Loden ist ein warmer, ziemlich dichter Wollstoff. Traditionell wurde er gewebt, gewalkt und anschließend aufgeraut. Zu diesem Zweck wurden mehrere Karden in ein hölzernes Gestell gespannt und dieses wie eine Bürste über den Stoff gezogen.
Erding war früher ein Zentrum Lodererhandwerks und im dortigen Museum wird die Lodenherstellung ausführlich beschrieben. Das Werkzeug auf dem Foto habe ich dort fotografiert.unbezahlte Werbung
Werbehinweis: Mein Blog dient vor allem mir selbst als Gedächtnisstütze. Daher werden Firmen und Marken genannt, deren Materialien bzw. Designs ich verwende. Teilweise ist die Nennung auch zur Kennzeichnung von Urheberrechten notwendig. Außerdem werbe ich hier für meine Bücher. Ich werde nicht für Werbung bezahlt.
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Mittwoch, 30. September 2020
Sonntag, 27. Oktober 2019
Stoffspielereien: Weben
Weben empfinde ich immer als besonders kontemplativ.
Ich brauche Ruhe dazu – und werde ruhig dabei.
Leider webe ich nur selten etwas. Aber jedes Stück erzählt mir eine Geschichte, erinnert mich an genau die Zeit, zu der ich mich auf diese Tätigkeit eingelassen habe.
Den heutigen Termin für die Stoffspielereien im Oktober habe ich zum Anlass genommen, um dieses Band endlich ganz fertigzustellen.
Es fehlten nur noch fünf kleine Zöpfchen an einem der beiden Enden.
Das Band selbst entstand an einem besonderen Sonntag im Mai.
An einem seltsam leeren Tag, der mir Raum für mich gab.
An einem Ort, an dem Weichen gestellt werden sollten.
In einer wohltuend reizarmen Umgebung.
Das Band war als Hutband für einen Sonnenhut geplant, den ich allerdings schon gar nicht mehr habe.
Nun wird es einen anderen Hut zieren – der mir ebenfalls eine Geschichte erzählt, wann immer er mich begleitet.
Memo:
Länge ohne Fransen: 71cm
Perlgarn (Baumwolle / Stickgarn)
gewebt mit einem einfachen Kunststoff-Webkamm, den ich hier schon mal gezeigt habe.
Diesmal ein Ende an einem Stuhl festgebunden, das andere an meinem Gürtel festgeknotet.
Breite 2-2,5cm. Nach wie vor kämpfe ich mit einer konstanten Bandbreite, doch die dynamischen Kanten stören mich in diesem Fall nicht.
Muster: eigenes Design, Kettrips
Die gewebten Stoffspielereien werden heute bei Schnitt für Schnitt gesammelt und sind allesamt sehenswert.
Ich brauche Ruhe dazu – und werde ruhig dabei.
Leider webe ich nur selten etwas. Aber jedes Stück erzählt mir eine Geschichte, erinnert mich an genau die Zeit, zu der ich mich auf diese Tätigkeit eingelassen habe.
Den heutigen Termin für die Stoffspielereien im Oktober habe ich zum Anlass genommen, um dieses Band endlich ganz fertigzustellen.
Es fehlten nur noch fünf kleine Zöpfchen an einem der beiden Enden.
Das Band selbst entstand an einem besonderen Sonntag im Mai.
An einem seltsam leeren Tag, der mir Raum für mich gab.
An einem Ort, an dem Weichen gestellt werden sollten.
In einer wohltuend reizarmen Umgebung.
Das Band war als Hutband für einen Sonnenhut geplant, den ich allerdings schon gar nicht mehr habe.
Nun wird es einen anderen Hut zieren – der mir ebenfalls eine Geschichte erzählt, wann immer er mich begleitet.
Memo:
Länge ohne Fransen: 71cm
Perlgarn (Baumwolle / Stickgarn)
gewebt mit einem einfachen Kunststoff-Webkamm, den ich hier schon mal gezeigt habe.
Diesmal ein Ende an einem Stuhl festgebunden, das andere an meinem Gürtel festgeknotet.
Breite 2-2,5cm. Nach wie vor kämpfe ich mit einer konstanten Bandbreite, doch die dynamischen Kanten stören mich in diesem Fall nicht.
Muster: eigenes Design, Kettrips
Die gewebten Stoffspielereien werden heute bei Schnitt für Schnitt gesammelt und sind allesamt sehenswert.
Mittwoch, 5. September 2018
Der lange Teppich vom Webrahmen
Irgendwann ergab sich die Gelegenheit, ein paar Konen mit grober Teppichwolle in einer Handarbeitscommuninty zu ertauschen. Ich griff zu.
Die lagen dann lange auf meinem Tisch, bis ich das Projekt in Angriff nahm.
