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Samstag, 20. September 2025

Barbara Bräuer: Textilfärben für jedermann (Buchvorstellung)

Verlag: FEB Leipzig, 1990, 2. Auflage

Das Buch gibt einen recht umfassenden und breit gefächerten Einblick in die Textilfärberei. Dabei liegt der Schwerpunkt eindeutig auf dem Färben mit Pflanzen. Viele der Rezepte sind zeitlos, mit dem Einsatz mancher Chemikalien wird man heute jedoch zurückhaltender sein. 

Neben geschichtlichen Aspekten werden die Auswahl und die Vorbereitung des Färbeguts mit verschiedenen Beizen, verschiedene Färbeverfahren sowie Mustermöglichkeiten mittels Färbemethoden beschrieben. 

Übersichtliche Tabellen zeigen, mit mit welchen Pflanzen in welchem Färbebverfahren die gewünschte Farbe erzielt wird und welche Besonderheiten es gibt. 

Nicht zu verachten ist auch die "Beschreibung ausgewählter Färbepflanzen" in Kapitel 6.10. 

So, wie es seinerzeit üblich war, enthält das Buch sehr viel Text mit hoher Informationsdichte   – nützlich, wenn man etwas gründlich lernen möchte. Aber es sind im Vergleich zu modernen Büchern eher wenige Fotos enthalten. Sehr schade ist, dass bei diesen die Farbwiedergabe sehr schlecht ist. Vielleicht sind sie im Lauf der Zeit verblasst und/oder vergilbt, was natürlich bei einem Buch mit dem Thema "Farben" ein gewisses Manko darstellt. 

Trotzdem finde ich es zum Thema "Färben mit Pflanzen" auf jeden Fall ein interessantes und lesenswertes Buch. 









Sonntag, 1. Oktober 2023

Verwertung

Manchmal tauchen beim Aufräumen Dinge auf, die habe ich schon lange nicht mehr gesehen. 

Würde man mich danach fragen, so wüsste ich sofort, wo sie sind, was sie sind, und was man damit machen könnte. Die Betonung liegt auf "könnte". 

Leider muss ich sagen, dass ich viele Dinge habe, mit oder aus denen man etwas machen könnte. 

Es gibt Leute, die entsorgen solche Dinge sofort (oder verschenken sie an Leute, die daraus was machen könnten). Manchmal finde ich das beneidenswert, aber ich bin nun einmal ich, und das ist o.k. Also schaue ich die Sachen dann oft an, denke "man könnte", und verräume sie neu.

Neulich tauchten beim Aufräumen diese Lebensmittelfarben in den Röhrchen auf. 

Ich sehe meine Tante in ihrem Wohnzimmer sitzen und damit in Heimarbeit mit einem feinen Pinsel große Mengen von Zuckerstückchen mit Weihnachtsmotiven bunt bemalen. Das muss in den 70er-Jahren gewesen sein. Die Tante ist schon lange tot, und irgendwie fanden die Farben schon vor Jahrzehnten ihren Weg zu mir. Von Zeit zu Zeit tauchen sie auf, um mir zu sagen: "Wir könnten mal etwas werden." Dann seufze ich tief, denke an die Tante, und an meine Mutter, die mir in die Wiege legte, aus jedem Mist etwas machen zu können, und sage: "Ja, ich weiß, aber nicht jetzt." und verräume sie wieder. 

In letzter Zeit habe ich sehr viel geräumt und neu organisiert, und als die Box mit den Farben mal wieder auftauchte und einen neuen Platz beanspruchen wollte, sagte ich diesmal: "Entweder ihr werdet jetzt sofort etwas, oder ihr werdet entsorgt. Jawohl".  

Zum Glück war das unmittelbar vor einem entspannten Sonntagnachmittag. So konnte ich dem Plan gleich die Tat folgen lassen. 

Wie man weiß, kann man mit Lebensmittelfarben recht gut Wolle färben. (In USA erfreuen sich KoolAid-Farben großer Beliebtheit, hierzulande werden gerne Ostereierfarben genutzt.)

Aber ich war mir nicht sicher, ob es mit diesen alten Farben wirklich gut klappen würde (zumal ich vor etlichen Jahren schon einmal einen kleinen Versuch damit unternommen hatte. Mit dem Betröpfelverfahren. Was damals nicht so recht funktioniert hatte. Inzwischen weiß ich, dass ich mit diesem Verfahren nicht klarkomme, auch nicht, wenn ich dafür "richtige" Säurefarben verwende.) 
Darum wollte ich hier nicht meine Lieblingswolle verplempern. 

