Freitag, 25. September 2015

Alpakawäsche

 
Der Vater des Gedankens: 
Obwohl man dem Vernehmen nach Alpaka gut frisch ab Tier kardieren oder spinnen können soll, 
habe ich mich doch entschlossen, die Fasern erst zu waschen, 
- weil ich den Alpakageruch nicht besonders mag, 
- weil ich ungern Staub und Sand im Wohnzimmer habe
- und weil ich von einer Erfahrung gelesen habe, dass der Sand am Spinnradeinzugsloch wie Schmirgelpapier gewirkt habe. 

Plan A: 

Die Idee: 
Alpaka enthält kein Lanolin, also muss ich weder heiß noch mit Spüli waschen und kann das Waschwasser gut zum Blumengießen verwenden, was mir bei dem warmen, trockenen und windigen Wetter vorige Woche sehr entgegenkam. 

Also trug ich den Waschzuber in die durstigste Gartenecke, kleidete ihn mit Mückennetz aus, legte die Alpakafasern ein, holte den Gartenschlauch und bebrauste das Ganze, bis das Wännchen voll war. 

Das Ergebnis: 
Die Fasern tauchten nur schwer unter, saugten sich gar nicht voll und es gab viele Bereiche, wo viele, viele Luftblasen in den Haarbüscheln eingeschlossen waren. 

Aha: Alpaka ist stark wasserabweisend, fehlendes Lanolin hin oder her. 

Plan B: 

Ein Tropfen Spüli dazu. Das hilft beim Wolle färben im Topf selbst dann, wenn ich noch leicht fettige Schafwolle habe. 
Aber nein: Selbst handgreifliches Tauchen konnte die Fasern nicht davon überzeugen, ein ordentliches Vollbad zu nehmen. 

Plan C: 

Mit etwas mehr Spüli (ca. 1 Esslöffel) und viel Gebrause und entsprechendem Geschäume ging' s dann.   

Es hat sich bewährt, kräftig in die Fasern zu brausen, sie sozusagen "abzuspritzen" bis sie im Wännchen schwammen. 
Nach der ersten Dusche habe ich das Ganze ca. 30 Minuten einweichen lassen, danach abgegossen.
Dann gab's eine zweite und dritte Dusche.

Bei einigen Faserportionen war das Waschwasser nach dem ersten Bad schlammbraun, nach dem zweiten Bad  grau und trüb und nach dem dritten Bad so gut wie klar. 
Das habe ich dann für fertig erklärt. 
Bei einigen anderen Portionen, v.a. den weißen, musste ich viel öfter spülen, teilweise wurde das Wasser bis zum Schluss nicht klar und ich habe es dann so gelassen. 

Nach dem letzten Spülgang kamen die einzelnen Wäscheladeungen in die Wäscheschleuder und wurden dann im Garten ausgebreitet. 

Die meisten Fasern trockneten erstaunlich rasch, waren nach 1-2 Stunden trocken. Nur das große, weiße Vlies brauchte 2 Tage zum Trocknen – oder sind die Fasern von diesem Tier nur viel glatter und ich habe nass und "seidig" verwechselt? Ein bisschen "klamm" fühlen sie sich immer noch an. Vielleicht ist das die Struktur dieser Fasern, nachdem der Staub runter gewaschen ist. Intressant. 


••••
Ein paar Bilder: 

Ich hatte befürchtet, dass die Faserbüschel beim Waschen in lauter Einzelhaare zerfallen, so dass ich am Ende "vorne" nicht mehr von "hinten" unterscheiden kann (Schnittkante und Spitze). Das ist aber nicht passiert. Die Fasern gefallen mir nach der Wäsche deutlich besser als vorher und werden sich bestimmt noch gut zum Kardieren ordnen lassen.  

Hier das beige Vlies: sehr, sehr weich und zart. 

So ein pitschnasser Alpakawollklumpen erinnert mich an einen Tonbatzen: 

 ••••
Oben liegt der nasse Wollhaufen auf dem Gitter, auf dem er nach dem Schleudern zum Trocknen ausgebreitet wurde (unten). 
Die Metamorphose ist beeindruckend.  
(Die Farbe übrigens auch: kastanienbraun.)
Das helle Vlies im Vordergrund ist übrigens das mit dem Creme-Touch, schnelltrocknend.
(vom Foto ganz oben in der Wanne)


Das kastanienbraune hatte ich in zwei Portionen sortiert: Diese hat Schuppen, glaube ich. 


