder dickes Anfangsgarn an den Anfang weben, um das Gewebe etwas auf Abstand zum Kettordner zu halten.  

Dass das ganze Gewebe auf dem Rahmen insgesamt weitergerutscht ist, finde ich im Moment fast eher praktisch. Da hatte ich länger einen angenehmen Arbeitsabstand. 
Wie sich das entwickelt, wenn man den Kettordner, der momentan auf der Querleiste liegend ein Weiterrutschen verhindert, mitsamt dem Anfang es Gewebes auf die andere Seite dreht, wird sich zeigen. Hoffentlich flutscht das dann nicht übermäßig viel.

Die Webenova-Anleitung sieht nämlich vor, dass man zu gegebener Zeit (immer nach ca. 25cm Weben) alle Muttern löst, den oberen und unteren Querstab mit je einer Hand fasst und – flupp-flupp-flupp – die ganze Chose inklusive Querstäben weiterdreht, und dann solang weiterarbeitet, bis man quasi im Kreis rum alles fertig gewebt hat. 

Das zweite Problem besteht in der Kettspannung generell. 
Möglicherweise ist sowohl die Beschaffenheit meines Kettgarns als auch die Tatsache schuld, dass beim Rips-Weben die Kette nicht kürzer wird, man aber viel Spannung braucht. 
Jedenfalls wird die Kette immer lockerer und mittlerweile muss ich die Kettfäden fast schon von Hand anziehen, um die gewünschte Ripsbinung zustande zu bringen. 
Und je lockerer die Kette wird, desto schmaler wird das Gewebe. 
Das macht jetzt nicht wirklich Spaß. 
Da ich laut Anleitung bei beiden Querstäben die längere Hälfte nach außen gedreht habe, kann ich die Kette zwar lockern, aber nicht nachspannen. 
Da muss ich mir jetzt etwas einfallen lassen. (Mehr Holzleisten unterlegen oder so.)
Beim nächsten Mal würde ich den einen Querstab so und den anderen andersrum montieren, dann könnte man mit dem einen Querstab spannen, mit dem anderen lockern. 

Übrigens schreibt die Webenova-Anleitung vor, dass man immer, wenn man Pause vom Weben macht, die Kettspannung lockern soll. Das habe ich auch brav gemacht. 

Das dritte Problem stellt ein kleiner Bereich in der Mitte der Kette dar. Von Anfang an musste ich hier mit einem kleinen Kamm nachhelfen, um ein geschlossenes Bindungsbild zu erreichen, was rechts und links von selbst ging. 
Zunächst dachte ich, hier wären meine Kettfäden zu locker (vielleicht, weil ich entgegen  der Anleitung den Kettfaden in der Mitte nicht aneinander, sondern um den Kettordner geknotet hatte? 
Oh tiefe Geheimnisse des Webens!)
So spannte ich die betreffenden Fäden durch Unterlegen eines Papierknubbels nach. 
Das half aber nicht wirklich viel. 
Mittlerweile frage ich mich, ob nicht eine Unregelmäßigkeit im Drehstab schuld sein könnte:  
Genau an der Stelle, an der ich immer nacharbeiten muss, reichen die Schlitze nicht ganz so tief, wie auf dem Rest des Stabes. 
Beim Andrücken des Schusses werden also genau hier die Kettfäden auch immer ein bisschen nach oben gedrückt. Vielleicht drückt das dann sozusagen die Bindung wieder auseinander. 
Hier muss ich den Schussfaden immer extra mit einem kleinen Kamm festdrücken (oben).
Die betreffenden Kettfäden machen im Webstab eine Beule nach oben. (unten)
Abgesehen von der nachlassenden Kettspannung, für die ich jetzt für den Rest der Weberei improvisieren muss, macht das Weben auf dem Webenova durchaus Spaß. 
Und meine ersten Schussrips-Musterversuche finde ich eigentlich auch ganz lustig. 
Die nächste Fortsetzung gibt es dann erst, wenn ich mit dem ganzen Kissen fertig bin.
Das kann noch ein gutes Weilchen dauern......  