Glücklicherweise fand ich in meiner Sockenwollkiste einen Strang weiße Wolle, der wahrscheinlich mal mit einem Sockenwollüberraschungspaket zu mir gekommen war und ein ähnlich unnützes Dasein fristete, wie die alten Farben in der gelben Box. 
(Wer braucht schon schneeweiße Wollsocken?) 

Nun sollte also zusammenkommen, was offensichtlich zusammen wollte. 

Ich wickelte das Knäul auf den Strang, und weichte zunächst ein Ende davon ein. (Im Topf war Wasser mit Zitronensäure)

Zunächst suchte und leerte ich viele gelbe Röhrchen, (stellte dabei fest, dass es auch sehr viele mit orange/bräunlichem Inhalt gab und nur eines mit grün).  Später kamen auf den nächsten Abschnitt die roten usw., bis mir die Wolle bunt genug schien. 


Dann ließ ich sie eine Stunde sieden, etwas abkühlen, spülte sie aus und hängte sie zum Trocknen raus. 
Das Ergebnis gefällt mir sehr. Außerdem ist diese Wolle sehr kuschlig und weich, und jetzt freue ich mich darauf, sie zu verarbeiten, aber erst muss noch ein anderes Paar Socken fertig werden.

Die alten Farben waren damit allerdings noch lange nicht aufgebraucht, die gelbe Box war noch zur Hälfte voll. Also kramte ich noch einmal in meiner Sockenwollkiste und förderte zwei weitere Knäule zutage, die auch schon recht lange herumlagen, weil sie so wenig Lust zum Stricken und Tragen machten. 
Der hellgraue "Funny Strumpf" dürfte aus dem gleichen Paket stammen wie die weiße oben. Die "Fortissima Socka" bekam ich einst von jemandem geschenkt, der sie loshaben wollte, frei nach dem Motto: "Mir gefällt sie nicht, aber bei Dir könnte sie ja ... ." 
Die knöpfte ich mir zuerst vor, stellte dann aber beim Umwickeln fest, dass sie einige recht dünne Stellen aufwies. Da muss in der Zeit, in der sie noch nicht bei mir wohnte, schon mal ein Tier dran geknabbert haben. Also verwarf ich sie bis auf weiteres und wickelte die hellgraue "Funny Strumpf" auf den Strang. 

Bei der Sichtung der restlichen Farb-Röhrchen fand ich noch je zwei rote, zwei gelbe, ein grünes und sehr viele orange-bräunliche. Da die Wolle ja schon von selbst eine Farbe hatte, träufelte ich diesmal die Farben viel punktueller auf die eingeweichten Strang-Abschnitte.
Ich stelle mir vor, das werden dann beim Stricken Spots, oder Dots, oder sowas. 

Interessanterweise ergab die wenige gelbe und rote Farbe recht kräftige Farbabschintte, während die viele braune Farbe nur einen recht kleinen Bereich einfärbte, und grün seit dem Spülen und Trocknen nicht mehr auffindbar ist. 
Jedenfalls ist diese alte Farbe jetzt aufgebraucht und der schmuseweiche Strang gefällt mir auch sehr gut und macht Lust aufs Stricken.

Während der Strang so vor sich hin siedete, und der kleine Färbetopf samt Färbeflotte sowieso schon auf dem Herd im Weg rum stand, packte mich so eine Art "Verwertungswut". 
Da waren doch auch noch ein paar übriggebliebene Ostereierfarben in blau und grün, die auch schon seit Jahren vor sich hingammeln, von Zeit zu Zeit in Erscheinung treten, um mir freundlich mitzuteilen "Wir könnten ja ..." 

Und da war die andere Sockenwollschachtel. Die mit der Wolle von Tante S., die erst neulich bei mir gelandet ist, weil daraus ja noch was werden könnte: Einige Knäule in praktischem und beim Mann recht beliebten Grün, aber langweilig zu stricken, und deshalb für die Strickmaschine bestimmt, und zwei in beige in der gleichen Qualität. Das beige Garn wollte ich (dermaleinst, wenn es soweit ist) als Maschenprobe verwenden, um die grünen dann auf jeden Fall passend zu stricken. 

Da kam mir folgende Idee: Wenn ich jetzt schnell ein paar Socken daraus stricke, und sie gleich am Stück färbe, dann schlage ich ganz viele Fliegen mit einer Klappe: Ich verwerte die Ostereierfarbe und die beige Wolle und habe die benötigte Maschenprobe für die geplanten grünen Socken.

