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Freitag, 14. Februar 2025

Ein schönes, altes Hemd

In Dornröschens Truhe – also an jenen Orten, an denen Dinge lange schlummern, die einfach nur schön sind, ohne gerade jetzt einen konkreten Nutzen zu haben – liegen ein paar wohlgehütete Schätze. Zum Beispiel alte Hemden. 

Dieses hier aus leinen und wurde zum Teil von Hand und zum Teil mit der Maschine genäht. Vor meinem inneren Auges ich sehe eine schwere, schwarze gusseiserne Schönheit mit Tretmechanismus und Schwungrad oder vielleicht auch mit einer Handkurbel. 

Das Hemd ist reichlich mit Stickereien verziert, die man hier und heute "Hardanger" nennen würde und hat unerwartete bunte Knöpfe, von denen manche nur Zierde sind. 

Der Stoff ist griffig und relativ stabil, bei genauerem Hinsehen etwas unregelmäßig. 

Der Schnitt nutzt den kostbaren, wahrscheinlich auf einem schmalen Webstuhl selbst gewebten  Stoff aus selbst gesponnenem Flachs optimal aus, nicht ganz auf die gleiche Weise, wie hier gezeigt (vorletztes Foto), aber nach einem ähnlichem Prinzip. 

Detail Stickerei und Knöpfe: 
Detail Ärmelmanschette und gesmokte Ärmelweite: 
Detail Kragen, von Hand eingefasste Knopflöcher: 


Detail Unterarmzwickel und gesmokte Oberarmweite:

Detail Stickerei am Bauch von der linken Seite: 
Detail handgenähte Nähte und Saum: 
Von hinten:
Mittlerweile hat das Hemd lange genug seiner Schatzkiste geschlummert, so durfte es in neue, wertschätzende Hände weiterziehen. 



Montag, 18. April 2022

In der Schaustickerei Plauen

Plauen ist weithin für seine Spitzen bekannt. 
Bei der Herstellung kamen bereits etwa seit der Mitte des 19. Jahrhunderts auch Stickmaschinen zum Einsatz. 
In der Schaustickerei Plauen kann man verschiedene besichtigen und in Aktion erleben. 
Als ich im "Corona-Sommer" 2020 auf der Durchreise dort vorbeikam, freute ich mich sehr, dass geöffnet war, und genoss die interessante Führung als eine von drei Teilnehmenden. Dabei entstanden auch einige Fotos, die zum Teil in meinem Buch zu sehen sind. 

Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall für jeden, der sich für die Geschichte der Maschinenstickerei interessiert. 
Alle Informationen finden sich auf der Webseite der Schaustickerei Plauen (klick).
Auch ein kurzer Youtubefilm vermittelt schon einen kleinen Eindruck (klick).  

Meine Bilder zeigen nur sehr wenig der eindrucksvollen Maschinen, die es dort zu sehen gibt: 
Die Handstickmaschine wird von Hand betrieben und erzeugt Stickereien, die von Handstickerei kaum zu unterscheiden sind. Hier der Pantograph, mit dem das Muster von der Vorlage abgetastet und auf die Maschine übertragen wird. 
Die Stickfäden, ... 

... und die Nadeln in der Einfädelmaschine:


Die Schiffchenstickmaschinen arbeiten mit Vorderfaden und Hinterfaden, was dem Ober- und Unterfaden bei der Doppelsteppstich-Nähmaschine entspricht.  

Hier wird der Hinterfaden gespult, ... 

... der dann in die Schiffchen kommt. 
Die Bemusterung erfolgte zunächst ebenfalls mit dem Pantographen, später mit Lochkarten. 
Die Informationen für ein Stickmuster, die heute in einer kleinen Datei stecken, wurden seinerzeit auf langen, maschinenlesbaren Papierrollen untergebracht und im Regal gespeichert. 

Der Würker-Dreikopf-Automat stickt drei gleiche Muster mit einer Steuerung: 

Neben den großen Maschinen wurde aber auch mit Haushaltsnähmaschinen kunstvoll gestickt.  
In der Schaustickerei kann man noch viele andere Maschinen sehen, z.B. eine Adler- und eine Kurbelstickmaschine. Hier die Kurbelstickmaschine in Aktion: 

Ich danke der Schaustickerei Plauen an dieser Stelle nochmals herzlich für die Genehmigung zur Veröffentlichung der Fotos. 

Im Stickmaschinenbuch finden sie sich bei den Stichworten > Freihandsticken, > Handstickmaschine, > punchen, > Schiffchenstickmaschine und > Stickkopf

Zu guter Letzt hier noch die Abbildung einer Handstickmaschine aus meinem guten, alten Brockhaus: 

Quelle: Brockkaus Konversationslexikon 14. A. (1898) Bd. 15

 _____________

Mehr zum Buch: 

-> Buchvorstellung
-> Leseprobe
-> hier erhältlich

Meine Stickmaschine von A bis Z

Was hat es mit den "Bonusfotos" auf sich? Zur Antwort > hier entlang.

> Index Bonusfotos 

Alle Blogbeiträge rund ums Buch und Bonusfotos sind mit einem Klick hier zu finden.  

Donnerstag, 18. Februar 2021

Stopfgarnparade oder ...

 ... eigentlich finde ich sehens- und zeigenwert, was in der hintersten Ecke meines Stoffschranks wohnt und nur selten ans Tageslicht kommt: 

Stopfgarn

Einst – als Reparieren von Kleidungsstücken noch an der Tagesordnung war – gehörte Stopfgarn zum Alltag und wurde in vielen Spinnereien in West und Ost produziert. 
Aus Baumwolle, Wolle, aus Mischungen in verschiedenen Varianten, Dralon, Zellwolle (Viskose) und auch "100% Stopfgarn", wie mancher Aufdruck verrät. 

Neben neueren Kärtchen und Röllchen haben sich im Lauf der Jahre einige Raritäten unterschiedlicher Herkunft in meiner Stopfgarnschachtel angesammelt, die ein Stück Textilgeschichte erzählen. 

Bühne frei: 



































Und dann schlummert da ganz unten in der Schachtel noch eine nagelneue Büstenformergummiaustauschspange – wie auch immer die da hingekommen sein mag. 

Der Aufdruck verrät: "Der Büstenformergummi unterliegt der stärksten Beanspruchung – eine Austauschspange fügen wir daher bei."