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Sonntag, 25. August 2019

Reise-Proviant-Socken

Irgendeine Handarbeit muss ja immer mit auf die Reise – aber welche? 
Als ich mir diese Frage vor einigen Monaten stellte, griff ich beherzt in Dornröschens Schatzkiste und förderte eine Handvoll Strickgarn aus jenen Zeiten zutage, als ich erste Erfahrungen mit der Verarbeitung von Rohwolle frisch ab Schaf sammelte. 
Übungsgarne, jeder Meter Garn ehrfürchtig und herantastend dem noch unbekannten Material entrungen, dokumentieren sie meine ersten Schritte mit Wollfarben, Handkarden und Wollkämmen.  
Die Garne waren nun lange genug herumgelegen und bewundert worden und so wurde es langsam Zeit, die Wolle wieder ihrem eigentlichen Daseinszweck zuzuführen, nämlich Wärme zu spenden. 
Also wurden Socken draus. 

Wer jemals handgesponnene Socken trug, weiß, welche Wohltat für kalte Füße das ist, auch wenn sie nicht so stabil sind und bei der Wäsche etwas mehr Aufmerksamkeit brauchen als andere Socken. Zu toppen ist dieser Socken-Luxus nur noch mit Wolle vom Schaf aus der Nachbarschaft.... 

Weil ich teilweise unsicher war, wie weit die Knäule reichen, kombinierte ich fröhlich drauflos. 
Memo alle: 
Schafwolle (frisch ab Schaf verarbeitet), 
mit Säurefarben gefärbt, 
im kurzen Auszug handgesponnen, 
Stricknadeln 2,25. 4x16 Maschen, Gr. 43,
symmetrisch als rechte und linke Socke passend auf meine Füße gestrickt. 

Schwarzkopf, 69g, wahrscheinlich gekämmt, Lauflänge unbekannt
 – federleichte Fußschmeichler – schade, dass man das Tragegefühl nicht fotografieren kann –
Lila und lila 112g: das fliederfarbige Garn ist ein dünnes, glattes Kammgarn aus ostfriesischem Milchschaf und reichte nicht ganz für die zweite Fußspitze. Für den beerefarbigen Partner wurde Schwarzkopfwolle mit Handkarden bearbeitet.
Zusammen kuschlig, dick und warm. 

Hellblau mit Rollrand, 97g 

Dann entstanden noch zwei Paare aus gekaufter Sockenwolle. 
Das eine davon ging sofort in Betrieb und hat es nicht aufs Foto geschafft, das andere lag schnell mal noch Modell, bevor es sich auf die Socken machte, um fortan die Füße einer lieben Freundin zu wärmen. 
4x17Maschen, Nadeln 2,25, Gr 41

Donnerstag, 2. März 2017

Himmelfahrtswollgarn 1

Vom Schaf zum Garn - das ist ein langer Weg.  Vor allem, wenn dazwischen viele Pausen liegen. 
Doch das macht mir gar nichts aus. Irgendwann wird alles fertig... irgendwann...
Vielleicht ist das eines der Geheimnisse beim Handarbeiten: Man lernt Geduld und den langen Atem schätzen.

An Himmelfahrtsausflug 2016 stolperte ich über Rohwolle. 
Irgendwann im letzten Sommer war sie dann gewaschen und zum Spinnen vorbereitet...
Und im Winter kam dieser Teil davon aufs Rad.

Letzte Woche war es draußen endlich warm genug, um das fertige Garn zu waschen. 
Voila:
Es ist ein eigenwilliges Garn geworden, kuschlig und rustikal zugleich. 
Zum Spinnen war es nicht einfach und mehrfach dachte ich: Von dem Schaf brauche ich nichts mehr. 
Aber am Ende gefällt es mir ausgesprochen gut und ich bin selbst gespannt, was da noch draus wird.

