Mittwoch, 12. August 2015

Der Webenova-Webrahmen, Teil 3 - Webversuche


Der Plan: 
Mein Probestück auf dem Webenova wird ein Baumwollgewebe, dass gleichzeitig ein Sampler für Schussripsmuster und ein Sofakissen werden soll. 

Das Garn: 
Die Kette besteht aus einem dunkelblauen Baumwollgarn mit 300m/100g LL. 
Der Schuss ist Catania, ebenfalls Baumwolle. 
Für die Garne habe ich seehr tief in gaanz alten Garnvorräten gegraben. 

Das Weben: 
Es funktionikert ganz normal: 
• Stab kippen -> Fach öffnet sich
• Schuss im spitzen Winkel eintragen
• Stab senkrecht stellen und nach vorne führen, um den Schuss zu fixieren
• beim Zurückfahren des Stabes denselben in die andere Richtung kippen
   -> anderes Fach öffnet sich
• nächster Schuss.... 
• usw. 

Soweit, sogut. Es funktioniert eigentlich nicht schlecht. 



Anmerkungen, Pannen und Probleme: 

Schiffchen: 
Diese seltsame (für mich neue) Schiffchenform mit der eckigen Aussparung bewährt sich: 
Das Garn lässt sich sehr ordentlich aufwickeln, eigentlich besser als bei den Schiffchen mit runder Bohrung. 
Beim Weben verhängt es sich auch nicht. Geht sehr gut. 

Fach und Schuss: 
Die Fächer sind wesentlich kleiner als bei meinen Gatterkammwebrahmen. 
Aber solange man mit dem Schiffchen nah am Stab entlangfährt, lässt es sich problem- und fehlerlos weben. 
Da der Drehstab auf dem Rahmen frei beweglich ist, kann man ihn immer in einer angenehmen Arbeitsposition halten. 

Der Anschlag: 
Steht der Drehstab senkrecht, klappt das Andrücken sehr gut. Auf den ersten ca. 10cm konnte ich auf diese Weise mit Ausnahme einer kleinen Stelle in der Mitte (siehe unten) mühelos das Garn so andrücken, dass der gewünschte Rips entsteht. 
Ein Problem gibt es, wenn man den Drehstab aus Versehen in nach vorne gekippter Stellung ans Gewebe drückt. Das ist mir einmal passiert. Dabei geriet der Schussfaden irgendwie zwischen Drehstab und Verschlussstab und drückte ein paar der oberen Kettfäden aus den Schlitzen, die dann in die benachbarten Schlitze hüpften. 
Der Schaden ließ sich einfach beheben, lästig ist sowas natürlich trotzdem. 
Ich habe mir den Fehlermechanismus genau angesehen: Das passiert wirklich nur, wenn man den Stab beim Andrücken nach vorne kippt, lässt sich also sehr leicht vermeiden. 
Möglicherweise strapaziert die breite Kontaktfläche in den Schlitzen beim Hin- und Herschieben das Kettgarn aber mehr, als es ein Gatterkamm tut. 

Die Kettspannung: drei Probleme

Die ersten Zentimeter gingen sehr gut. Dann hatte ich das Gefühl, die Kette würde immer lockerer. Ich schob am oberen Querstab ein Schiffchen zwischen Kette und Holz, das half kurzfristig..... Eine ganze Zeitlang später kam ich auf die Idee, mir mal die Kettspannvorrichtung – also die Stellung der Querleisten – anzusehen: 
Aha, da war ein Übeltäter gefunden. 
Die untere Querleiste hatte sich gelöst und aufgestellt, dadurch war die Kette lockerer geworden. Ich stellte sie wieder gerade und schraubte ordentlich fest. 
Dabei stellte ich fest, dass einerseits der Schuss mittlerweile völlig an den Kettordner gerutscht war, gleichzeitig war der Kettordner bis auf die untere Querleiste gerutscht. 
Ich hatte also beim Andrücken des Schussfadens nicht nur den Schussfaden angedrückt, sondern gleichzeitig alle bereits gewebten Schussfäden auf den Kettfäden sowie das ganze Gewebe auf dem ganzen Rahmen weiterbewegt. 
Auf dem leider sehr unscharfen Bild kann man die ursprüngliche Stellung des Kettordners (Rundholz) zumindest erahnen (oben). 
So hat es sich ganz von selbst entwickelt (unten)
Mittlerweile geht das Gewebe schon über dem Kettordner "um die Kurve", aber weiter kann es ja jetzt nicht mehr rutschen. Nur muss ich mir überlegen, wie ich das ganz am Schluss mache, denn da ist ja quasi überhaupt nichts mehr zwischen dem Gewebe und dessen Ende. 
Momentan denke ich, ich werde die Kettfäden von der anderen Seite mit viel Abstand abschneiden und dann den Kettordner-Rundstab vorsichtig herauslösen (zum Glück habe ich ihn nur einmal mit den Kettfäden umwickelt). Dann habe ich hoffentlich wieder genug Material, um mit Knoten sichern zu können, oder so. 
Das nächste Mal würde ich unbedingt eine Leiste oder Pappstreifen oder dickes Anfangsgarn an den Anfang weben, um das Gewebe etwas auf Abstand zum Kettordner zu halten.  