Ich stellte fest, dass ich nicht den passenden Gatterkamm (20/10) hatte und da ich davon ausging, dass ich mit dieser Art Teppich nicht in Serie gehen werde, wollte ich auch keinen kaufen. Also bespannte ich den 40/10-Kamm "auf Lücke" mit einer Schnur, die auch schon lange in Dornröschens Schatzkiste geschlummert hatte. Sie kam seinerzeit zusammen mit einem gebrauchten Stäbchenwebgerät als Kettgarn ist Haus. Die Feuerprobe lässt auf reine Kunstfaser schließen, doch das Garn ist stabil und für einen Teppich soll es mir recht sein.
Dann begann ich zu weben.
Der Teppich wuchs sehr langsam. Da ich keine Anschlaggabel habe, nahm ich den Anschlagkamm eines Schulwebrahmens – und dass ging ganz schön auf die Handgelenke, so dass die Arbeit schließlich in der Ecke landete und auf bessere Zeiten wartete.
Diese rückten ins Blickfeld, als ich im örtlichen Supermarkt bei den "Haustierwochen" über eine Fellbürste stolperte und sofort messerscharf schloss, dass dies eine komfortable und sehr preiswerte Anschlaggabel für ein Einmal-Teppichwebprojekt ergeben würde.
Gedacht, gekauft und zum Webrahmen in die Ecke gelegt, bis ich endlich den Drive fand, dieses Projekt fortzuführen. Die Fellbürtse bewährte sich sehr und der Teppich wurde schnell fertig. In der Zwischenzeit hatte ich aber vergessen, wie ich den Webanfang gemacht hatte und so musste ich sehr lange darüber nachdenken, wie ich das Webende gestalten sollte.
Dann wurde abgeschnitten, die Kanten mit zwei Reihen Dreifach-Zickzack befestigt, der Stoff gewaschen und es begann das große Grübeln über den Kantenabschluss .... das brauchte natürlich auch sehr lange ... bis ich endlich entschied, die bunten Webstreifen eines alten Mangeltuches für eine Einfassung zu verwenden. Die lagen dann nochmal eine lange Weile fertig zugeschnitten, bis ich den Mut fasste, meine Nähmaschine mit dieser groben Aufgabe zu betrauen ...
Und wie lange brauche ich jetzt noch, um die Fotos zusammenzusuchen, mein langes Geschreibsel zu bebildern und den Teppich endlich in meinen Blog zu bringen?
Der Teppich selbst ist bei einer Endbreite von ca. 65cm übrigens ca. 135cm lang geworden.
Vielleicht mache ich doch nochmal einen. Irgendwann. Später mal.
Dienstag, 5. April 2016
Ein Webversuch mit ungewissem Ausgang
Die Rellana Wolltraum habe ich früher viel und gern verarbeitet: Sie ist weich, kann in die Waschmaschine und strickt sich sowohl auf einer meiner Strickmaschinen als auch von Hand recht gut.
Wenn ich die alten Wollvorräte und Reste hervorkrame, kommen gute Eerinnerungen an Kleidungsstücke für die ganze Familie zum Vorschein.
Aber die Zeiten ändern sich.
Die Kinder tragen zur Zeit nichts Selbstgestricktes mehr und wir Alten – tja, seit wir mit Wollsachen ausgestattet sind, die ab Schaf selbst verarbeitet sind, bleiben die Sachen aus gekaufter Wolle irgendwie im Schrank liegen....
Also der Plan: Diese Wolle einem anderen Zweck zuführen.
Von der kamelfarbigen – das sollte mal eine Kuscheljacke mit Längsrippen und Gürtel werden – habe ich ein knappes Kilo, von den anderen Farben je 3-4 Knäul.
Mir schwebt eine große gewebte Decke vor. Daran kann ich dann gleich mal das Weben in doppelter Lage (also für doppelte Webbreite) üben.
Nachdem ich mir ein interessantes Muster ausgesucht habe, zog ich vorsichtshalber meinen kleinen Webrahmen für ein Probestück auf, und das war gut so.
Erstens kam ich gleich mit der Farbverteilung in der Kette durcheinander - was mir aber half, das Muster besser zu verstehen und Aufziehen in doppelter Lage ist sicher nicht übersichtlicher. Gut, dass ich den Fehler schon mal geübt habe.
Zweitens stellte ich mal wieder fest, dass meine Ränder immer noch grottig werden. Wenn dann einer davon mal die Mittellinie einer Decke werden soll: oh, oh!
Drittens bin ich hin und her gerissen zwischen der Faszination dieses Musters und der Erkenntnis, dass es in genau dieser Farbzusammenstellung zu einem Ergebnis führen wird, dass weder vintage noch retro wirken wird, sondern einfach nur altbacken und farblos.