Memo: 
heimische Wolle ab Schaf (vielleicht Steinschaf)
gewaschen, auf der Ashford-Trommelkarde kardiert
im langen Auszug gesponnen (Bliss)
ca 124g/199m + 15g/32m


Diesmal wurde die Spule beim Zwirnen so voll, dass beim besten Willen nichts mehr draufpasste und ein kleiner Rest noch extra gezwirnt werden musste. 

{Wintergarn nach dem Entspannungsbad 1/5}

Montag, 30. Mai 2016

Entspannungsgarn mit Panne

Mal eben im langen Auszug gesponnen: 
Als ich mit dem vielen braun-bunten Zeug im kurzen Auszug endlich fertig war, brauchte ich zur Erholung dringend mal eben ein bisschen Spinnradsport im langen Auszug. 

Auf's Rad kamen Hero-kardierte Batts von der Weihnachtswolle mit einem bisschen Schwarzkopf-Blaubeimischung. 
Als beide Bliss-Spulen randvoll waren, war noch ein knappes halbes Batt übrig. Das sparte ich für den Zeitpunkt beim Zwirnen auf, an dem erwartungsgemäß die erste Spule leer, die zweite aber noch nicht ganz leer sein würde. 
Dann spann ich den Rest am Bliss noch rasch fertig – zu schon sehr fortgeschrittener Stunde und nachtschlafener Zeit – und wunderte mich, warum der Rest-Zwirn dann plötzlich gar so komisch wurde. 
Ich kam aber nicht drauf. 
Beim Abwickeln am nächsten Morgen habe ich den Fehler dann verstanden: Weil ich beim Zwirnen am Malottke schon so im linksrum-Treten-Schwung war, habe ich den Batt-Rest am Bliss eben auch gleich linksrum gesponnen. Kein Wunder, dass der mit dem Garn auf der anderen Spule nicht zusammenwollte. Blöde Panne. 
Es findet sich doch immer mal wieder ein netter neuer Fehler, die man mal ausprobieren kann ... 

Mittlerweile ist mir eingefallen, dass ich ja wenigstens das Ende des verünglückten Kleinknäuls, das ich am Ende noch per Andenzwirn auf's Malottke gebracht hatte, nochmal rechtsrum zwirnen könnte, dann wäre zumindest das gerettet. Den Teil mit zwei unterschiedlichen Drehrichtungen werde ich wohl entsorgen. 

Memo des brauchbaren Strangs: 
ca. 165g, ca. 180m, langer Auszug, Bliss 1 : 12, am Malottke gezwirnt

Zu guter Letzt noch ein Bild auf das Ausgangsmaterial nach der Wäsche und vor dem Kardieren 
(das stand auch schon für den Wollkalender Modell): 





 

Donnerstag, 5. Mai 2016

Himmelfahrtswolle

Das hat man nun davon, wenn man an Christi Himmelfahrt zum Freiluftgottesdienst radelt, anschließend mit ins Wirtshaus geht, dort der Blick aus dem Fenster auf vier oder fünf nackte Schafe fällt, man es nicht vermeiden kann, die Bedienung nach der Zugehörigkeit der Schafe und anschließend nach der Verwedendung der Wolle zu fragen, die nette junge Köchin einen mal kurz in den Stall schickt, wo das Häufchen frisch geschorener Wolle noch auf dem Boden liegt und einem gleich noch eine Tüte bringt: 

frische Wolle 

Die Schafe hätten sie erst ganz kurz und sie wären bei den Vorbesitzern schlecht gepflegt worden, die Wolle sei wohl eher nicht gut, hätte der Scherer gesagt, aber sie würden sie verwenden, um damit den Jungwuchs vor Wildverbiss zu schützen, über die Rasse wisse sie auch nichts, vielleicht Wald- oder Steinschaf oder so was. So sagte die Köchin. Ich durfte ein bisschen Wolle in mein Fahrradkörbchen packen und entschied mich für zwei Vließteile. 
Alle Schafe waren im nackten Zustand ziemlich gleich grau. 
Aber das eine Teil der mitgebrachten Schafkleidung ist innen grau und außen blond, langhaarig und robust, das andere ist innen grau und außen braun, viel kürzer, und fühlt sich im Moment bemerkenswert weich an. Deshalb habe ich es trotz der sonnengebleicht-brüchigen Spitzen auch mitgenommen.
(Der Scherer hat die Wolle allerdings auch nicht werterhaltend geschoren - mir sind schon wieder reichlich halbierte Fasern entgegengekommen. Ob das hier in der Gegend immer der gleiche ist?)
Jedenfalls freue ich mich sehr über das Wollgeschenk und auf die kommenden sonnigen Tage. Ich wasche so gerne Wolle (muss man nicht verstehen) und ich bin immer so neugierig, wie sich so Wolle weiter entwickelt und zu was sie sich verwandelt.