Also, gesagt getan: Als erstes die Wolle maschinentauglich umgewickelt und paraffiniert, dann schnell durch die Maschine genudelt und ein paar Bündchen drangestrickt (letzteres mache ich von Hand.) 

Als die Socken fertig waren, kamen sie mir riesig vor. Aber gut, das kennt man ja. In Kontakt mit Wasser entspannt sich die Wolle und die bekommen ihre richtige Form. 
Ein bisschen länger als eine Stunde dauerte die Fertigung schon, doch ich hatte immer noch genug Sonntag übrig. 
Also löste ich die Ostereierfarben in je einem Gurkenglas mit heißem Wasser und etwas Zitronensäure auf und tauchte die Socken gemeinsam zunächst mit der Spitze in die blaue und später mit dem Bündchen in die grüne Farbe, ließ sie dort jeweils etwas verweilen, legte sie anschließend in die Flüssigkeit, die noch von den anderen Färbungen im Topf war und ließ sie zum Fixieren eine Stunde sieden. 
Seltsamerweise kamen sie da zwar bunt, aber genau so groß wie zuvor wieder raus, so dass ich schon überlegte, wen ich mit gefühlter Schuhgröße 50 kenne und damit beglücken kann. 
Nach der Maschinenwäsche waren sie dann aber genau richtig in der beabsichtigten Gr. 43.
Auch die Socken gefallen mir gut.
Aber: Sie hatten nicht so viel Farbe gezogen, wie sie sollten. 

Jetzt hatte ich zwei Gläser mit angerührter Farbe übrig! Die könnten ja ... 

Also flitzte ich nochmal an die Strickmaschine und nudelte die nächste (und letzte) graue Nuance vom Schmuse - "Funny Strumpf" durch. Als die aus der Maschine purzelten und ihre Bündchen angestrickt haben wollten, war der Nachmittag allerdings fast rum. Und außerdem sagten sie zu mir: "Du, hör mal, unser Grau ist doch eigentlich ein sehr schönes. Wir brauchen wirklich nicht noch mehr Farbe!"
Ich gab ihnen Recht, und machte Feierabend. 

Jetzt waren alle blöden weißen, grauen und beigen Garne aus meinen Sockenwollvorräten verwertet und die Farbröhrchen verbraucht. Nur die Ostereierfarbe und der Topf standen noch rum.

Am nächsten Tag kramte ich dann noch eine 100g - Portion Kammzug vom Süddeutschen Merinoschaf aus jener Kiste, in der ich die Materialien für meine Spinnkurse aufbewahre, und ließ sie im Topf vom Vortag mit den Ostereierfarben schmoren.
Da könnte ja mal ein schönes Garn draus werden. Irgendwann.
Dann räumte ich den Färbetopf wieder zu den Säurefarben in den Keller. 

Jedesmal, wenn ich dort vorbei komme sagen sie zu mir: "Wir könnten doch ...". 

"Ja," sage ich, "wenn es dran ist." 
Alles hat seine Zeit. 





Mittwoch, 27. April 2022

Farbexperimente auf Stoff III: Buntstifte

Neulich (klick) stellte ich fest, dass ich zufällig Buntstifte besitze, die wasservermalbar sind, und mit denen man auf Stoff arbeiten kann.

Das brachte mich auf die Idee, mal jene Kiste hervorzuholen, die das große Buntstiftsammelsurium enthält, das sich in einem Haushalt mit drei Kindern im Laufe der Jahre so angesammelt hat. 

Ich probierte aus, ob und wie man mit diesen Stiften auf Stoff malen kann, und wie sie sich in Kombination mit Wasser bzw. nassem Stoff verhalten, und sortierte sie in drei Häufchen. 

1. hinterlassen Farbe auf dem Stoff, reagieren aber nicht mit/auf Wasser, und behalten die typische Buntstiftoptik  (verschiedene Fabrikate und No-Name)

2. sind wasservermalbar und verlaufen wie Aquarellstifte (Baum im Foto rechts, v.a. Faber-Castell colour grip, über 15 Jahre alt)

3. ergeben auf nassem Stoff schöne, satte Farben, die jedoch nicht verlaufen; sehen dann eher aus, wie Filzstift (Blume im Foto links – außer grün – , verschiedene Fabrikate und No-Name)

nach einer Handwäsche: 
Mir kam die Idee, die "satt malendenden" Bunstifte mit schwarzen Linien (Nähten) zu kombinieren. Zufällig traf es sich, dass ich endlich ein lange begehrtes Ersatzteil zu meiner ungefähr 100 Jahre alten Singer 66 erhalten hatte. Jetzt funktioniert sie richtig gut, und ich hatte Lust, sie ein wenig zu bespaßen – die Bunstift-Spielerei bot sich hierfür an. 