Ich habe gelesen, dass die Schuppen beim Waschen quellen und kleben. Bisher sieht es nicht danach aus, aber ob sie beim Kardieren rausfallen oder nicht, muss sich noch zeigen.


Plan D: Die nächste Alpakawäsche probiere ich mal mit gut abgelagerter Kernseife. 



Freitag, 18. September 2015

Wissenswertes über die Verarbeitung von Alpakafasern

Nun habe ich mich in den letzten zwei Wochen so intensiv mit Alpaka beschäftigt, da wäre es doch schlau, jetzt mal alles aufzuschreiben, was ich gelernt habe, um mein siebartiges Gedächtnis etwas zu entlasten. 


Links die gesammelte Theorie,
rechts meine Erfahrungen und Gedanken dazu. 

Die Tiere: 

Lamas und Alpakas sind in Südamerika heimisch und werden dort schon sehr lange domestiziert
(Die Wildformen sind Guanako und Vicunja.) 
Sie leben in den Anden bis ca 4500m Höhe und sind an extreme Witterung (heiß und kalt) angepasst. 

Lamas dienen als Last- und Tragtiere, bei der Zucht wird auf die Faserqualität kaum Wert gelegt. 
Die meisten Lamas werden nicht oder nur selten geschoren
Ihr Fell enthält sowohl weiche Unterhaare als auch harte Grannenhaare/Deckhaare.
Man kann Lamas auskämmen und die weiche Unterwolle verwenden. 
Oder beim geschorenen Vlies die Grannenhaare von der Unterwollle durch Rausziehen oder Kämmen trennen. 

Alpakas wurden und werden als Faserlieferanten – also auf gute Faserqualität hin – gezüchtet. 

Alpakas mit guter Wollqualität haben nur wenig oder weiche Grannenhaare. 

Es gibt zwei Zuchtlinien: Die Faser des Huacaya hat Crimp, ist also gekräuselt, ebenso die wenigen, feinen (!) Grannenhaare.  Die Fasern des Suri sind glatt und strähnig.

Meine Faserlieferanten werden als "Therapietiere" gehalten, 
die Faserqualität ist unwichtig. 
Möglicherweise sind auch Mischlinge aus Lamas und Alpakas in der Herde.

Die Tiere werden i.d.R. jährlich oder alle zwei Jahre geschoren. 
Ein Tier liefert 2-5kg verwertbare Fasern. 
Es gibt mindestens 20 verschiedene Farben und Schattierungen. 


Bisher bin ich in meinen Beständen auf fünf Farben gestoßen, 
aber es wartet noch unsortiertes. 


Alpakafasern - Eigenschaften: 

Die Alpakafasern sind sehr lang – 15cm und mehr – und sehr weich. 
Je nach Typ haben sie mehr oder weniger Crimp. 

Ich hatte bisher kaum Fasern, die länger als 6-8cm sind, 
teilweise mit viel Kräuselung, teilweise glatt.

Das Vlies enthält kein Lanolin. 


Beim Waschen zeigte sich,
dass die Fasern trotzdem wasserabweisend sind. 

Wie Schafwolle ist Alpaka temperaturausgleichend und kann einen hohen Anteil Feuchtigkeit aufnehmen. 

Es gibt Alpakafasern, die leicht filzen und andere, die nicht filzempfindlich sind. Kommt offenbar auf das Inidividuum an. 

Alpakafasern haben kein "Gedächtnis" wie Schafwolle und keine Elastizität.
-> Garn flufft nach dem Spinnen und Waschen kaum auf. 
-> besser mit mehr Drall spinnen als mit zu wenig. 

Kleidung aus Alpaka (Gestricktes) neigt zum Leiern, offenbar v.a. in Längsrichtung. 
-> besser nicht figurbetont / auf Form oder Taille stricken. 
-> geeigneter für fließende, wallende Modelle
-> lieber dünnes, fließendes Garn spinnen, als dickes, schweres 
-> Muster verwenden, die dem Leiern entgegenwirken
r/l- Rippen wohl eher nicht, 
vielleicht ein versetztes Strickmaschinenfangmuster
oder das aus dem skandinavischen Sockenbuch
-> Alpakagarne zum Weben verwenden


Verarbeitung ab Tier: 