Dass das ganze Gewebe auf dem Rahmen insgesamt weitergerutscht ist, finde ich im Moment fast eher praktisch. Da hatte ich länger einen angenehmen Arbeitsabstand. 
Wie sich das entwickelt, wenn man den Kettordner, der momentan auf der Querleiste liegend ein Weiterrutschen verhindert, mitsamt dem Anfang es Gewebes auf die andere Seite dreht, wird sich zeigen. Hoffentlich flutscht das dann nicht übermäßig viel.

Die Webenova-Anleitung sieht nämlich vor, dass man zu gegebener Zeit (immer nach ca. 25cm Weben) alle Muttern löst, den oberen und unteren Querstab mit je einer Hand fasst und – flupp-flupp-flupp – die ganze Chose inklusive Querstäben weiterdreht, und dann solang weiterarbeitet, bis man quasi im Kreis rum alles fertig gewebt hat. 

Das zweite Problem besteht in der Kettspannung generell. 
Möglicherweise ist sowohl die Beschaffenheit meines Kettgarns als auch die Tatsache schuld, dass beim Rips-Weben die Kette nicht kürzer wird, man aber viel Spannung braucht. 
Jedenfalls wird die Kette immer lockerer und mittlerweile muss ich die Kettfäden fast schon von Hand anziehen, um die gewünschte Ripsbinung zustande zu bringen. 
Und je lockerer die Kette wird, desto schmaler wird das Gewebe. 
Das macht jetzt nicht wirklich Spaß. 
Da ich laut Anleitung bei beiden Querstäben die längere Hälfte nach außen gedreht habe, kann ich die Kette zwar lockern, aber nicht nachspannen. 
Da muss ich mir jetzt etwas einfallen lassen. (Mehr Holzleisten unterlegen oder so.)
Beim nächsten Mal würde ich den einen Querstab so und den anderen andersrum montieren, dann könnte man mit dem einen Querstab spannen, mit dem anderen lockern. 

Übrigens schreibt die Webenova-Anleitung vor, dass man immer, wenn man Pause vom Weben macht, die Kettspannung lockern soll. Das habe ich auch brav gemacht. 

Das dritte Problem stellt ein kleiner Bereich in der Mitte der Kette dar. Von Anfang an musste ich hier mit einem kleinen Kamm nachhelfen, um ein geschlossenes Bindungsbild zu erreichen, was rechts und links von selbst ging. 
Zunächst dachte ich, hier wären meine Kettfäden zu locker (vielleicht, weil ich entgegen  der Anleitung den Kettfaden in der Mitte nicht aneinander, sondern um den Kettordner geknotet hatte? 
Oh tiefe Geheimnisse des Webens!)
So spannte ich die betreffenden Fäden durch Unterlegen eines Papierknubbels nach. 
Das half aber nicht wirklich viel. 
Mittlerweile frage ich mich, ob nicht eine Unregelmäßigkeit im Drehstab schuld sein könnte:  
Genau an der Stelle, an der ich immer nacharbeiten muss, reichen die Schlitze nicht ganz so tief, wie auf dem Rest des Stabes. 
Beim Andrücken des Schusses werden also genau hier die Kettfäden auch immer ein bisschen nach oben gedrückt. Vielleicht drückt das dann sozusagen die Bindung wieder auseinander. 
Hier muss ich den Schussfaden immer extra mit einem kleinen Kamm festdrücken (oben).
Die betreffenden Kettfäden machen im Webstab eine Beule nach oben. (unten)
Abgesehen von der nachlassenden Kettspannung, für die ich jetzt für den Rest der Weberei improvisieren muss, macht das Weben auf dem Webenova durchaus Spaß. 
Und meine ersten Schussrips-Musterversuche finde ich eigentlich auch ganz lustig. 
Die nächste Fortsetzung gibt es dann erst, wenn ich mit dem ganzen Kissen fertig bin.
Das kann noch ein gutes Weilchen dauern......  