Fortsetzung

Hätte ich eine Liste der Dinge, die mich in dieser Woche glücklich gemacht haben, käme sie sicher drauf, ebenso wie der Blick heute morgen beim Aufwachen, der auf das erste Grün der Esche über meinem Bett in der Morgensonne fiel.

Dienstag, 1. März 2016

Wo ist denn nur der Frühling hin ? Oder ...

... der Wollkalender im März.
Heute morgen frisch umgeblättert: 
Da lockt das frische Grün, das tatsächlich schon vorhanden ist.
Ganz sicher. 
Ich habe es gesehen, 
beim Sonntagsspaziergang vorgestern. 
Überall.
O.k., das Scharbockskraut blüht noch nicht, 
aber Krokosse und Winterlinge sind schon fast wieder fertig damit. 

Heute kann man das beinahe nicht glauben.
Draußen ist tiefster Winter. 
Hier ein ganz frischer Blick aus der Terrassentür:

 Na, das gibt es ja öfter mal im Leben, dass etwas da ist, 
obwohl man es im Augenblick nicht sehen kann.
 
Aber nun zu den harten kratzigen Fakten des Märzkalenderbildes:  
Im Körbchen ist die sortierte, für brauchbar befundene und gewaschene Wolle von den bunten Schafen, die in der Nachbarschaft meiner Schwiegermutter wohnen. 
Schon lange sind die Fasern vom Hero kardiert und harren im (dunklen) Wohnzimmereck ihrer Bestimmung. 
 
Es sind viele eher kleine Portionen von verschiedenen Schafen, alle unterschiedlich kratzig, zum Großteil aber kein bisschen kuschlig.  

 Der braune, weichere Anteil ist in Arbeit und immer noch dabei, eine Weste zu werden. 

Nun habe ich aber doch nochmal eine der Kisten fürs Foto ins helle Schneelicht getragen. 
Ich könnte mir vorstellen, dass eines Tages ein kleiner Teppich daraus wird.

Dienstag, 27. Oktober 2015

PS auf die orangen Kämmling-Batts

Bei der Durchsicht einiger Fotos sind mir doch glatt noch ein paar Bilder unter die Augen gekommen, die ich beim Kardieren der orange gewordenen Batts aus Kämmlingen gemacht habe. 
Oben im Bild hängt ein Zwischenstand auf der Wäscheleine. Der Wind ist ein guter Helfer, um Staub und Bröselkram herauszublasen und zu -schütteln. 

Bei diesem Bild (unten) weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr, ob das die Kämmlinge vor dem nochmaligen Sortieren in "Abfall" und "noch lohnenswert" waren oder 
 schon der endgültige Abfall. 
Die kleine Walze der Trommelkarde sammelt ganz kurze Fasern, 
Nachschnittbobbel und einiges an Dreck. 
Viel fällt auch unten raus. Hier ein Blick unter die Kardiermaschine:
Das untere Bild zeigt Abfall, glaub ich. Das lohnte sich dann wirklich nicht mehr. 
Zu guter Letzt noch die fertigen Batts:


Freitag, 2. Oktober 2015

Manchmal ist einfach der Wurm drin

Ich fühle mich wie ein Kreisel, rotiere innerlich und äußerlich. 
Und frage mich, was wohl passiert, wenn ich plötzlich stehen bleibe... 