Ich nähte Linien auf stabilen Baumwollstoff, machte jeweils einzelne Felder mit einem Pinsel nass, malte sie mit Farbstiften der 3. Sorte aus, und nähte anschließend Beutelchen daraus. 


Diese simple Spielerei hat viel Spaß gemacht und diese Technik wäre durchaus ausbaufähig ... 








Samstag, 23. April 2022

Farbexperimente auf Stoff II: Aquarellfarben und Wachsmalkreiden

Aufgrund der Erfahrungen von neulich setzte ich meine Farbexperimente fort. 

Da war zunächst die Feststellung, dass meine Aquarellfarben und manche Wachsmalkreiden sich recht gut auftragen lassen und zumindest eine schonende Handwäsche auch gut verkraften. 

Experiment 1: Blumen mit Wachsmalkreiden auf dickerem Nessel, dick aufgetragen (Staedler Noris 221)

Beim Bügeln färbten die Farben auf den drübergelegten Stoff ab. 
(Das erinnert mich an spezielle Stoffwachsmalkreiden, die ich mir Ende der 80er bei einem Öko-Versandhandel kaufte, und die so funktionieren sollten: Man sollte die Farbe zum Fixieren nach dem Auftragen solange mit Zeitungspapier abbügeln, bis das Zeitungspapier sauber blieb, dann wären sie im Stoff fixiert und waschecht. Meine damalige Kunst mit jenen Farben war sehr enttäuschend, denn immer, wenn ich so lange gebügelt hatte, bis die Zeitung sauber blieb, war kaum mehr Farbe auf dem Stoff, und der klägliche Farbrest überlebte keine Wäsche.) 
Jedenfalls tun diese Farben nun das, was jene damals versprochen hatten, obwohl sie hierfür nicht ausgewiesen sind. 
Und wenn ich für meine planlosen Test-Kritzenleien ein Stück Stoff ohne hartnäckige Falte ausgewählt hätte, dann hätte aus diesem Stück eine nette textile Postkarte oder ein Taschenaufsatz o.ä. werden können.  

Experiment 2: Wachsmalkreiden und Aquarellfarben

Beim Malen tauchte aus dem grauen Nebel der Erinnerungen eine Technik auf, bei der man Papier zunächst mit Wachsmalkreiden bemalte und anschließend den Hintergrund mit Wasserfarben nass in nass gestaltete. (Musste ich das in der Grundschule tun?)
Das könnte doch auch auf Stoff gehen: 
a) malen mit Wachsmalkreiden
b) einbügeln, so dass das Wachs im Stoff ist und diesen an der Stelle quasi imprägniert
c) mit Aquarellfarben übermalen

In einem Teststück zeichnete ich Bäume und Punkte mit den Wachsmalkreiden (und stellte dabei fest, dass sich meine Zeichenfertigkeiten in den letzten 40 Jahren nicht weiterentwickelt haben).  
Nach dem Einbügeln übermalte ich den Stoff mit meinen Aquarellfarben (ca. 30 Jahre alte Cotman-Farben)
Im Großen und Ganzen hat es so funktioniert, wie ich es erhofft hatte.
Auf der Rückseite sieht man allerdings, dass nicht alle Punkte gleich gut reserviert wurden.
Ob ich hier zu kurz gebügelt habe? 

Experiment 3: Gestalten mit Aquarellfarben

Abschließend kleckerte ich noch ausgiebig mit den Aquarellfarben herum. 
Zum einen brauchte ich einen kleines Stück braunen Stoff für die Applikation für mein Karfreitags-/ Osterprojekt (Klick). 
Den konnte ich nun wirklich genau so gestalten, wie ich ich ihn benötigte, und musste hierfür nichts neues kaufen. 

Und dann spielte ich einfach noch ein bisschen mit den Aquarellfarben herum. 
Hier legte ich zwei Lagen Stoff übereinander (drunter war eine Folie).
 