Dienstag, 11. August 2015

Der Webenova-Webrahmen, Teil 2 - Spannen der Kette

Der Rahmen soll mithilfe der "Webenova-Halter" so am Tisch befestigt werden, dass etwas mehr als die Hälfte über die Tischkante hinaussteht. 
Ich nehme einfache Schraubzwingen und könnte mir vorstellen, dass die sogar besser halten, weil die Querleisten in der originalen Halterung offenbar viel Spiel haben.
Der Kettordner wird in das unterste freie Loch des Seitenteils auf der Tischseite gesteckt,
 auf der schwebenden Seite bleibt sein Ende frei. 
Das Knäul soll unter dem Rahmen in eine Schachtel gelegt und das Garnende an der roten Mittelmarkierung des Kettordners festgeknotet werden. 
Dann wickelt man das Garn zum legendären Webenova-Stab, legt es in den ersten Schlitz neben der roten Markierung, führt es über die obere Querleiste, auf der Unterseite des Rahmens zurück über die untere Querleiste zum Kettordner zurück.
Hier soll man es nun einerseits zweimal um das Rundholz wickeln, andererseits genau darauf achten, keine "Rille", die in Wirklichkeit nur eine kleine Kerbe ist, auszulassen.  
Der Sinn des zweimaligen Gewickels erschließt sich mir nicht. Ich wickle nur einmal. Und das Garn in der Kerbe zu halten, erweist sich als recht mühsam, weil es sich problemlos hin und herschieben lässt und ich bei der Umwicklung auch nicht genau sehen kann, welche "Rille" nun schon belegt ist und welche nicht. Also arbeite ich nach Augenmaß und rutsche später hin und her, wo es nötig ist. 
Am Drehstab – Verzeihung: Webenova-Stab – darf man natürlich wirklich keinen Schlitz auslassen.  
Hat man die Hälfte der gewünschten Webbreite erreicht, soll man den Rahmen aus den Haltern nehmen und "umlegen".
Er wird jetzt andersrum befestigt, damit nun die noch freie Seite über den Tisch ragt. 
Wichtig ist es, den Kettordner aus dem Loch zu ziehen, in das entsprechende Loch der Gegenseite zu stecken und dabei die schon gespannten Kettfäden auf der Querleiste etwas zu verschieben, 
damit alles parallel läuft. 
Die schwebende Seite des Rundholzes ist jetzt wieder frei und kann wieder umwickelt werden. Die Anleitung sieht vor, das man den Knoten des ersten Kettfadens löst und den Anfang der zweiten Partie daran festknotet, aber dafür reichen meine feinmotorischen Fähigkeiten nicht aus, so dass ich auch den neuen Anfang einfach festknote. 
Dann wird wie gehabt weitergewickelt, vom Kettordner über den Drehstab einmal rundrum, bis man die Webbreite erreicht hat. Die Enden werden natürlich festgeknotet. 
Nun wird der Kettordner gelöst und alles nochmal ein bisschen zurechtgerückt.
Der Kettordner soll frei zwischen den Seitenteilen hängen und möglichst rechts und links nicht anstoßen. Dafür ist er allerdings ein bisschen zu lang. Er passt so gerade mit Ach und Krach in den Zwischenraum. Wenn er aber kürzer wäre, würde das zu größeren Verschiebungen beim Spannen der Kette führen, weil ja dann die Mitte noch weniger in der Mitte wäre als es ohnehin schon der Fall ist, wenn der Stab in einem Seitenloch steckt. 