So eine Decke als Überwurf auf einem Bett: Grässliche Vorstellung.
Je nachdem wie man draufschaut, sieht es jedesmal anders aus.
Viertens werden die Quadrate vermutlich nach dem Waschen nicht mehr quadratisch sein.
Das ist alles nicht so überzeugend.
Also wird es wohl bei diesem Probestück bleiben.
Kreativ war ich heute trotzdem und so darf der Eintrag auch mal wieder zum Creadienstag.
Donnerstag, 19. November 2015
Ein Kissen mit zwei Gesichtern
Das Kissen vom Webenova-Webrahmen ist fertig.
Es wurde in Schussrips gewebt.
Schuss: Catania (100%BW), Kette: ähnliches BW-Garn
Auf der einen Seite habe ich mit drei Farben (rot, blau, beige) und Mustern gespielt und verschiedene Borten gewebt.
Diese Kissenseite ist sozusagen eine kleine Mustersammlung im funktionalen und alltagstauglichen Kissenformat.
Die gleichen Muster können als Band in Kettrips gewebt werden, wenn man die Farbfolge der Schussfäden des Kissens als Kettfäden in einen Webkamm fürs Bandweben einzieht.
Ich fühle, dass ich das eines Tages tun werde.
Auf der anderen Seite habe ich mit Farbverläufen experimentiert.
Das Zusammenspiel verschiedener Farben und ihre unterschiedliche Wirkung bis hin zum übernächsten Nachbarn fasziniert mich immer wieder und ich werde diese Geheimnisse wohl nie ergründen.
Über das Weben des Kissens habe ich in vier Teilen berichtet:
1: Der Webenova-Rahmen
2: Kette spannen
3: erste Webversuche
4: Erfahrungen
Hier ist der fünfte und letzte Teil:
Fertigstellung:
- an den Schusskanten je einmal über die Kettfäden gehäkelt
- Webstab entfernt
- Fäden mit Abstand zu beidem Kanten durchgeschnitten
- erst an der Endkante je zwei Kettfäden zusammengeknotet
- dann den Kettstab rausgezogen und die Kettfäden am anderen Ende paarweise geknotet.
- gewaschen. Beim Waschen kam sehr viel rote Farbe raus.
Maße nach der Wäsche: Länge 97cm, Breite 45-48cm, 383g
- Kettfäden auf der Rückseite auf Stylefix fixiert, daneben abgeschnitten. Kante umgelegt und abgesteppt.
- RV eingenäht. Der RV war länger als die Kissenbreite, was sich nicht bewährt hat, weil es an den Ecken ein Gewurschtel gegeben hat. Bei einem so dicken Stoff ist ein kürzerer RV besser.
(Für's nächste Mal merken!)
- Seitennähte geschlossen, dicke Stellen an den RV-Ecken von Hand.
- Füllung: überschüssiges Mottenfutter - sehr gemütlich!
Ende dieser Geschichte.
... und:
nein, mein Sofa ist nicht pink, sondern bordeauxrot,
wie auch die Hauptfarbe des Kissens.
Ich kann die digitale Technik momentan nicht davon überzeugen,
das vernünftig wiederzugeben.
... und:
nein, mein Sofa ist nicht pink, sondern bordeauxrot,
wie auch die Hauptfarbe des Kissens.
Ich kann die digitale Technik momentan nicht davon überzeugen,
das vernünftig wiederzugeben.
Montag, 9. November 2015
Der Webenova-Webrahmen, Teil 4 - abschließende Beurteilung
Der Zwangsurlaub der letzten Tage legte es nahe, einige herumliegende Dinge in Angriff zu nehmen. Allerdings nur solche, die man gut vom Sofa aus erledigen kann.
Dazu gehörte auch die Fertigstellung des Kissengewebes auf dem Webenova-Webrahmen.
Endlich ist das Gewebe fertig und vom Rahmen.
Falls mal jemand mit ähnlichem Gerät weben möchte, hier meine abschließende Beurteilung:
In Schulnoten sähe sie so aus:
Webenova-Stab: Webeigenschaften gut bis sehr gut (1-2)
Rahmenkonstruktion: mangelhaft bis ungenügend (5-6)
(wegen Unhandlichkeit und der Unmöglichkeit einer gleichmäßigen, vernünftigen Kettspannung)
In Worten:
Fachbildung und Schusseintrag gingen gut und problemlos.
Da kann ich gar nicht meckern.
Man darf halt den Stab beim Andrücken des Schussfadens nicht nach vorne kippen, aber das muss man ja auch nicht machen.
Auf einem anderen Rahmen könnte ich mir das durchaus noch mal vorstellen.
Der Rahmen selbst ist eine Fehlkonstruktion.
Zunächst ist er ziemlich windig und neigt zum Verziehen.