Natürlich muss zuerst sortiert werden. 
(mein Beispiel: hier)
- oft ist die Qualität von weißem Alpaka besser als die von farbigem. 
   (Farbiges ist gerne grober – in Relation zu Schafwolle aber immer noch weich.)
- Tiefschwarz ist eine seltene Farbe. 
- Die besten Fasern sind im Bereich eins gedachten "Sattels" am Tier. 
- Nachschnitt hängt optisch kaum erkennbar an der Schnittstelle an den langen Fasern fest. 
Stimmt.  Leider.
- Manche Alpakas haben Schuppen. 
Diese quellen beim Waschen auf, kleben wie die Seuche und lohnen die Mühe nicht. 
-> Solche Partien besser aussortieren und entsorgen. 
Ich glaube, ich habe welche mit Schuppen, 
die sind aber bei der Wäsche nicht gequollen. 
Ich will es zumindest mal versuchen, 
ob sie nicht doch beim Kardieren rausfallen.  
Vielleicht ist es aber auch anderer Dreck.

Dann kann Alpaka ohne große Vorbereitungen verarbeitet werden: 
Weil es kein Lanolin enthält, kann es ohne Waschen 
- entweder gleich aus der Flocke versponnen oder 
- kardiert werden. 
- Lange Fasern kann man auch gut kämmen. 
Ich habe die verlesenen Fasern 
der Trommelkarde mit der Schnittkante voran zugeführt. 
Nach einem Durchgang hatte ich ein schönes Batt.  
Beim Kardieren fiel viel Staub/Dreck raus. 
Ich mag den Geruch nicht, obwohl er nicht sehr stark ist. 
Mir sind die ungewaschenen Fasern irgendwie 
unsympathisch, auch die schönen Batts. 

Wenn man die Fasern ungewaschen verspinnt, kann es sein, 
dass Sand und Staub am Einzugsloch wie Schmirgelpapier 
wirken und Rillen einschleifen. 


Ok. Obwohl ich fast überall die Empfehlung gelesen habe, 
Alpaka ungewaschen zu spinnen, 
werde ich es mit Alpaka demnächst so halten, wie mit Schafwolle: 
Sie kommt erst ins Haus, wenn sie gewaschen ist. 

Falls das Vlies Grannenhaare enthält: 
Aussortieren und nur Unterhaar spinnen -> weicheres Garn 
Drin lassen und mitspinnen -> stabileres Garn, vielleicht sogar sockentauglich, 
                                                  -> kann aber auch unangenehm, kratzig werden


Vielleicht kann man die "Kratzigkeit" 
auch durch die Spinntechnik beeinflussen. 


Quellen
Vieles über Alpakas habe ich in irgendwelchen Winkeln des Netzes gelesen, Nebensätze in Foren zu eigentlich anderen Themen aufgeschnappt usw., so dass ich viele Quellen leider nicht mehr genau nachvollziehen und angeben kann. 
Meine zwei wichtigsten Informationsquellen sind jedoch die Homepage der Alpakas vom Silberberg und ein entsprechender Thread im Spinnradclub
Herzlichen Dank auch an dieser Stelle für die vielen guten und hilfreichen Antworten dort! 

Ich bin gespannt, 
wie meine Alpaka-Story weitergeht. 







Mittwoch, 16. September 2015

Schoko-Alpaka sortieren

 
Es war einfach zu verlockend: Die dunkelbraunen Fasern und das schöne Herbstwetter.
Und so leerte ich den neuen Sack auf den Tisch. 
"Reich" an Erfahrung hatte ich folgenden Plan: 
Ich sortiere 
a) nach Farben
b) innerhalb der Farben nach grannenfrei und grannenverdächtig
c) und natürlich Müll

Das hat aber nicht so ganz funktioniert. 

Im Tageslicht erinnerte das braun eher an Kastanien, aber mitten dazwischen waren auch wenige sehr feine schwarzbraune Fasern - vom gleichen Tier, aber von einer anderen Körperstelle? 
(links in der Wanne)
Manche der kastanienfarbigen wirkten grober, die sind in der Papptüte rechts. 
Aber ob das real oder nur Einbildung ist, weiß ich auch nicht.
Überhaupt habe ich manchmal das Gefühl, meine Wahrnehmung verändert sich während des Sortierens, und was ich am Anfang in die eine Wanne sortiere, würde später in einer anderen landen oder gar im Müll. 