So, und jetzt wird's trickreich: Der "Verschlussstab" kommt zu Einsatz. Er wird über die Schlitze gelegt und mit je einem Gummiring an den Seiten des Webnova-Stabes fixiert. Die Vorbesitzer nutzten zu diesem Zweck Hosengummi. Das tat ich dann auch, aber natürlich mit neuen Gummis. 
Jetzt ist der Rahmen webbereit. 
Übrigens kommen durch die Schlitzung des Stabes ca. 27 Kettfäden auf 10cm. 


In aufrechter Stellung dient der Webenova-Stab als "Anschlaggkamm", um die Schußfäden ans Gewebe zu drücken. 
Die Fächer bilden sich durch Kippen nach vorne oder hinten, wobei die Seiten des Webnova-Stabes so geformt sind, dass diese Postionen eindeutig vorgegeben sind und er sich gut kippen lässt. 
Das gummifixierte Rundholz verhindert, dass die Kettfäden heraushüpfen und in Unordnung geraten. 

Das Foto von der Gesamtansicht des fertig gespannten Rahmens ist leider so unscharf geworden, dass ich es nicht zeigen kann. 
Fortsetzung folgt bei Gelegenheit.  

Sonntag, 9. August 2015

Der Webenova-Webrahmen, Teil 1 - Teile und Zubehör

Er wollte gestern nicht auf dem Flohmarkt bleiben. Darum habe ich ihn mitgenommen, 
ausgepackt und begutachtet und mittlerweile auch bespannt und angewebt. 

In der Schachtel befand sich neben den Holzteilen auch eine Anleitung sowie 
das Webenova-Schema. 

Die Lektüre der Anleitung erweckt den Eindruck, dass hier das Rad neu erfunden werden sollte. 
Der Versuch, auf diese Weise eine Jahrtausende alte Technik möglichst geschickt als Novum zu vermarkten, wirkt zugleich originell und ein bisschen vergilbt. 
(Nichtsdestotrotz geschieht das Gleiche auch heute tagtäglich - nur mit moderner Sprache und Grafik, über die unsere Kinder eines Tages ebenso lächeln werden, wie ich heute über die umständliche Ausdrucksweise in der maschinengetippten Webenova-Anleitung.)

Die geballte Verwendung des Begriffes "Webenova" ist direkt putzig. 
Sollte dies ein Markenartikel werden, von dem alle Welt spricht, wie von Tempo oder Tesa? 
"Hast du ein Tempo für mich?", "Wo ist der Tesa?", "Ich war heut am Webenova",
"Den Teppich hab ich mit dem Webenova gemacht", 
"Boa, mein neuer Webenova ist voll cool, ey!"  
Das wichtigste Teil der ganzen Konstruktion ist der Webenova-Stab, der in der Anleitung auch konsequent so bezeichnet wird. Was das Lesen nicht gerade vereinfacht, zumal er im Verein mit den Webenova-Haltern und dem Webenova-Schema auftritt.
Er funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie die üblichen Drehstäbe bei Kinderwebrahmen. 
Die Rillen erstrecken sich etwa über 63cm.

Die Webenova-Halter fehlen in meiner Schachtel. Der Abbildung nach zu urteilen handelt es sich um Schraubzwingen, wobei sie offenbar einen zusätzlichen Haken hatten, in den man eine Querleiste einhängen konnte.  

Das Webenova-Schema ist eine Tabelle, auf der Möglichkeiten der Musterbildung abgebildet sind. 
Sie trägt das Druckjahr 1957. 

Nun zum Aufbau des Webenova, der konsequent nirgends als Webrahmen bezeichnet wird: 
Zwei "Längsstäbe" bilden die Seitenteile des Rahmens. Sie haben verschiedene Löcher. 

Die "Querstäbe" hätte ich spontan als Kett- und Warenbaum bezeichnet, das sind sie aber nicht. 
Die Neuerfindung des Webens sieht vor, dass man die Kette um den ganzen Rahmen herumwickelt. 

Je nachdem, in welchen Löchern man die Querstäbe anbringt, erhält man dadurch in 15cm-Schritten Kettlängen von 85-160cm. 
Die Querstäbe werden mit Holzmuttern auf Holzgewinden fixiert. 
Um die Kettspannung regulieren zu können, sind die Gewinde nicht mittig, sondern seitlich versetzt angebracht. So kann man durch Drehen der beiden Leisten den Umfang vergrößern oder verringern, ähnlich wie z.B. bei einem Ashford-Inkle-Loom. 