Die Anleitung sieht deshalb vor, dass man immer, wenn man nicht webt, die Kettspannung löst.
Folgt man dieser Anweisung, kippt der Webstab um. Er wird ja nur durch die Spannung aufrecht gehalten. Ohne Spannung hat er keinerlei Halt. Und ehe man sich's versieht, springen die Kettfäden aus den Schlitzen, da hilft auch der Verschlusstab nur wenig.
Merke: Niemals die Kettspannung lösen, sonst darf man die Kettfäden vor dem nächsten Weben erst mal neu in die Schlitze sortieren.
Außerdem soll man laut Anleitung den Rahmen in Webpausen immer waagerecht lagern, nicht hochkant.
Tatsächlich kann man ihn auch kaum aufrecht hinstellen, z.B. an eine Wand oder das Sofa, weil er ständig wegrutscht und buchstäblich keinerlei Stand hat, man zudem sehr darauf achten muss, dass dann der Webstab nicht kippt.
Eigentlich kann man ihn noch nicht mal vernünftig senkrecht tragen, weil dann der Webstab wegzurutschen droht und man sehr aufpassen muss, dass dann die Fäden nicht raushüpfen...
Eigentlich kann man den Rahmen überhaupt nicht tragen und auch nicht vernünftig wegräumen.
Am besten fasst man ihn gar nicht erst an, außer man weiß, dass man für die nächste Zeit nichts anderes mehr vor hat, auch nicht eine Tasse Tee holen oder das Gegenteil. Denn wenn man den Rahmen erst mal auf dem Schoß hat, kann man ihn auch nicht wie einen anderen Webrahmen mal eben nach unten abstellen.
(O.k., ich hätte natürlich an einem leergeräumten Küchentisch weben können statt am Couchtisch, dann hätte ich den Rahmen bei kleinen Webpausen waagerecht auf den Tisch schieben können.
Aber dafür hätte ich ihn wieder durch die Tür in die Küche tragen und dabei wie ein rohes Ei behandeln und mich mit dem Rest der Familie über die Küchennutzung einigen müssen......)
Diese Unhandlichkeit des Rahmens nervte mich wirklich sehr, denn sie führte dazu, dass der Webrahmen ständig störend und platzraubend im Weg rumlag, ich aber auch nicht mal eben 5 Minuten zwischendurch dran arbeiten konnte, wie ich das bei wolligen Sachen gerne mache.
Ein weiterer Konstruktionsfehler betrifft die Kettspannung.
Grundsätzlich besteht in der Anleitung ein Denkfehler: Wenn man, wie vorgesehen, beide Holme löst und in die gleiche Richtung weiterdreht, dann hat man nicht wie vorgesehen ein gleichmäßiges Weiterdrehen von Kette und Gewebe, sondern auf einmal die maximal mögliche Kett-Entspannung, weil ja die beiden Holme mit der spannenden Seite nach außen angebracht waren. Es macht also nicht sortiert "flupp-flupp" und alles wandert etwas weiter, sondern es macht auf einmal "wusch" und alles fällt in sich zusammen und muss anschließend wieder angeordnet werden.
Darauf kann man eigentlich verzichten....
Dadurch, dass die Kettfäden einmal im Kreis um den Rahmen herumgehen, rutschte der Schuss außerdem quasi ungebremst auf der gesamten Kettlänge herum.
Hätte man einen Warenbaum, dann wäre der Rutscherei durch das aufgewickelte Gewebe Einhalt geboten.
Als ich mit dem Gewebe anfing, hatte ich ca. 5cm Abstand zwischen dem Webanfang und den Kettstab, da gibt es kein Foto.
Nach einiger Zeit Weben war das gesamte Gewebe auf der Kette bis an den Kettstab gerutscht:
Nachdem ich den Webanfang auf die Rückseite gedreht hatte, rutschten die Kettfäden mit der Zeit wiederum in die andere Richtung durch das Gewebe: Am Ende der Webarbeit waren wieder ca 7cm Platz zwischen Anfang und Kettstab:
Dazu gehörte auch die Fertigstellung des Kissengewebes auf dem Webenova-Webrahmen.
Endlich ist das Gewebe fertig und vom Rahmen.
Falls mal jemand mit ähnlichem Gerät weben möchte, hier meine abschließende Beurteilung:
In Schulnoten sähe sie so aus:
Webenova-Stab: Webeigenschaften gut bis sehr gut (1-2)
Rahmenkonstruktion: mangelhaft bis ungenügend (5-6)
(wegen Unhandlichkeit und der Unmöglichkeit einer gleichmäßigen, vernünftigen Kettspannung)
In Worten:
Fachbildung und Schusseintrag gingen gut und problemlos.
Da kann ich gar nicht meckern.
