Freitag, 25. September 2015

Alpakawäsche

 
Der Vater des Gedankens: 
Obwohl man dem Vernehmen nach Alpaka gut frisch ab Tier kardieren oder spinnen können soll, 
habe ich mich doch entschlossen, die Fasern erst zu waschen, 
- weil ich den Alpakageruch nicht besonders mag, 
- weil ich ungern Staub und Sand im Wohnzimmer habe
- und weil ich von einer Erfahrung gelesen habe, dass der Sand am Spinnradeinzugsloch wie Schmirgelpapier gewirkt habe. 

Plan A: 

Die Idee: 
Alpaka enthält kein Lanolin, also muss ich weder heiß noch mit Spüli waschen und kann das Waschwasser gut zum Blumengießen verwenden, was mir bei dem warmen, trockenen und windigen Wetter vorige Woche sehr entgegenkam. 

Also trug ich den Waschzuber in die durstigste Gartenecke, kleidete ihn mit Mückennetz aus, legte die Alpakafasern ein, holte den Gartenschlauch und bebrauste das Ganze, bis das Wännchen voll war. 

Das Ergebnis: 
Die Fasern tauchten nur schwer unter, saugten sich gar nicht voll und es gab viele Bereiche, wo viele, viele Luftblasen in den Haarbüscheln eingeschlossen waren. 

Aha: Alpaka ist stark wasserabweisend, fehlendes Lanolin hin oder her. 

Plan B: 

Ein Tropfen Spüli dazu. Das hilft beim Wolle färben im Topf selbst dann, wenn ich noch leicht fettige Schafwolle habe. 
Aber nein: Selbst handgreifliches Tauchen konnte die Fasern nicht davon überzeugen, ein ordentliches Vollbad zu nehmen. 

Plan C: 

Mit etwas mehr Spüli (ca. 1 Esslöffel) und viel Gebrause und entsprechendem Geschäume ging' s dann.   

Es hat sich bewährt, kräftig in die Fasern zu brausen, sie sozusagen "abzuspritzen" bis sie im Wännchen schwammen. 
Nach der ersten Dusche habe ich das Ganze ca. 30 Minuten einweichen lassen, danach abgegossen.
Dann gab's eine zweite und dritte Dusche.

Bei einigen Faserportionen war das Waschwasser nach dem ersten Bad schlammbraun, nach dem zweiten Bad  grau und trüb und nach dem dritten Bad so gut wie klar. 
Das habe ich dann für fertig erklärt. 
Bei einigen anderen Portionen, v.a. den weißen, musste ich viel öfter spülen, teilweise wurde das Wasser bis zum Schluss nicht klar und ich habe es dann so gelassen. 

Nach dem letzten Spülgang kamen die einzelnen Wäscheladeungen in die Wäscheschleuder und wurden dann im Garten ausgebreitet. 

Die meisten Fasern trockneten erstaunlich rasch, waren nach 1-2 Stunden trocken. Nur das große, weiße Vlies brauchte 2 Tage zum Trocknen – oder sind die Fasern von diesem Tier nur viel glatter und ich habe nass und "seidig" verwechselt? Ein bisschen "klamm" fühlen sie sich immer noch an. Vielleicht ist das die Struktur dieser Fasern, nachdem der Staub runter gewaschen ist. Intressant. 


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Ein paar Bilder: 

Ich hatte befürchtet, dass die Faserbüschel beim Waschen in lauter Einzelhaare zerfallen, so dass ich am Ende "vorne" nicht mehr von "hinten" unterscheiden kann (Schnittkante und Spitze). Das ist aber nicht passiert. Die Fasern gefallen mir nach der Wäsche deutlich besser als vorher und werden sich bestimmt noch gut zum Kardieren ordnen lassen.  

Hier das beige Vlies: sehr, sehr weich und zart. 

So ein pitschnasser Alpakawollklumpen erinnert mich an einen Tonbatzen: 

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Oben liegt der nasse Wollhaufen auf dem Gitter, auf dem er nach dem Schleudern zum Trocknen ausgebreitet wurde (unten). 
Die Metamorphose ist beeindruckend.  
(Die Farbe übrigens auch: kastanienbraun.)
Das helle Vlies im Vordergrund ist übrigens das mit dem Creme-Touch, schnelltrocknend.
(vom Foto ganz oben in der Wanne)


Das kastanienbraune hatte ich in zwei Portionen sortiert: Diese hat Schuppen, glaube ich. 


Ich habe gelesen, dass die Schuppen beim Waschen quellen und kleben. Bisher sieht es nicht danach aus, aber ob sie beim Kardieren rausfallen oder nicht, muss sich noch zeigen.


Plan D: Die nächste Alpakawäsche probiere ich mal mit gut abgelagerter Kernseife. 



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