Für die Ausgangsstellung sollen die breiten Abschnitte nach außen, damit man später die Kette entspannen kann. 


Weitere wichtige Teile sind neben den vier Schiffchen der "Kettordner" und der "Verschlusstab", (damals noch nicht mit sss).
Der Kettordner ist mit Kerben versehen, die ein fleißiger Webenova-Mitarbeiter in mühevoller Kleinarbeit Strich für Strich eingebrannt hat. 
Falls dies das Originalteil ist. In der Anleitung ist die Rede von Rillen, bei denen man peinlich genau darauf achten soll, dass man keine auslässt. 
Bei den Brandkerben war es heute aber eher schwierig, den Kettfaden in bzw. auf den Rillen zu halten, so dass ich das schnell gelassen habe.  
Der Kettordner hat im Gegensatz zum Verschlussstab auch keine Beschriftung.  
Der Verschlussstab soll verhindern, dass die Kettfäden aus dem Drehstab rutschen. 
Dann gibt es noch den "Webehaken", das lange Holzteil, das wie eine Kreuzung aus Lesetab und Häkelnadel aussieht. 
Er dient dazu, Material durchs Fach zu ziehen, das sich nicht dazu eignet, auf Schiffchen gewickelt zu werden. Als Beispiele werden "Fleckerl, Bast, Wollreste" genannt. 
Die Anleitung schließt mit der vertrauenserweckenden Aufforderung: 
"Ist Ihnen etwas unklar oder haben Sie für besondere Arbeiten irgendwelche Fragen, 
so schreiben Sie an ..."


Fortsetzung folgt: 

Über meine Versuche, den Webenova in Betrieb zu nehmen, berichte ich bei Gelegenheit.






   

Samstag, 8. August 2015

Flohmarktschätze

Drei alte Schachteln fuhren mit nach Hause. 
Was mag wohl drin sein? 
Dinge aus Holz und Dinge aus Bein, aber wozu sind sie gut? 


Die erste Schachtel: 
Was ihren Inhalt betrifft, so habe ich keine Ahnung, was das sein könnte. 
(Jedenfalls sind es keine 10 Tafeln hochfeine Schokolade, wie der Aufdruck vorgibt.) 
Der Gegenstand ist aus Holz und sehr ordentlich gearbeitet. 
 Er besteht aus zwei Teilen. 

Außen ist eine Art Rohr mit einer sich leicht konisch verjüngenden Bohrung. 
In diese passt eine Art Stöpsel, der ebenfalls leicht konisch zuläuft. 
Von einer Seite kann man ihn durchschieben. Er passt, steckt aber locker, mit Zwischenraum. 
Von der anderen Seite passt er etwa zur Hälfte rein. 

Außen auf der glatten und offenbar ordentlich bearbeiteten Hülse ist eine Rille und etwa auf gleicher Höhe gibt es auch innen eine Rille, die eine Art Absatz verursacht. 
Die muss einen Sinn haben, sonst hätte sich kaum jemand die Mühe gemacht, sie anzubringen.
Oben und unten ist je eine leichte trichterartige Vertiefung. 

Die Schachtel trägt eine Bleistift-Beschriftung, wovon ich aber nur "Flaschen" entziffern kann. Vielleicht heißt es "Flaschen Stöpsler", vielleicht hat diese Aufschrift aber mit dem Inhalt ebensowenig zu tun wie Schokolade.
Und wenn es ein Flaschenstöpsler ist – das kenne ich auch nicht. 
Was ist das? 
Sollte hier jemand mitlesen, der es weiß: 
Sachdienliche Hinweise sind willkommen! 

Jedenfalls ist es ein hübsches Holzteil, das sicher eine interessante Geschichte hat. Den Dorn könnte man immerhin als Wickeldorn verwenden, auch wenn das wahrscheinlich mit seiner ursprünglichen Bestimmung nichts zu tun hat. 