Man darf halt den Stab beim Andrücken des Schussfadens nicht nach vorne kippen, aber das muss man ja auch nicht machen.
Auf einem anderen Rahmen könnte ich mir das durchaus noch mal vorstellen.
Der Rahmen selbst ist eine Fehlkonstruktion.
Zunächst ist er ziemlich windig und neigt zum Verziehen.
Die Anleitung sieht deshalb vor, dass man immer, wenn man nicht webt, die Kettspannung löst.
Folgt man dieser Anweisung, kippt der Webstab um. Er wird ja nur durch die Spannung aufrecht gehalten. Ohne Spannung hat er keinerlei Halt. Und ehe man sich's versieht, springen die Kettfäden aus den Schlitzen, da hilft auch der Verschlusstab nur wenig.
Merke: Niemals die Kettspannung lösen, sonst darf man die Kettfäden vor dem nächsten Weben erst mal neu in die Schlitze sortieren.
Außerdem soll man laut Anleitung den Rahmen in Webpausen immer waagerecht lagern, nicht hochkant.
Tatsächlich kann man ihn auch kaum aufrecht hinstellen, z.B. an eine Wand oder das Sofa, weil er ständig wegrutscht und buchstäblich keinerlei Stand hat, man zudem sehr darauf achten muss, dass dann der Webstab nicht kippt.
Eigentlich kann man ihn noch nicht mal vernünftig senkrecht tragen, weil dann der Webstab wegzurutschen droht und man sehr aufpassen muss, dass dann die Fäden nicht raushüpfen...
Eigentlich kann man den Rahmen überhaupt nicht tragen und auch nicht vernünftig wegräumen.
Am besten fasst man ihn gar nicht erst an, außer man weiß, dass man für die nächste Zeit nichts anderes mehr vor hat, auch nicht eine Tasse Tee holen oder das Gegenteil. Denn wenn man den Rahmen erst mal auf dem Schoß hat, kann man ihn auch nicht wie einen anderen Webrahmen mal eben nach unten abstellen.
(O.k., ich hätte natürlich an einem leergeräumten Küchentisch weben können statt am Couchtisch, dann hätte ich den Rahmen bei kleinen Webpausen waagerecht auf den Tisch schieben können.
Aber dafür hätte ich ihn wieder durch die Tür in die Küche tragen und dabei wie ein rohes Ei behandeln und mich mit dem Rest der Familie über die Küchennutzung einigen müssen......)
Diese Unhandlichkeit des Rahmens nervte mich wirklich sehr, denn sie führte dazu, dass der Webrahmen ständig störend und platzraubend im Weg rumlag, ich aber auch nicht mal eben 5 Minuten zwischendurch dran arbeiten konnte, wie ich das bei wolligen Sachen gerne mache.
Ein weiterer Konstruktionsfehler betrifft die Kettspannung.
Grundsätzlich besteht in der Anleitung ein Denkfehler: Wenn man, wie vorgesehen, beide Holme löst und in die gleiche Richtung weiterdreht, dann hat man nicht wie vorgesehen ein gleichmäßiges Weiterdrehen von Kette und Gewebe, sondern auf einmal die maximal mögliche Kett-Entspannung, weil ja die beiden Holme mit der spannenden Seite nach außen angebracht waren. Es macht also nicht sortiert "flupp-flupp" und alles wandert etwas weiter, sondern es macht auf einmal "wusch" und alles fällt in sich zusammen und muss anschließend wieder angeordnet werden.
Darauf kann man eigentlich verzichten....
Dadurch, dass die Kettfäden einmal im Kreis um den Rahmen herumgehen, rutschte der Schuss außerdem quasi ungebremst auf der gesamten Kettlänge herum.
Hätte man einen Warenbaum, dann wäre der Rutscherei durch das aufgewickelte Gewebe Einhalt geboten.
Als ich mit dem Gewebe anfing, hatte ich ca. 5cm Abstand zwischen dem Webanfang und den Kettstab, da gibt es kein Foto.
Nach einiger Zeit Weben war das gesamte Gewebe auf der Kette bis an den Kettstab gerutscht:
Nachdem ich den Webanfang auf die Rückseite gedreht hatte, rutschten die Kettfäden mit der Zeit wiederum in die andere Richtung durch das Gewebe: Am Ende der Webarbeit waren wieder ca 7cm Platz zwischen Anfang und Kettstab:
Ist an sich ja vielleicht nicht so tragisch, aber ein gleichmäßiger Anschlag der Schussfäden wird dadurch nicht gerade gefördert.
Auch ansonsten wurde die Kette immer lockerer, vor allem an den Rändern und in der Mitte und gerade beim Rips-Weben ist das lästig.
Nachspannen war eigentlich nicht möglich.