Links im Bild die untere Lage:
Ich weiß noch nicht, wie ich diese Stoffe weiter verwende.
Aber schon lange bewundere ich es sehr, wie Mia von "The Accidental Embroiderer" ihre wunderbaren Stickereien oft mit farbig gestalteten Stoffen kombiniert. 
Meine Aquarellfarben würden sich jedenfalls eignen, um in dieser Richtung weiter zu experimentieren.







Dienstag, 5. April 2022

Farbexperimente auf Stoff

Selten habe ich so sehnsüchtig darauf gewartet, dass die Waschmaschine endlich fertig wird ...
Wird nach einer 60°-Wäsche noch Farbe im Stoff sein?  

Aber von vorne: 
Ich lese ja sehr gerne Kreativblogs und artverwandte Webseiten. Es gibt so viele tolle Sachen! Manchmal sehe ich was, das ich plötzlich so spannend finde, dass ich alles darüber wissen will. Naja, eigentlich will ich das nicht wissen, sondern können, natürlich sofort, und natürlich so toll wie ich es auf auf dem Bildschirm sehe ...  
Natürlich weiß ich, dass man meistens üben muss ... und dabei eben zuerst mal die Grundlagen wissen sollte ... 

In letzter Zeit sprangen mir öfter kolorierte Stickmotive ins Auge. In meiner inzwischen recht umfangreichen Sammlung an Stickdateien tummeln sich auch einige, die speziell zum Ausmalen entworfen wurden, aber auch andere, die dazu einladen würden. Die Bilder davon sind wunderbar bunt und farbenfroh und machen Lust zum Nachmachen (z.B. von sookie-sews). 

Nun hatte ich vor einiger Zeit alle meine Textilstifte an meine Nichten und Neffen verschenkt, um sie vor dem sinnlosen Vertrocknen zu retten (die Stifte, nicht die Nichten und Neffen), und meine alten Deka-Farben sind zum Ausmalen nicht so ganz der Hit. So hielt ich die Augen nach neuen Textilstiften offen, fand aber nichts Überzeugendes. (Vielleicht hatte ich in Wirklichkeit auch keine Lust, wieder Stifte zu kaufen, die bei Nichtgebrauch eintrocknen und von selbst verderben.) 
Wie auch immer. 
Am Sonntag stolperte ich jedenfalls über Stickereien, die mit "Inktense"-Stiften koloriert waren. Das sind wasservermalbare Aquarell(-Bunt-)Stifte, die damit beworben werden, dass sie auf Stoff anwendbar und nach dem Trocknen waschbar sind. 
Ich war sofort gewaltig angefixt. 
(Beispiele gefällig? Dann schaut mal bei Liane, auch hier oder hier, oder eines der zahlreichen Werbevideos von Inktense auf youtube.)

Allerdings sind diese Stifte nicht ganz billig. Und es ist ja nicht so, dass bei mir ein Mangel an Bastelzeug herrschen würde. Ich bin inzwischen etwas zurückhaltender mit Neuanschaffungen, die dann Platz und Zeit brauchen. Das will wohl überlegt sein. 

Also las ich erst mal alles Mögliche über die Anwendung dieser Stifte. Dabei stieß ich in einer Nebenlinie meiner Recherchen auf die verzweifelte Frage einer Mutter, die wissen wollte, wie sie Aquarellfarben aus einem Lieblingsshirt wieder heraus bekommen könnte. Sie probierte alle möglichen Hausmittel und Fleckentferner und griff am Schluss zu Danklorix. Am Ende war das ehemals bunte T-Shirt weiß, aber der Fleck war immer noch drin.
Was will mir das sagen? Es scheint auch Aquarellfarben zu geben, die – auf Stoff aufgebracht – "waschecht" sind, und die nicht "Inktense" heißen. 

An dieser Stelle tauchten vor meinem inneren Auge aus dem Nebel der Vergangenheit Aquarellfarben auf. Da hatte ich doch mal einen Kurs besucht – war es Ende der 80er oder Anfang der 90er-Jahre? Jedenfalls lag mir diese Kunst damals nicht und die Farben fielen in einen tiefen Dornröschenschlaf. Dort schlummern sie bis heute unbehelligt auf dem Grund einer verstaubten Schachtel. Dieses Schicksal teilen sie mit verschiedenen anderen Farben.

Das brachte mich auf die Idee, einfach mal mit verschiedenen Farben aus meinen Vorräten auf Stoff zu experimentieren und auszuprobieren, wie sie sich auftragen lassen, ob sie im Stoff bleiben oder abfärben, und wie sie sich beim Bügeln und Waschen verhalten. 