Wolle ist eigentlich ein gutes Mittel, um mich ein bisschen zur Ruhe zu bringen.
Und das Wetter verlangt danach, genossen zu werden.

Also habe ich vorgestern den zweiten Sack Ggberger Steinschaf-Überraschungswolle ausgeleert, 
ein kleines bisschen vorsortiert und gewaschen. 
Interessante Fasern, offenbar mit schwarzen Grannen- oder Markhaaren und hellem, weicherem Unterfell, aber leider mit sehr viel Einstreu.
 
Das Kurbeln einer Trommelkarde ist eigentlich genau das Richtige, wenn ich so erledigt wie heute Mittag nach Hause komme und an dem ein oder anderen Ärger kaue. 
Also habe ich mir für heute "eine Dosis Kurbeln" verordnet und mich auf die Terrasse verzogen. 

Zuerst holte ich mir das Steinschafvlies, zog die ersten Grannenhaare aus, zupfte sorgfältig – und stellte fest: Das Grünzeug fällt einfach nicht raus, wie ich das sonst so kenne. 
Also SO kann ich das nicht in die Karde füttern, das muss ich mal irgendwie anders behandeln. Irgendwann anders.

Macht nix, es liegt ja noch genug Alpaka rum, dann nehm' ich halt das, und zwar am besten eine kleine Portion. Also vielleicht diese hier. 

Ach so ja, das war ja die mit den Schuppen. Naja, dann kann ich gleich mal ausprobieren, was aus denen beim Kardieren wird. 
Äh - was sind denn das für seltsame Fasern?
Warum habe ich die nicht gleich entsorgt, so ultrakurz wie die sind? 
Aber ich hatte doch alle Fasern fein säuberlich mit meinem kleinen Finger vermessen! 
Also nochmal nachmessen: Doch, sie sind wirklich so lang. Oder: 
SO kurz ist mein kleiner Finger! 
Wahrscheinlich ist das eine Sinnestäuschung, weil ich mich unmittelbar davor mir den Steinschaflocken beschäftigt hatte. 
Und jetzt das Kardieren: Dieses Fitzelzeug einzeln auszubreiten wie beim letzten Mal – dazu habe ich heute überhaupt keine Lust. Lohnt sich das überhaupt? 
Eigentlich habe ich gar keine Lust zu garnix. 
Aber jetzt habe ich schon alles rausgeschleppt. Also müssen sie so durch, wie sie kommen und ohne zu zimpern. Basta. 
Nach dem ersten Durchgang bekomme ich das Zeug fast nicht von der Trommel und muss immer wieder mit der Stricknadel nachhelfen. Schön ist es auch nicht, aber das hatte ich auch nicht erwartet. Na gut, eine zweite Chance gebe ich ihm, diesmal in brav ausgebreiteten Faserportionen. 
Das Ergebnis ist gar nicht so schlecht und indem ich es quasi im spitzen Winkel und mit der Handkante nach hinten runterziehe, geht es auch ganz gut von der Trommel und ich habe ein richtig schönes Batt. Jedenfalls fast. 
Nämlich: Die Schuppen sind alle noch drin. Oder zumindest sehr viele. Schade. 
Jetzt würd' ich gerne mal eben schnell anspinnen, um zu sehen, ob sie vielleicht beim Spinnen rausfallen. Aber das einzige freie Spinnrad ist gerade das Malottke. Und die Kombination aus geringer Übersetzung und "mal eben schnell" funktioniert überhaupt nicht, jedenfalls nicht, wenn ich so drauf bin, wie heute... 

Wie gut, dass jetzt Wochenende ist. Und die Blumen mir so treu und unverdrossen auf der Terrasse Gesellschaft leisten. 


Memo Wollwäsche: 
warm, Leitungswasser, 
eine Portion mit Marseiller Seife, trocknen lassen, am nächsten Tag mit Regenwasser gespült-> ziemlich fettfrei
eine Portion mit alter Kernseife, noch ungespült, enthält noch Fett (und unaufgelöste Seifenflocken?)