Irgendwann habe ich aufgehört, ordentliche Ränder weben zu wollen und akzeptiert, dass die Weberei immer noch schmaler wurde. Ich bin dazu übergegangen, immer so ca 8 Schussfäden durchzuziehen und mit dem Webstab grob anzuschlagen, dann habe ich sie "im Paket" mit dem Kamm angedrückt und die lockeren Kettfäden am Rand und in der Mitte - im Verlauf der Arbeit immer mehr - von Hand einzeln auf die richtige Spannung durchs Gewebe gezogen....
Ich bin froh, dass ich den Webenova-Rahmen jetzt wieder wegpacken konnte...
Das Gewebe ist ganz schön geworden. Die scheußlichen Ränder werden in den Seitennähten des Kissens verschwinden und dann wird alles gut...
Das Kissen wird zwei sehr unterschiedliche Seiten haben: Die eine ist ein "Sampler" für Bänder und Bordüren, auf der anderen habe ich mit Farbverläufen und Farbkombinationen gespielt, mal wieder im Versuch, Farben verstehen zu lernen.
Noch ein paar Fotos, bevor ich das Gewebe vom Rahmen genommen habe:
(Die Fotos sind leider mies, aber ich bin momentan in meiner Beweglichkeit sehr eingeschränkt und wollte nicht warten,
bis ich wieder schöne Fotos machen kann.)
Vorderseite, der Webstab ist schon entfernt.
Rückseite:
Jetzt würde ich gerne meinen Ashfordrahmen neu aufziehen, aber das macht mein Knie noch nicht mit.
Samstag, 10. Oktober 2015
Leben und Weben in der Bronzezeit
Urlaubserinnerungen: wohltuend im turbulenten Alltag.
Unsere diesjährigen Radtour legte uns das Archäologische Zentrum Hitzacker an den Weg.
Auf dem Gelände einer ehemaligen bronzezeitlichen Siedlung wurden hier einige Häuser so nachgebaut, wie es die Grabungsbefunde nahelegen.
Dabei kamen Werkzeuge und Techniken zum Einsatz, wie sie wohl unsere Vorfahren vor 3000-4000 Jahren verwendeten. So entstand mit den Methoden der experimentellen Archäologie ein sehenswertes Freilichtmuseum. Der Besucher kann von Haus zu Haus gehen und neben Wissenswertem aus Informationstafeln und Schaukästen auch ein kleines bisschen einen Eindruck davon bekommen, wie sich ein bronzezeitlicher Mensch wohl gefühlt haben mag, wie seine Tage und sein Lebensrhythmus ausgesehen haben könnten, welche Arbeiten ihm das Leben erleichterten oder auch nicht.
![]() |
| (Ob sie früher wirklich solche Sessel hatten?) |
Während unser Jüngster an einer Führung teilnahm, in der er Faustkeile klopfen, den Bau einer Flecht- und Lehmwand erproben, Getreide mit dem Mahlstein mahlen und ein bronzezeitliches Gebräu kochen konnte, hatte ich Gelegenheit, in Ruhe durch die Geschichte zu streifen.
In einem Langhaus war die Weberei mit dem Gewichtswebstuhl.
Das Funktionsprinzip ist so genial wie einfach:
Der Rahmen steht schräg an der Wand. Er hat unten und oben einen Querbalken.
Alle Kettfäden sind am oberen Querbalken befestigt und haben unten ein Gewicht, um die Spannung zu halten.
Die Kettfäden A hängen hinter dem Querbalken lotrecht nach unten.
Die Kettfäden B hängen vorne über dem unteren Querbalken.
Auf diese Weise entsteht ein Fach. (In meiner gräuslichen Zeichnung blau)
Die Kettfäden A sind mit Litzen (Fadenschlingen) an einem Stab (Litzenstab) verbunden, der auf zwei Astgabeln an den Seiten des Webstuhls aufliegt.
Zieht man den Litzenstab nach vorne und hängt ihn in den Astgabeln ein, so werden die Kettfäden A vor die Kettfäden B gespannt. So entsteht das zweite Fach. (rot)
Der Stoff "wächst" am oberen Rand des Webstuhls.
Auf meinen Fotos fehlen die Abstandshalter, weil sie am Tag unseres Besuchs abgängig waren. Wie ich erfuhr, verschwinden die ab und zu. Offenbar gibt es immer mal wieder Museumsbesucher, die dringend Astgabeln brauchen.
Sehr interessant fand ich übrigens auch den prähistorischen Wintervorratsschrank.
Die Menschen damals haben (außerhalb des Hauses) eine 1,5m tiefe und ca. 1m breite runde Grube ausgehoben und mit Korbgeflecht ausgekleidet. Versuche zeigten, dass über den Winter darin gelagerte Äpfel und Nüsse bis in den nächsten April genießbar waren.