Von der kackbraunen war auch nicht sehr viel drin: aber sehr sehr weich und ursprünglich offenbar etwas länger, aber oft mindestens halbiert, teilweise sogar gedrittelt! 
Da war wenig Verwertbares dabei. (Papptüte links und nur sehr grob vorsortiert.)

Dann waren insgesamt ziemlich viele ca 5-6cm lange, recht glatte Büschel in diesem Sack, von denen ich gar nicht weiß, was ich davon halten soll. 
Ist das die Fellstruktur eines Tieres, oder sind das die gesammelten Beinhaare mehrerer Tiere?
Eigentlich sahen sie nicht schlecht aus. So habe ich alles in dieser Art, was 5cm oder länger war und sich ohne große Mühe auslesen ließ, in die Schachtel gelegt. Mal sehen, ob man damit noch was anfangen kann. Wenn nicht, macht's auch nichts.  

Und der Müll? Den habe ich erst mal wieder in den blauen Sack gesteckt. 
Der sah am Ende irgendwie genau so dick aus, wie vorher. 
Seltsam. 

Ich liebe den Geruch von Schafwolle. 
Jetzt weiß ich: Ich liebe den Geruch von Alpaka nicht. 
Das riecht wie im Zoo. 
Heute habe ich angefangen, die Fasern zu waschen. 
Aber das ist eine andere Geschichte. 

Montag, 14. September 2015

Wundersame Alpakawollvermehrung

Huch, was ist das denn? 

Als ich heut' Mittag nach Haus kam, stand ein neuer blauer Sack vor der Tür: 
Schoko-Alpaka. Hm, lecker. 
(Dabei stehen doch noch zwei Alpaka-Säcke in der Garage.)

Aber leider heißt's auch: Ferien ade, und wie! 
Heute habe ich erfahren, dass ich ab sofort und in den nächsten Wochen täglich Unterricht habe, 
drei verschiedene Kurse: Die Fortgeschrittenen kurz vor der den Abschlussprüfungen, die Neuen und meinen Alphabetisierungskurs.  
Muss alles auch vorbereitet werden. 
Da wird mir wenig Zeit für's Hobby bleiben. 

Natürlich ist Schokowolle sortieren in der Mittagspause besser, als Schokolade futtern. 
Und so auf den ersten Blick ist der Sack vielversprechend: 
Die dunkelbraune ist sehr zart und hat schönen Crimp. 

Mittlerweile habe ich ja schon erste Erfahrungen mit Alpaka-Durcheinander gesammelt und der Sack lädt ein, sortiert zu werden. Es stellt sich wohltuende Routine ein, die ich in der Wollverarbeitung so liebe und ich freu mich drauf. 
Das ist eigentlich die perfekte Beschäftigung, wenn ich ausgepowert aus der Arbeit komme. 
(Allerdings muss das Wetter passen, denn das kann ich nur draußen machen.)
Mal sehen, was geht.

Aber es kann schon sein, dass es hier demnächst nicht so viel zu lesen gibt. 


Sonntag, 13. September 2015

Alpakarohfasern verwerten: erste Erfahrungen – mit Aschenputteleffekt

"Bei uns wurden die Alpakas und Lamas geschoren - hast Du noch Interesse an den Fasern?" 
Die Frage einer Bekannten erreichte mich per SMS im Urlaub. Ich freute mich sehr, dass sie sich an mein g'spinnertes Hobby erinnerte und konnte die Resultate der Schur letzten Montag abholen. 
Ich durfte die Herden besichtigen – auf der Weide daneben grasten auch noch ein paar Schafe – und die nette Besitzerin der Tiere packte mir drei große blaue Säcke in Auto. Ihr Mann legte noch drei Säcke mit Schafwolle dazu, die seit dem Frühjahr in der Scheune standen. 
Nun sei zuallererst bemerkt, dass die Tiere in einer Wohngemeinschaft für Menschen mit Behinderung leben und bisher niemand Interesse an der Verwertung der Wolle hatte bzw. die Zeit dafür fehlte. 
Deshalb wurde auch nicht im Hinblick auf eine gute Faserqualität geschoren und das, was da runterkam, landete samt dem Stroh des Scheunenbodens vogelwild durcheinander in den Säcken, um entsorgt zu werden. 
Anfang der Woche habe ich dann den ersten Sack neugierig und vorsichtig geöffnet und heute wurde ich mit dem Sortieren seines Inhalts fertig. 