Dienstag, 11. August 2015

Der Webenova-Webrahmen, Teil 2 - Spannen der Kette

Der Rahmen soll mithilfe der "Webenova-Halter" so am Tisch befestigt werden, dass etwas mehr als die Hälfte über die Tischkante hinaussteht. 
Ich nehme einfache Schraubzwingen und könnte mir vorstellen, dass die sogar besser halten, weil die Querleisten in der originalen Halterung offenbar viel Spiel haben.
Der Kettordner wird in das unterste freie Loch des Seitenteils auf der Tischseite gesteckt,
 auf der schwebenden Seite bleibt sein Ende frei. 
Das Knäul soll unter dem Rahmen in eine Schachtel gelegt und das Garnende an der roten Mittelmarkierung des Kettordners festgeknotet werden. 
Dann wickelt man das Garn zum legendären Webenova-Stab, legt es in den ersten Schlitz neben der roten Markierung, führt es über die obere Querleiste, auf der Unterseite des Rahmens zurück über die untere Querleiste zum Kettordner zurück.
Hier soll man es nun einerseits zweimal um das Rundholz wickeln, andererseits genau darauf achten, keine "Rille", die in Wirklichkeit nur eine kleine Kerbe ist, auszulassen.  
Der Sinn des zweimaligen Gewickels erschließt sich mir nicht. Ich wickle nur einmal. Und das Garn in der Kerbe zu halten, erweist sich als recht mühsam, weil es sich problemlos hin und herschieben lässt und ich bei der Umwicklung auch nicht genau sehen kann, welche "Rille" nun schon belegt ist und welche nicht. Also arbeite ich nach Augenmaß und rutsche später hin und her, wo es nötig ist. 
Am Drehstab – Verzeihung: Webenova-Stab – darf man natürlich wirklich keinen Schlitz auslassen.  
Hat man die Hälfte der gewünschten Webbreite erreicht, soll man den Rahmen aus den Haltern nehmen und "umlegen".
Er wird jetzt andersrum befestigt, damit nun die noch freie Seite über den Tisch ragt. 
Wichtig ist es, den Kettordner aus dem Loch zu ziehen, in das entsprechende Loch der Gegenseite zu stecken und dabei die schon gespannten Kettfäden auf der Querleiste etwas zu verschieben, 
damit alles parallel läuft. 
Die schwebende Seite des Rundholzes ist jetzt wieder frei und kann wieder umwickelt werden. Die Anleitung sieht vor, das man den Knoten des ersten Kettfadens löst und den Anfang der zweiten Partie daran festknotet, aber dafür reichen meine feinmotorischen Fähigkeiten nicht aus, so dass ich auch den neuen Anfang einfach festknote. 
Dann wird wie gehabt weitergewickelt, vom Kettordner über den Drehstab einmal rundrum, bis man die Webbreite erreicht hat. Die Enden werden natürlich festgeknotet. 
Nun wird der Kettordner gelöst und alles nochmal ein bisschen zurechtgerückt.
Der Kettordner soll frei zwischen den Seitenteilen hängen und möglichst rechts und links nicht anstoßen. Dafür ist er allerdings ein bisschen zu lang. Er passt so gerade mit Ach und Krach in den Zwischenraum. Wenn er aber kürzer wäre, würde das zu größeren Verschiebungen beim Spannen der Kette führen, weil ja dann die Mitte noch weniger in der Mitte wäre als es ohnehin schon der Fall ist, wenn der Stab in einem Seitenloch steckt. 

So, und jetzt wird's trickreich: Der "Verschlussstab" kommt zu Einsatz. Er wird über die Schlitze gelegt und mit je einem Gummiring an den Seiten des Webnova-Stabes fixiert. Die Vorbesitzer nutzten zu diesem Zweck Hosengummi. Das tat ich dann auch, aber natürlich mit neuen Gummis. 
Jetzt ist der Rahmen webbereit. 
Übrigens kommen durch die Schlitzung des Stabes ca. 27 Kettfäden auf 10cm. 


In aufrechter Stellung dient der Webenova-Stab als "Anschlaggkamm", um die Schußfäden ans Gewebe zu drücken. 
Die Fächer bilden sich durch Kippen nach vorne oder hinten, wobei die Seiten des Webnova-Stabes so geformt sind, dass diese Postionen eindeutig vorgegeben sind und er sich gut kippen lässt. 
Das gummifixierte Rundholz verhindert, dass die Kettfäden heraushüpfen und in Unordnung geraten. 

Das Foto von der Gesamtansicht des fertig gespannten Rahmens ist leider so unscharf geworden, dass ich es nicht zeigen kann. 
Fortsetzung folgt bei Gelegenheit.  

Sonntag, 9. August 2015

Der Webenova-Webrahmen, Teil 1 - Teile und Zubehör

Er wollte gestern nicht auf dem Flohmarkt bleiben. Darum habe ich ihn mitgenommen, 
ausgepackt und begutachtet und mittlerweile auch bespannt und angewebt. 

In der Schachtel befand sich neben den Holzteilen auch eine Anleitung sowie 
das Webenova-Schema. 