Wobei "Erdmieten" zur Lagerung von Gemüse hier in der Gegend noch nach dem 2. Weltkrieg in Gebrauch waren. Eigentlich schade, dass diese umweltfreundlichen Lagermethoden so ganz aus der Mode gekommen sind.
Wenn ich mal ein bisschen mehr Zeit habe, werde ich vielleicht beides mal ausprobieren:
Einen Gewichtswebstuhl und Erdmieten.
Mittwoch, 12. August 2015
Der Webenova-Webrahmen, Teil 3 - Webversuche
Der Plan:
Mein Probestück auf dem Webenova wird ein Baumwollgewebe, dass gleichzeitig ein Sampler für Schussripsmuster und ein Sofakissen werden soll.
Das Garn:
Die Kette besteht aus einem dunkelblauen Baumwollgarn mit 300m/100g LL.
Der Schuss ist Catania, ebenfalls Baumwolle.
Für die Garne habe ich seehr tief in gaanz alten Garnvorräten gegraben.
Das Weben:
Es funktionikert ganz normal:
• Stab kippen -> Fach öffnet sich
• Schuss im spitzen Winkel eintragen
• Stab senkrecht stellen und nach vorne führen, um den Schuss zu fixieren
• beim Zurückfahren des Stabes denselben in die andere Richtung kippen
-> anderes Fach öffnet sich
• nächster Schuss....
• usw.
Soweit, sogut. Es funktioniert eigentlich nicht schlecht.
Anmerkungen, Pannen und Probleme:
Schiffchen:
Diese seltsame (für mich neue) Schiffchenform mit der eckigen Aussparung bewährt sich:
Das Garn lässt sich sehr ordentlich aufwickeln, eigentlich besser als bei den Schiffchen mit runder Bohrung.
Beim Weben verhängt es sich auch nicht. Geht sehr gut.
Fach und Schuss:
Die Fächer sind wesentlich kleiner als bei meinen Gatterkammwebrahmen.
Aber solange man mit dem Schiffchen nah am Stab entlangfährt, lässt es sich problem- und fehlerlos weben.
Da der Drehstab auf dem Rahmen frei beweglich ist, kann man ihn immer in einer angenehmen Arbeitsposition halten.
Der Anschlag:
Steht der Drehstab senkrecht, klappt das Andrücken sehr gut. Auf den ersten ca. 10cm konnte ich auf diese Weise mit Ausnahme einer kleinen Stelle in der Mitte (siehe unten) mühelos das Garn so andrücken, dass der gewünschte Rips entsteht.
Ein Problem gibt es, wenn man den Drehstab aus Versehen in nach vorne gekippter Stellung ans Gewebe drückt. Das ist mir einmal passiert. Dabei geriet der Schussfaden irgendwie zwischen Drehstab und Verschlussstab und drückte ein paar der oberen Kettfäden aus den Schlitzen, die dann in die benachbarten Schlitze hüpften.
Der Schaden ließ sich einfach beheben, lästig ist sowas natürlich trotzdem.
Ich habe mir den Fehlermechanismus genau angesehen: Das passiert wirklich nur, wenn man den Stab beim Andrücken nach vorne kippt, lässt sich also sehr leicht vermeiden.
Möglicherweise strapaziert die breite Kontaktfläche in den Schlitzen beim Hin- und Herschieben das Kettgarn aber mehr, als es ein Gatterkamm tut.
Die Kettspannung: drei Probleme
Die ersten Zentimeter gingen sehr gut. Dann hatte ich das Gefühl, die Kette würde immer lockerer. Ich schob am oberen Querstab ein Schiffchen zwischen Kette und Holz, das half kurzfristig..... Eine ganze Zeitlang später kam ich auf die Idee, mir mal die Kettspannvorrichtung – also die Stellung der Querleisten – anzusehen:
Aha, da war ein Übeltäter gefunden.
Die untere Querleiste hatte sich gelöst und aufgestellt, dadurch war die Kette lockerer geworden. Ich stellte sie wieder gerade und schraubte ordentlich fest.
Dabei stellte ich fest, dass einerseits der Schuss mittlerweile völlig an den Kettordner gerutscht war, gleichzeitig war der Kettordner bis auf die untere Querleiste gerutscht.
Ich hatte also beim Andrücken des Schussfadens nicht nur den Schussfaden angedrückt, sondern gleichzeitig alle bereits gewebten Schussfäden auf den Kettfäden sowie das ganze Gewebe auf dem ganzen Rahmen weiterbewegt.
Auf dem leider sehr unscharfen Bild kann man die ursprüngliche Stellung des Kettordners (Rundholz) zumindest erahnen (oben).