Alpaka hatte ich noch nie – ich muss erst noch lernen, auf was ich achten muss, wie ich am besten sortiere und was ich dann mit den Fasern mache.

Das ganze Durcheinander ließ mich ein bisschen an Aschenputtel denken....... 
Die guten ins Töpfchen, die schlechten zurück in den blauen Sack. 

Hilfreich war mein Fingermaß: Mein kleiner Finger ist 6cm lang und diente mir als Marke: Alles, was kürzer ist, kommt weg. Leider waren auch fast keine längeren Fasern dabei. 

So, geschafft: 
Die weißen Fasern im gelben und orangen Korb könnten vom gleichen Tier stammen, aber das ist insgesamt ganz schön viel. 
Die weißen Fasern im blauen Korb haben einen rosa-Touch, wesentlich mehr Crimp und weniger Grannenhaare als die anderen weißen Fasern, sie wirken auch weicher und noch fluffiger.
Das schwarze Haar stammt vom Lama-Hengst und ist überwiegend erstaunlich kurz. Falls da nicht aus einem der anderen Säcke noch was Längeres auftaucht, werde ich das wohl eher nicht verwerten können.  
Die hellbraunen Fasern sind unglaublich leicht und weich und entsprechend fusselig. Leider blieben auch die anderen Haare bevorzugt daran hängen. 
Da konnte ich so schöne Stücke Vlies aus dem Haufen bergen: 
Auf der Rückseite hieß es dann erst mal: Fusseln abklauben. 
Waren die entfernt, habe ich nochmal Stück für Stück leicht an den Schnittkanten gezogen, denn der Scherer hat offenbar das komplette Tier zweimal geschoren und der Nachschnitt, teils milimeterkurz, teils quer durch die ganze Faser, ist bei diesem flaumigen Material mit den Augen kaum zu erkennen und trennt sich erst auf Zug. 
Im lila Eimer ist eine Mischung aus Fasern, die einerseits sehr schön und weich wirken, andererseits aber anscheinend mehr Grannenhaare enthalten. Ich will mal versuchen, diese mit etwas weniger Sorgfalt zu kardieren und zu spinnen, um zu sehen, wie sich das verhält und anfühlt und um auszutesten, wie gründlich ich einzelne Grannenhaare aussortieren muss bzw. wie viel Mühe für diese Fasern überhaupt sinnvoll ist. 

Knapp 180g der weißen Fasern sind nämlich schon handverlesen und kardiert:  Jedes Büschel wurde akribisch ausgewählt, wenn nötig von Nachschnitt und Grannen getrennt, an den Schnittkanten aufgezogen und auf die "Auffahrt" der Trommelkarde gelegt. Das Tochterkind hat freundlicherweise gekurbelt. 

Für diese Arbeit war mir Teeroses Bericht eine große Hilfe.  
Allerdings habe ich die Fasern mit der Schnittkante Richtung Walze aufgelegt, weil ich die Idee hatte, dass die Spitzen dann von der Maschine ganz geöffnet werden. Außerdem habe ich die andere Übersetzung benutzt. (Wobei ich noch nicht verstanden habe, welche Bedeutung bzw. Auswirkungen diese unterschiedlichen Übersetzungen auf das Batt haben, aber Ashford empfiehlt für Rohwolle die große Scheibe, also habe ich sie mal genommen.) 
Das ungewaschene Ausgangsmaterial sorgte für reichlich Staub und Brösel unter der Trommelkarde, aber die Batts sind nach einem einzigen Durchgang schon sehr schön und die viele Mühe scheint sich gelohnt zu haben.
Ein Spinnversuch steht noch aus. 
(Da muss vorher noch was anderes fertig gesponnen werden.)  

Nach meinen Fotos vom Besuch bei den Tieren habe ich rekapituliert, was ich schon habe und was mich wohl noch erwartet: 
2 dunkelbraune Alpakas (noch in einer Tüte)
1 mittelbraunes Alpaka (noch in einer Tüte)
1 hellbraunes Alpaka (rechts oben, blauer Korb, komplett?)
1 schwarzer Lama-Hengst (blauer Korb, Mitte, wohl eher nicht komplett)
1 weißer Alpaka-Herr 
1weiße Alpaka-Dame (ohne Foto) 
(einer der weißen scheint komplett zu sein, die Fasern des anderen sind bisher wesentlich weniger) 

Außerdem wollte ich mir für die Beschäftigung mit der Alpakawolle noch die 
informative Seite vom Silberhof merken. 