Die zweite Schachtel: 
Sie enthält lauter kleine kegelartige Figürchen, überwiegend aus Bein oder ähnlichem. 
Zwei sind aus Holz und eines anscheinend aus Horn. 
Meine erster Gedanke war: Das sind Zierknöpfe von einem Spinnrad, aber schon während des Denkens war mir klar, dass das kaum der Fall sein dürfte. 
Die Frau vom Nachbarstand tippte auf Klöppel zum Klöppeln, aber auch das scheint mir unwahrscheinlich, dazu sind sie viel zu klein. 
Mich erinnern die filigranen Stöpselchen an ein Steckspiel, wie etwa Solitär. 
Falls das zutrifft, waren es jedenfalls edle Spielfiguren. Wahrscheinlich sind sie Zeugen einer Zeit, in der es noch keinen Kunststoff gab.   
Jedenfalls ziehe ich den Hut vor der feinen Drechselarbeit und freue mich an den Kegelchen. 
Vielleicht kann ich sie ja eines Tages zur Verzierung von irgendetwas verwenden. 

Die dritte Schachtel: 
Ihr Inhalt erschloss sich mir auf den ersten Blick und lachte mich zunächst gar nicht an:
Drehstockwebrahmen kenne ich aus Kindertagen und mittlerweile habe ich deutlich Besseres im Haus. Den brauche ich eigentlich nicht. 

Der zweite Blick weckte dann die Neugier: So schöne Holzgewinde! 
Und warum sind da so viele Löcher in den mutmaßlichen Seitenteilen – ist das vielleicht eine Schärhilfe? Dazu vier Schiffchen und eine Art Lesestab: davon hat man ja eigentlich nie genug. 
Das Ganze mit einer vermuteten Breite von ca. 60cm. 
Also durfte der Webrahmen auch noch mit. 
Zuhause sah ich ihn dann genauer an und studierte die beiliegende Anleitung von 1957.
Doch, das hört sich durchaus interessant an. Damit werde ich mich bei Gelegenheit doch mal intensiver beschäftigen. 

Ich freu' mich über meine Flohmarktschätze, auch wenn sie alle drei nur Spielereien sind. 
(Oder gerade deswegen.)
(Und weil ich mir so gerne Geschichten zu Dingen mit Geschichte ausdenke.)








Freitag, 7. August 2015

Der Flughund (ein Schultertüchlein) wurde heute ganz fertig.

Warum hat das Tuch diesen seltsamen Namen? 

Weil...
...das Garn aus Hundehaaren besteht.
...das Strickprojekt mir Wartezeiten auf einer Flugreise verkürzte. 
...das ausgebreitete Tuch an einen Flughund erinnert. 
Ich habe es aber rund gespannt, weil das besser auf meine Schultern passt als die Flughundflügelform. 
Spannweite: ca. 115 cm
Länge hinten: ca. 45cm
Gewicht: ca. 125g
Strickmuster: eigener Entwurf

Die Farbe 
ist oben ein helles Grün und unten eher Türkis/Petrol. 
(Mein Bildschirm gibt das teilweise schlecht wieder.)


Ein Knebelverschluss hält das Tuch vorne zusammen und sorgt für komfortables Tragen 
ohne Geziehe und Gezupfe. 
Das Garn: 
100% Hundewolle (Samojede), 
mit Säurefarben gefärbt,
handgesponnen.
LL gesamt ca. 427m 
(entspricht ca. 170m/50g)

Zur Entstehungsgeschichte: 

Im Dezember 2014 bekam ich im Rahmen einer Challengeaktion im Handspinnforum 
ca. 150g Samojedenhaare  zugeschickt. 
Ich habe sie gewaschen, 
(Es ist immer wieder verblüffend, welche Farbe das Waschwasser von Wolle etc annimmt, die im Prinzip weiß aussieht.)
getrocknet, 
gefärbt, 
kardiert, 
gesponnen, 
gezwirnt 
(und anschließend die Farbe nochmal fixiert, weil sie beim Spinnen abfärbte), 
und gestrickt. 
Das Tüchlein liegt leicht und luftig um die Schultern, ist dabei aber sehr warm. 
Einerseits fühlt es sich unglaublich kuschlig an, andererseits fand ich Garn und "Stoff" beim Stricken an manchen Tagen auch etwas sticheilig, wie Alpaka. 
(Mein taktiles Empfinden wechselt je nach Tagesform.)
Wenn die Abende kühl werden, darf es zeigen, was es kann.