Freitag, 18. September 2015

Wissenswertes über die Verarbeitung von Alpakafasern

Nun habe ich mich in den letzten zwei Wochen so intensiv mit Alpaka beschäftigt, da wäre es doch schlau, jetzt mal alles aufzuschreiben, was ich gelernt habe, um mein siebartiges Gedächtnis etwas zu entlasten. 


Links die gesammelte Theorie,
rechts meine Erfahrungen und Gedanken dazu. 

Die Tiere: 

Lamas und Alpakas sind in Südamerika heimisch und werden dort schon sehr lange domestiziert
(Die Wildformen sind Guanako und Vicunja.) 
Sie leben in den Anden bis ca 4500m Höhe und sind an extreme Witterung (heiß und kalt) angepasst. 

Lamas dienen als Last- und Tragtiere, bei der Zucht wird auf die Faserqualität kaum Wert gelegt. 
Die meisten Lamas werden nicht oder nur selten geschoren
Ihr Fell enthält sowohl weiche Unterhaare als auch harte Grannenhaare/Deckhaare.
Man kann Lamas auskämmen und die weiche Unterwolle verwenden. 
Oder beim geschorenen Vlies die Grannenhaare von der Unterwollle durch Rausziehen oder Kämmen trennen. 

Alpakas wurden und werden als Faserlieferanten – also auf gute Faserqualität hin – gezüchtet. 

Alpakas mit guter Wollqualität haben nur wenig oder weiche Grannenhaare. 

Es gibt zwei Zuchtlinien: Die Faser des Huacaya hat Crimp, ist also gekräuselt, ebenso die wenigen, feinen (!) Grannenhaare.  Die Fasern des Suri sind glatt und strähnig.

Meine Faserlieferanten werden als "Therapietiere" gehalten, 
die Faserqualität ist unwichtig. 
Möglicherweise sind auch Mischlinge aus Lamas und Alpakas in der Herde.

Die Tiere werden i.d.R. jährlich oder alle zwei Jahre geschoren. 
Ein Tier liefert 2-5kg verwertbare Fasern. 
Es gibt mindestens 20 verschiedene Farben und Schattierungen. 


Bisher bin ich in meinen Beständen auf fünf Farben gestoßen, 
aber es wartet noch unsortiertes. 


Alpakafasern - Eigenschaften: 

Die Alpakafasern sind sehr lang – 15cm und mehr – und sehr weich. 
Je nach Typ haben sie mehr oder weniger Crimp. 

Ich hatte bisher kaum Fasern, die länger als 6-8cm sind, 
teilweise mit viel Kräuselung, teilweise glatt.

Das Vlies enthält kein Lanolin. 


Beim Waschen zeigte sich,
dass die Fasern trotzdem wasserabweisend sind. 

Wie Schafwolle ist Alpaka temperaturausgleichend und kann einen hohen Anteil Feuchtigkeit aufnehmen. 

Es gibt Alpakafasern, die leicht filzen und andere, die nicht filzempfindlich sind. Kommt offenbar auf das Inidividuum an. 

Alpakafasern haben kein "Gedächtnis" wie Schafwolle und keine Elastizität.
-> Garn flufft nach dem Spinnen und Waschen kaum auf. 
-> besser mit mehr Drall spinnen als mit zu wenig. 

Kleidung aus Alpaka (Gestricktes) neigt zum Leiern, offenbar v.a. in Längsrichtung. 
-> besser nicht figurbetont / auf Form oder Taille stricken. 
-> geeigneter für fließende, wallende Modelle
-> lieber dünnes, fließendes Garn spinnen, als dickes, schweres 
-> Muster verwenden, die dem Leiern entgegenwirken
r/l- Rippen wohl eher nicht, 
vielleicht ein versetztes Strickmaschinenfangmuster
oder das aus dem skandinavischen Sockenbuch
-> Alpakagarne zum Weben verwenden


Verarbeitung ab Tier: 

Natürlich muss zuerst sortiert werden. 
(mein Beispiel: hier)
- oft ist die Qualität von weißem Alpaka besser als die von farbigem. 
   (Farbiges ist gerne grober – in Relation zu Schafwolle aber immer noch weich.)
- Tiefschwarz ist eine seltene Farbe. 
- Die besten Fasern sind im Bereich eins gedachten "Sattels" am Tier. 
- Nachschnitt hängt optisch kaum erkennbar an der Schnittstelle an den langen Fasern fest. 
Stimmt.  Leider.
- Manche Alpakas haben Schuppen. 
Diese quellen beim Waschen auf, kleben wie die Seuche und lohnen die Mühe nicht. 
-> Solche Partien besser aussortieren und entsorgen. 
Ich glaube, ich habe welche mit Schuppen, 
die sind aber bei der Wäsche nicht gequollen. 
Ich will es zumindest mal versuchen, 
ob sie nicht doch beim Kardieren rausfallen.  
Vielleicht ist es aber auch anderer Dreck.

Dann kann Alpaka ohne große Vorbereitungen verarbeitet werden: 
Weil es kein Lanolin enthält, kann es ohne Waschen 
- entweder gleich aus der Flocke versponnen oder 
- kardiert werden. 
- Lange Fasern kann man auch gut kämmen. 
Ich habe die verlesenen Fasern 
der Trommelkarde mit der Schnittkante voran zugeführt. 
Nach einem Durchgang hatte ich ein schönes Batt.  
Beim Kardieren fiel viel Staub/Dreck raus. 
Ich mag den Geruch nicht, obwohl er nicht sehr stark ist. 
Mir sind die ungewaschenen Fasern irgendwie 
unsympathisch, auch die schönen Batts. 

Wenn man die Fasern ungewaschen verspinnt, kann es sein, 
dass Sand und Staub am Einzugsloch wie Schmirgelpapier 
wirken und Rillen einschleifen. 


Ok. Obwohl ich fast überall die Empfehlung gelesen habe, 
Alpaka ungewaschen zu spinnen, 
werde ich es mit Alpaka demnächst so halten, wie mit Schafwolle: 
Sie kommt erst ins Haus, wenn sie gewaschen ist. 

Falls das Vlies Grannenhaare enthält: 
Aussortieren und nur Unterhaar spinnen -> weicheres Garn 
Drin lassen und mitspinnen -> stabileres Garn, vielleicht sogar sockentauglich, 
                                                  -> kann aber auch unangenehm, kratzig werden


Vielleicht kann man die "Kratzigkeit" 
auch durch die Spinntechnik beeinflussen. 


Quellen
Vieles über Alpakas habe ich in irgendwelchen Winkeln des Netzes gelesen, Nebensätze in Foren zu eigentlich anderen Themen aufgeschnappt usw., so dass ich viele Quellen leider nicht mehr genau nachvollziehen und angeben kann. 
Meine zwei wichtigsten Informationsquellen sind jedoch die Homepage der Alpakas vom Silberberg und ein entsprechender Thread im Spinnradclub
Herzlichen Dank auch an dieser Stelle für die vielen guten und hilfreichen Antworten dort! 

Ich bin gespannt, 
wie meine Alpaka-Story weitergeht. 







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