So hat es sich ganz von selbst entwickelt (unten)
Mittlerweile geht das Gewebe schon über dem Kettordner "um die Kurve", aber weiter kann es ja jetzt nicht mehr rutschen. Nur muss ich mir überlegen, wie ich das ganz am Schluss mache, denn da ist ja quasi überhaupt nichts mehr zwischen dem Gewebe und dessen Ende. Momentan denke ich, ich werde die Kettfäden von der anderen Seite mit viel Abstand abschneiden und dann den Kettordner-Rundstab vorsichtig herauslösen (zum Glück habe ich ihn nur einmal mit den Kettfäden umwickelt). Dann habe ich hoffentlich wieder genug Material, um mit Knoten sichern zu können, oder so.
Das nächste Mal würde ich unbedingt eine Leiste oder Pappstreifen oder dickes Anfangsgarn an den Anfang weben, um das Gewebe etwas auf Abstand zum Kettordner zu halten.
Dass das ganze Gewebe auf dem Rahmen insgesamt weitergerutscht ist, finde ich im Moment fast eher praktisch. Da hatte ich länger einen angenehmen Arbeitsabstand.
Wie sich das entwickelt, wenn man den Kettordner, der momentan auf der Querleiste liegend ein Weiterrutschen verhindert, mitsamt dem Anfang es Gewebes auf die andere Seite dreht, wird sich zeigen. Hoffentlich flutscht das dann nicht übermäßig viel.
Die Webenova-Anleitung sieht nämlich vor, dass man zu gegebener Zeit (immer nach ca. 25cm Weben) alle Muttern löst, den oberen und unteren Querstab mit je einer Hand fasst und – flupp-flupp-flupp – die ganze Chose inklusive Querstäben weiterdreht, und dann solang weiterarbeitet, bis man quasi im Kreis rum alles fertig gewebt hat.
Das zweite Problem besteht in der Kettspannung generell.
Möglicherweise ist sowohl die Beschaffenheit meines Kettgarns als auch die Tatsache schuld, dass beim Rips-Weben die Kette nicht kürzer wird, man aber viel Spannung braucht.
Jedenfalls wird die Kette immer lockerer und mittlerweile muss ich die Kettfäden fast schon von Hand anziehen, um die gewünschte Ripsbinung zustande zu bringen.
Und je lockerer die Kette wird, desto schmaler wird das Gewebe.
Das macht jetzt nicht wirklich Spaß.
Da ich laut Anleitung bei beiden Querstäben die längere Hälfte nach außen gedreht habe, kann ich die Kette zwar lockern, aber nicht nachspannen.
Da muss ich mir jetzt etwas einfallen lassen. (Mehr Holzleisten unterlegen oder so.)
Beim nächsten Mal würde ich den einen Querstab so und den anderen andersrum montieren, dann könnte man mit dem einen Querstab spannen, mit dem anderen lockern.
Übrigens schreibt die Webenova-Anleitung vor, dass man immer, wenn man Pause vom Weben macht, die Kettspannung lockern soll. Das habe ich auch brav gemacht.
Das dritte Problem stellt ein kleiner Bereich in der Mitte der Kette dar. Von Anfang an musste ich hier mit einem kleinen Kamm nachhelfen, um ein geschlossenes Bindungsbild zu erreichen, was rechts und links von selbst ging.
Zunächst dachte ich, hier wären meine Kettfäden zu locker (vielleicht, weil ich entgegen der Anleitung den Kettfaden in der Mitte nicht aneinander, sondern um den Kettordner geknotet hatte?
Oh tiefe Geheimnisse des Webens!)
So spannte ich die betreffenden Fäden durch Unterlegen eines Papierknubbels nach.
Das half aber nicht wirklich viel.
Mittlerweile frage ich mich, ob nicht eine Unregelmäßigkeit im Drehstab schuld sein könnte:
Genau an der Stelle, an der ich immer nacharbeiten muss, reichen die Schlitze nicht ganz so tief, wie auf dem Rest des Stabes.
Beim Andrücken des Schusses werden also genau hier die Kettfäden auch immer ein bisschen nach oben gedrückt. Vielleicht drückt das dann sozusagen die Bindung wieder auseinander.
Hier muss ich den Schussfaden immer extra mit einem kleinen Kamm festdrücken (oben).
Die betreffenden Kettfäden machen im Webstab eine Beule nach oben. (unten)
Abgesehen von der nachlassenden Kettspannung, für die ich jetzt für den Rest der Weberei improvisieren muss, macht das Weben auf dem Webenova durchaus Spaß. Und meine ersten Schussrips-Musterversuche finde ich eigentlich auch ganz lustig.
Die nächste Fortsetzung gibt es dann erst, wenn ich mit dem ganzen Kissen fertig bin.
Das kann noch ein gutes Weilchen dauern......
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