Memo Alpaka kardieren: 
Erster Durchgang: "friss oder stirb", zweiter Durchgang: sorgfältig.  

Freitag, 25. September 2015

Alpakawäsche

 
Der Vater des Gedankens: 
Obwohl man dem Vernehmen nach Alpaka gut frisch ab Tier kardieren oder spinnen können soll, 
habe ich mich doch entschlossen, die Fasern erst zu waschen, 
- weil ich den Alpakageruch nicht besonders mag, 
- weil ich ungern Staub und Sand im Wohnzimmer habe
- und weil ich von einer Erfahrung gelesen habe, dass der Sand am Spinnradeinzugsloch wie Schmirgelpapier gewirkt habe. 

Plan A: 

Die Idee: 
Alpaka enthält kein Lanolin, also muss ich weder heiß noch mit Spüli waschen und kann das Waschwasser gut zum Blumengießen verwenden, was mir bei dem warmen, trockenen und windigen Wetter vorige Woche sehr entgegenkam. 

Also trug ich den Waschzuber in die durstigste Gartenecke, kleidete ihn mit Mückennetz aus, legte die Alpakafasern ein, holte den Gartenschlauch und bebrauste das Ganze, bis das Wännchen voll war. 

Das Ergebnis: 
Die Fasern tauchten nur schwer unter, saugten sich gar nicht voll und es gab viele Bereiche, wo viele, viele Luftblasen in den Haarbüscheln eingeschlossen waren. 

Aha: Alpaka ist stark wasserabweisend, fehlendes Lanolin hin oder her. 

Plan B: 

Ein Tropfen Spüli dazu. Das hilft beim Wolle färben im Topf selbst dann, wenn ich noch leicht fettige Schafwolle habe. 
Aber nein: Selbst handgreifliches Tauchen konnte die Fasern nicht davon überzeugen, ein ordentliches Vollbad zu nehmen. 

Plan C: 

Mit etwas mehr Spüli (ca. 1 Esslöffel) und viel Gebrause und entsprechendem Geschäume ging' s dann.   

Es hat sich bewährt, kräftig in die Fasern zu brausen, sie sozusagen "abzuspritzen" bis sie im Wännchen schwammen. 
Nach der ersten Dusche habe ich das Ganze ca. 30 Minuten einweichen lassen, danach abgegossen.
Dann gab's eine zweite und dritte Dusche.

Bei einigen Faserportionen war das Waschwasser nach dem ersten Bad schlammbraun, nach dem zweiten Bad  grau und trüb und nach dem dritten Bad so gut wie klar. 
Das habe ich dann für fertig erklärt. 
Bei einigen anderen Portionen, v.a. den weißen, musste ich viel öfter spülen, teilweise wurde das Wasser bis zum Schluss nicht klar und ich habe es dann so gelassen. 

Nach dem letzten Spülgang kamen die einzelnen Wäscheladeungen in die Wäscheschleuder und wurden dann im Garten ausgebreitet. 

Die meisten Fasern trockneten erstaunlich rasch, waren nach 1-2 Stunden trocken. Nur das große, weiße Vlies brauchte 2 Tage zum Trocknen – oder sind die Fasern von diesem Tier nur viel glatter und ich habe nass und "seidig" verwechselt? Ein bisschen "klamm" fühlen sie sich immer noch an. Vielleicht ist das die Struktur dieser Fasern, nachdem der Staub runter gewaschen ist. Intressant. 


••••
Ein paar Bilder: 

Ich hatte befürchtet, dass die Faserbüschel beim Waschen in lauter Einzelhaare zerfallen, so dass ich am Ende "vorne" nicht mehr von "hinten" unterscheiden kann (Schnittkante und Spitze). Das ist aber nicht passiert. Die Fasern gefallen mir nach der Wäsche deutlich besser als vorher und werden sich bestimmt noch gut zum Kardieren ordnen lassen.  

Hier das beige Vlies: sehr, sehr weich und zart. 