Die Lektüre der Anleitung erweckt den Eindruck, dass hier das Rad neu erfunden werden sollte. 
Der Versuch, auf diese Weise eine Jahrtausende alte Technik möglichst geschickt als Novum zu vermarkten, wirkt zugleich originell und ein bisschen vergilbt. 
(Nichtsdestotrotz geschieht das Gleiche auch heute tagtäglich - nur mit moderner Sprache und Grafik, über die unsere Kinder eines Tages ebenso lächeln werden, wie ich heute über die umständliche Ausdrucksweise in der maschinengetippten Webenova-Anleitung.)

Die geballte Verwendung des Begriffes "Webenova" ist direkt putzig. 
Sollte dies ein Markenartikel werden, von dem alle Welt spricht, wie von Tempo oder Tesa? 
"Hast du ein Tempo für mich?", "Wo ist der Tesa?", "Ich war heut am Webenova",
"Den Teppich hab ich mit dem Webenova gemacht", 
"Boa, mein neuer Webenova ist voll cool, ey!"  
Das wichtigste Teil der ganzen Konstruktion ist der Webenova-Stab, der in der Anleitung auch konsequent so bezeichnet wird. Was das Lesen nicht gerade vereinfacht, zumal er im Verein mit den Webenova-Haltern und dem Webenova-Schema auftritt.
Er funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie die üblichen Drehstäbe bei Kinderwebrahmen. 
Die Rillen erstrecken sich etwa über 63cm.

Die Webenova-Halter fehlen in meiner Schachtel. Der Abbildung nach zu urteilen handelt es sich um Schraubzwingen, wobei sie offenbar einen zusätzlichen Haken hatten, in den man eine Querleiste einhängen konnte.  

Das Webenova-Schema ist eine Tabelle, auf der Möglichkeiten der Musterbildung abgebildet sind. 
Sie trägt das Druckjahr 1957. 

Nun zum Aufbau des Webenova, der konsequent nirgends als Webrahmen bezeichnet wird: 
Zwei "Längsstäbe" bilden die Seitenteile des Rahmens. Sie haben verschiedene Löcher. 

Die "Querstäbe" hätte ich spontan als Kett- und Warenbaum bezeichnet, das sind sie aber nicht. 
Die Neuerfindung des Webens sieht vor, dass man die Kette um den ganzen Rahmen herumwickelt. 

Je nachdem, in welchen Löchern man die Querstäbe anbringt, erhält man dadurch in 15cm-Schritten Kettlängen von 85-160cm. 
Die Querstäbe werden mit Holzmuttern auf Holzgewinden fixiert. 
Um die Kettspannung regulieren zu können, sind die Gewinde nicht mittig, sondern seitlich versetzt angebracht. So kann man durch Drehen der beiden Leisten den Umfang vergrößern oder verringern, ähnlich wie z.B. bei einem Ashford-Inkle-Loom. 

Für die Ausgangsstellung sollen die breiten Abschnitte nach außen, damit man später die Kette entspannen kann. 


Weitere wichtige Teile sind neben den vier Schiffchen der "Kettordner" und der "Verschlusstab", (damals noch nicht mit sss).
Der Kettordner ist mit Kerben versehen, die ein fleißiger Webenova-Mitarbeiter in mühevoller Kleinarbeit Strich für Strich eingebrannt hat. 
Falls dies das Originalteil ist. In der Anleitung ist die Rede von Rillen, bei denen man peinlich genau darauf achten soll, dass man keine auslässt. 
Bei den Brandkerben war es heute aber eher schwierig, den Kettfaden in bzw. auf den Rillen zu halten, so dass ich das schnell gelassen habe.  
Der Kettordner hat im Gegensatz zum Verschlussstab auch keine Beschriftung.  
Der Verschlussstab soll verhindern, dass die Kettfäden aus dem Drehstab rutschen. 
Dann gibt es noch den "Webehaken", das lange Holzteil, das wie eine Kreuzung aus Lesetab und Häkelnadel aussieht. 
Er dient dazu, Material durchs Fach zu ziehen, das sich nicht dazu eignet, auf Schiffchen gewickelt zu werden. Als Beispiele werden "Fleckerl, Bast, Wollreste" genannt. 
Die Anleitung schließt mit der vertrauenserweckenden Aufforderung: 
"Ist Ihnen etwas unklar oder haben Sie für besondere Arbeiten irgendwelche Fragen, 
so schreiben Sie an ..."


Fortsetzung folgt: 

Über meine Versuche, den Webenova in Betrieb zu nehmen, berichte ich bei Gelegenheit.