Und dann waren da ja noch die Säcke mit Schafwolle: Ein Vlies ist schon gewaschen. 
Aber das ist eine andere Geschichte... 

Donnerstag, 10. September 2015

Lava-Batts zu Schlamm zerronnen....

Gestern kam ein neues Spielzeug ins Haus: eine Ashford-Trommelkarde. 
Die wollte doch gleich getestet werden.  
Eigentlich dachte ich, die Leuchtkraft der strahlenden Orange- und Gelbtöne käme im dunkelbraunen Fond noch viel besser zur Geltung, aber das Gegenteil war der Fall: 
Das strahlende Gelb wirkt im Batt plötzlich fahl und das Ergebnis insgesamt ist irgendwie fad. 
Naja - kann ja sein, dass es dann versponnen wieder besser aussieht, aber im Moment bin ich jedenfalls nicht sehr begeistert und werde mit dem mühsamen Kammzugzerfuzzeln nicht wie geplant weitermachen, bis ich eine Pulloverportion beisammen habe. 
Überhaupt ist diese Kammzugmischerei – glaube ich – nicht so mein Ding. 

Eigentlich ist das neue Kurbeltier ja auch zur Unterstützung bei der Rohwollaufbereitung eingezogen. 
Da soll es dann demnächst mal zeigen, was es kann. 

Memo: alles Merino
dunkelbraun (deutsch), ca. 80% (Heikes Reste)
gelb, (wahrscheinlich südamerikanisch), ca. 10% (Heikes Reste)
Orangetöne gemischt, wahrscheinlich australisch, ca. 10% (Wollschaf)
alle drei Batts zusammen ca. 215g

Fortsetzung

Dienstag, 8. September 2015

Im Museum für Sächsische Volkskunst Dresden: Von Flachsanbau bis Spitzenklöppeln

Wie der Name schon sagt, beherbergt der Jägerhof in Dresden viele sehenswerte Stücke sächsischer Volkskunst. 
Die Homepage des Museums bietet mit Text und einem kleinen Film einen Überblick über Konzeption und Themen des Museums. 

Bei meinem Museumsbesuch letzte Woche interessierten mich natürlich ganz besonders Exponate mit einem Bezug zu Textilherstellung und Textilveredelung und ich muss sagen:
Ich habe den Besuch sehr genossen!

Für alle historisch interessierten Garnwerkler und Handarbeitsfreundinnen gebe ich hier einen kleinen Bericht über meinen Museumsnachmittag und beschränke mich dabei auf den kleinen Ausschnitt der textilen Sehenswürdigkeiten dieser Sammlung. 

Alle meine Bilder sind ohne Blitz und oft durch Vitrinenglas geschossen. Daher ist die Qualität teilweise etwas mäßig. Aber sie sollen ja auch nur einen kleinen Eindruck vermitteln, mir zu Erinnerung an diesen Ausflug dienen und vielleicht die ein oder andere auf den Geschmack bringen, sich das einmal selbst anzusehen. 

An dieser Stelle möchte ich mich bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden herzlich für die Erlaubnis bedanken, die Bilder auf meinem Blog veröffentlichen zu dürfen.  




Im Untergeschoss ist eine Webstube mit einem großen Webstuhl und einer sehr schönen Haspel zu sehen, 

außerdem gewinnt man Einblicke in die Blaudruckerei: Vorne im Bild die Model, mit denen die Substanz auf den Stoff aufgetrgen wurde, die eine Aufnahme der Farbe verhinderte. Hinten der Bottich für die Küpe. 

Vor allem in der Gegend um Annaberg-Buchholz wurde sehr viel Klöppelei betrieben. 
Rechts und links im Bild mit dem Klöppelkissen hängen bunte Borten am Vitrinenfenster. 
Obwohl meine Vorfahren Bandwirker waren, war mir überhaupt nicht klar, dass die Fertigung solcher kunstvollen Bänder eine lange handwerkliche Tradition hat, ich hielt sie bisher immer für postmoderne Industrieware. Allerdings webte mein Urgroßvater auch "nur" Herrenhutbänder. Da mussten keine Rosen und Ranken drauf.  

Über dem Klöppelkissen steht ein unglaublich filigranes Modell solch eines Bandwebstuhls in der Vitrine. 
Das Band, das man vorne hängen sieht, ist ca 5mm breit und wurde offenbar auf diesem Miniwebstuhl gewebt, jedenfalls ist beim Blick von vorne ein angefangenes Band zu sehen. Ganz schön beeindruckend. 