So ein pitschnasser Alpakawollklumpen erinnert mich an einen Tonbatzen: 

 ••••
Oben liegt der nasse Wollhaufen auf dem Gitter, auf dem er nach dem Schleudern zum Trocknen ausgebreitet wurde (unten). 
Die Metamorphose ist beeindruckend.  
(Die Farbe übrigens auch: kastanienbraun.)
Das helle Vlies im Vordergrund ist übrigens das mit dem Creme-Touch, schnelltrocknend.
(vom Foto ganz oben in der Wanne)


Das kastanienbraune hatte ich in zwei Portionen sortiert: Diese hat Schuppen, glaube ich. 


Ich habe gelesen, dass die Schuppen beim Waschen quellen und kleben. Bisher sieht es nicht danach aus, aber ob sie beim Kardieren rausfallen oder nicht, muss sich noch zeigen.


Plan D: Die nächste Alpakawäsche probiere ich mal mit gut abgelagerter Kernseife. 



Freitag, 18. September 2015

Wissenswertes über die Verarbeitung von Alpakafasern

Nun habe ich mich in den letzten zwei Wochen so intensiv mit Alpaka beschäftigt, da wäre es doch schlau, jetzt mal alles aufzuschreiben, was ich gelernt habe, um mein siebartiges Gedächtnis etwas zu entlasten. 


Links die gesammelte Theorie,
rechts meine Erfahrungen und Gedanken dazu. 

Die Tiere: 

Lamas und Alpakas sind in Südamerika heimisch und werden dort schon sehr lange domestiziert. 
(Die Wildformen sind Guanako und Vicunja.) 
Sie leben in den Anden bis ca 4500m Höhe und sind an extreme Witterung (heiß und kalt) angepasst. 

Lamas dienen als Last- und Tragtiere, bei der Zucht wird auf die Faserqualität kaum Wert gelegt. 
Die meisten Lamas werden nicht oder nur selten geschoren. 
Ihr Fell enthält sowohl weiche Unterhaare als auch harte Grannenhaare/Deckhaare.
Man kann Lamas auskämmen und die weiche Unterwolle verwenden. 
Oder beim geschorenen Vlies die Grannenhaare von der Unterwollle durch Rausziehen oder Kämmen trennen. 

Alpakas wurden und werden als Faserlieferanten – also auf gute Faserqualität hin – gezüchtet. 

Alpakas mit guter Wollqualität haben nur wenig oder weiche Grannenhaare. 

Es gibt zwei Zuchtlinien: Die Faser des Huacaya hat Crimp, ist also gekräuselt, ebenso die wenigen, feinen (!) Grannenhaare.  Die Fasern des Suri sind glatt und strähnig.

Meine Faserlieferanten werden als "Therapietiere" gehalten, 
die Faserqualität ist unwichtig. 
Möglicherweise sind auch Mischlinge aus Lamas und Alpakas in der Herde.

Die Tiere werden i.d.R. jährlich oder alle zwei Jahre geschoren. 
Ein Tier liefert 2-5kg verwertbare Fasern. 
Es gibt mindestens 20 verschiedene Farben und Schattierungen. 


Bisher bin ich in meinen Beständen auf fünf Farben gestoßen, 
aber es wartet noch unsortiertes. 


Alpakafasern - Eigenschaften: 

Die Alpakafasern sind sehr lang – 15cm und mehr – und sehr weich. 
Je nach Typ haben sie mehr oder weniger Crimp. 

Ich hatte bisher kaum Fasern, die länger als 6-8cm sind, 
teilweise mit viel Kräuselung, teilweise glatt.

Das Vlies enthält kein Lanolin. 


Beim Waschen zeigte sich,
dass die Fasern trotzdem wasserabweisend sind. 

Wie Schafwolle ist Alpaka temperaturausgleichend und kann einen hohen Anteil Feuchtigkeit aufnehmen. 

Es gibt Alpakafasern, die leicht filzen und andere, die nicht filzempfindlich sind. Kommt offenbar auf das Inidividuum an. 