Als Untergrund diente ein Stück alte Bettwäsche, aus der jegliche Appretur schon lange herausgewaschen ist. 

Ich habe die Farben aufgetragen, versucht, sie mit Wasser zu vermalen, trocknen lassen, gebügelt (könnte ja sein, dass das fixiert), von Hand gewaschen, wieder gebügelt, und zum Schluss mit in die gerade fällige 60°-Wäsche gegeben. 

Es folgen die Fotos meines Experiments. 

Auf dem Stoffstück von oben: 
- Staedler Noris 221 Wachsmalstifte (nicht wasservermalbar)
- Goldfaber Heft und Tafel (wasservermalbar)
- Stabilo 3 in1 (wasservermalbar)
- Pentel Ölpastellkreiden (nicht wasservermalbar)
- Sakura Ölpastellkreiden (nicht wasservermalbar)

 Aufgemalt: 
die Blumenmotive rechts jeweils mit nassem Pinsel überarbeitet: 
gebügelt: 
nach der Handwäsche: 
nach der 60°-Wäsche: 
Die Stifte: 

Das untere Stoffstück: 
- DDR-Aquarellfarben 
- Aquarellfarben "Cotman Watercolor"
- historische Wasserfarben unbekannter Herkunft (Bonbondose)

aufgemalt: 
gebügelt: 
nach der Handwäsche: 
nach der 60°-Wäsche: 
die Farben: 

Fazit: 

- Keine der Farben hat nach dem Bügeln abgefärbt oder ist in der Handwäsche ausgeblutet. Es ist also nicht damit zu rechnen, dass entsprechend verzierte Textilien in Kontakt mit Regen oder ausgelaufenen Trinkflaschen die Umgebung einfärben. (Zum Schutz des Bügeleisens und - bretts kamen beim Bügeln alte BW-Tücher drüber und drunter.)

- Brösel der Ölpastellkreiden (die sich bei den Wasservermalversuchen verteilt haben) können sich jedoch selbständig machen und woanders weiter färben. Die wären für mich jetzt nicht die erste Wahl zum Kolorieren von Stoff. 

- Die Farben der beiden wasservermalbaren Buntstifte lassen sich nicht wieder mit Wasser anlösen, wenn sie einmal getrocknet sind. Sie verhalten sich also in dieser Hinsicht so, wie die Inktense-Stifte und würden sich durchaus für das "Aquarellieren von Stoff" eignen. 

- Alle Farben sind in der Handwäsche geringfügig heller geworden. Für mich wäre das aber im Rahmen des Vertretbaren. Für Dinge, die eher nicht oder mehr ausnahmsweise mal gewaschen werden (müssen), sind etliche der Farben durchaus brauchbar. Ich denke hier an Karten (AMC-Karten), Dekozeug oder Wandbehänge, oder Beutelchen, die man ja eigentlich nur wäscht, wenn irgendetwas ausgelaufen ist, oder so. 

- Für Gebrauchswäsche eignen sich alle nicht wirklich. Auch für einen Gebrauchsquilt würde ich sie nach heutigem Erkenntnisstand eher nicht nehmen. (Wobei man jetzt natürlich noch einen neuen Test mit einer sanften 30°-Wäsche machen könnte.) 

Während die Waschmaschine ihre Runden drehte, studierte ich weiterhin die unglaublich tollen Möglichkeiten der Inktense-Stifte und stieß dabei dann auch auf die Waschanleitung. Wenn ich das richtig übersetze, dann heißt es da, die Farben würden im Stoff bleiben, wenn man ihn von Hand bei Temperaturen unter 30° waschen und dabei keine aggressiven Waschmittel verwenden würde. Also so, wie meine anderen Farben auch. 
Ich seh' schon: Ich brauche eigentlich keine neuen Farben. Aber ich könnte gut mal ein bisschen mit denen spielen, die ich schon habe. 
Schau ma mal. 

Ach ja, da war noch was: 
Wo ich gerade schon beim Experimentieren war, habe ich auch gleich noch testweise meine stinknormalen Allerwelts-Filzstifte auf Stoff gemalt, gebügelt und gewaschen, und dabei festgestellt, dass sie weder so gut im Stoff bleiben, dass sie sich zum Ausmalen eignen würden, noch so gut auswaschen lassen, dass sie sich zum Anzeichnen auf Stoff eignen würden. 
Das wollte ich schon lange mal wissen.