Auch dieses Nähkästchen in Buchformat lässt mein Handarbeitsherz höher schlagen.
(In der Vitrine drunter liegt übrigens ein Stickmustertuch.)


Ganz besonders hat mich eine "Modellreihe: vom Flachs zum Leinen" aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beeindruckt. 
Die Figuren sind höchstens 10cm groß, eher kleiner: 

Was die Frau hinten im Bild macht, weiß ich nicht. Sammelt sie Leinsamen für die Saat im nächsten Jahr? Die beiden anderen brechen den Flachs, um die wertvollen Fasern vom holzigen Kern des Stengels zu trennen. 

Hier kommt die Flachshechel zum Einsatz: Die langen, guten Fasern werden von den kurzen Fasern und anderen unbrauchbaren Pflanzenresten getrennt. 

Die Fasern werden geordnet..... 

.... und zu einer Art Zöpfen gedreht.  

Dann werden sie auf den Rocken gebunden. 

Was hier passiert, weiß ich nicht. Sieht ein bisschen wie Wolle kardieren aus. 

Ich denke, die rechte Frau zeigt das Spinnen des Garns, aber dem Modell ist die Spindel verloren gegangen. 
Flachs lässt sich besser spinnen, wenn die Fasern angefeuchtet werden, deshalb steht die Schüssel auf dem Bänckchen.
Die linke Figur wickelt das fertige Garn auf die eine Kreuzhaspel. 

Hier wird das Garn von der Haspel auf Spulen gewickelt, die dann in Webschiffchen eingelegt werden und das Schussgarn liefern. 

Die Kettfäden werden geschärt, also in gleicher Länge zugerichtet, bevor sie auf den Webstuhl kommen. 

Dann geht es an den Webstuhl: Im rechten Modell wird die Kette eingerichtet, im linken dann endlich gewebt.  
(In der Vitrine darunter übrigens verschiedene Ellen, also "Maßstäbe" zum Stoffabmessen)

War das Gewebe fertig, dann wollte man es natürlich so verarbeiten, dass möglichst wenig Abfall anfällt.  
Der Schnitt für das Hemd, das laut Museumsbeschreibung von Männern wie Frauen Tag und Nacht getragen wurde, war so ausgeklügelt, dass jedes Stück des Stoffes ausgenutzt wurde. 
Eine Art Puzzle zeigt, wie es geht:


So, nun geht es weiter in den ersten Stock des Museums: 

In der Mitte des Raumes zeigen verschiedene lebensgroße Puppen sorbische und Altenburger Trachten, natürlich oft mit sehr aufwändigen Handarbeiten verziert, wie z.B. diese Schürze: 
(Die gewebten Rockstoffe sind auch sehr sehenswert.)

Die textile Schatzkiste und für mich das absolute Highlight des Museums steht jedoch farb- und textilschonend in einer dunklen Ecke des Raumes: 

Ein große "Kommode" birgt einen bemerkenswerten Schatz textiler Kostbarkeiten in ihren 30 oder 36 großen Schubladen. 
(Habe sie nicht genau gezählt, aber es sind drei "Spalten" mit je 10 oder 12 großen Schubladen). 
Sie enthalten unter anderem vier Strickmusterbänder, die unglaublich fein gearbeitet sind, etliche Stickmustertücher, Musterbücher und Musterproben für die verlagsorganisierte Klöppelspitzenproduktion ebenso wie Schülerarbeiten aus dem Klöppelunterricht, unterschiedliche Webstoffe, Perlenstickereien, Häkelborten, Strickstrümpfe und und und.

Ich konnte mich gar nicht sattsehen. 
Fotos gibt es davon keine, denn Glasscheiben über Schubladen in einer dunklen Ecke: 
Das wird nix. Außerdem musste ich ja gucken. 
Falls ich einen Wunsch an eine gute Museumsfee frei hätte, würde ich mir einen Katalog mit guten Fotos vom Inhalt dieser Kommode wünschen, und zwar mit ausgebreiteten Strickmusterbändern und allen Seiten der Musterbücher... 
Bis dahin hilft wohl bloß: Irgendwann nochmal hinfahren und nachmal gucken und staunen. 


PS: Übrigens wird in dem Museum auch ein Spinnkurs angeboten.