Alpakafasern haben kein "Gedächtnis" wie Schafwolle und keine Elastizität.
-> Garn flufft nach dem Spinnen und Waschen kaum auf. 
-> besser mit mehr Drall spinnen als mit zu wenig. 

Kleidung aus Alpaka (Gestricktes) neigt zum Leiern, offenbar v.a. in Längsrichtung. 
-> besser nicht figurbetont / auf Form oder Taille stricken. 
-> geeigneter für fließende, wallende Modelle
-> lieber dünnes, fließendes Garn spinnen, als dickes, schweres 
-> Muster verwenden, die dem Leiern entgegenwirken
r/l- Rippen wohl eher nicht, 
vielleicht ein versetztes Strickmaschinenfangmuster
oder das aus dem skandinavischen Sockenbuch
-> Alpakagarne zum Weben verwenden


Verarbeitung ab Tier: 

Natürlich muss zuerst sortiert werden. 
(mein Beispiel: hier)
- oft ist die Qualität von weißem Alpaka besser als die von farbigem. 
   (Farbiges ist gerne grober – in Relation zu Schafwolle aber immer noch weich.)
- Tiefschwarz ist eine seltene Farbe. 
- Die besten Fasern sind im Bereich eins gedachten "Sattels" am Tier. 
- Nachschnitt hängt optisch kaum erkennbar an der Schnittstelle an den langen Fasern fest. 
Stimmt.  Leider.
- Manche Alpakas haben Schuppen. 
Diese quellen beim Waschen auf, kleben wie die Seuche und lohnen die Mühe nicht. 
-> Solche Partien besser aussortieren und entsorgen. 
Ich glaube, ich habe welche mit Schuppen, 
die sind aber bei der Wäsche nicht gequollen. 
Ich will es zumindest mal versuchen, 
ob sie nicht doch beim Kardieren rausfallen.  
Vielleicht ist es aber auch anderer Dreck.

Dann kann Alpaka ohne große Vorbereitungen verarbeitet werden: 
Weil es kein Lanolin enthält, kann es ohne Waschen 
- entweder gleich aus der Flocke versponnen oder 
- kardiert werden. 
- Lange Fasern kann man auch gut kämmen. 
Ich habe die verlesenen Fasern 
der Trommelkarde mit der Schnittkante voran zugeführt. 
Nach einem Durchgang hatte ich ein schönes Batt.  
Beim Kardieren fiel viel Staub/Dreck raus. 
Ich mag den Geruch nicht, obwohl er nicht sehr stark ist. 
Mir sind die ungewaschenen Fasern irgendwie 
unsympathisch, auch die schönen Batts. 

Wenn man die Fasern ungewaschen verspinnt, kann es sein, 
dass Sand und Staub am Einzugsloch wie Schmirgelpapier 
wirken und Rillen einschleifen. 


Ok. Obwohl ich fast überall die Empfehlung gelesen habe, 
Alpaka ungewaschen zu spinnen, 
werde ich es mit Alpaka demnächst so halten, wie mit Schafwolle: 
Sie kommt erst ins Haus, wenn sie gewaschen ist. 

Falls das Vlies Grannenhaare enthält: 
Aussortieren und nur Unterhaar spinnen -> weicheres Garn 
Drin lassen und mitspinnen -> stabileres Garn, vielleicht sogar sockentauglich, 
                                                  -> kann aber auch unangenehm, kratzig werden


Vielleicht kann man die "Kratzigkeit" 
auch durch die Spinntechnik beeinflussen. 


Quellen
Vieles über Alpakas habe ich in irgendwelchen Winkeln des Netzes gelesen, Nebensätze in Foren zu eigentlich anderen Themen aufgeschnappt usw., so dass ich viele Quellen leider nicht mehr genau nachvollziehen und angeben kann. 
Meine zwei wichtigsten Informationsquellen sind jedoch die Homepage der Alpakas vom Silberberg und ein entsprechender Thread im Spinnradclub. 
Herzlichen Dank auch an dieser Stelle für die vielen guten und hilfreichen Antworten dort! 

Ich bin gespannt, 
wie meine Alpaka-Story weitergeht.