Sonntag, 9. August 2015

Der Webenova-Webrahmen, Teil 1 - Teile und Zubehör

Er wollte gestern nicht auf dem Flohmarkt bleiben. Darum habe ich ihn mitgenommen, 
ausgepackt und begutachtet und mittlerweile auch bespannt und angewebt. 

In der Schachtel befand sich neben den Holzteilen auch eine Anleitung sowie 
das Webenova-Schema. 

Die Lektüre der Anleitung erweckt den Eindruck, dass hier das Rad neu erfunden werden sollte. 
Der Versuch, auf diese Weise eine Jahrtausende alte Technik möglichst geschickt als Novum zu vermarkten, wirkt zugleich originell und ein bisschen vergilbt. 
(Nichtsdestotrotz geschieht das Gleiche auch heute tagtäglich - nur mit moderner Sprache und Grafik, über die unsere Kinder eines Tages ebenso lächeln werden, wie ich heute über die umständliche Ausdrucksweise in der maschinengetippten Webenova-Anleitung.)

Die geballte Verwendung des Begriffes "Webenova" ist direkt putzig. 
Sollte dies ein Markenartikel werden, von dem alle Welt spricht, wie von Tempo oder Tesa? 
"Hast du ein Tempo für mich?", "Wo ist der Tesa?", "Ich war heut am Webenova",
"Den Teppich hab ich mit dem Webenova gemacht", 
"Boa, mein neuer Webenova ist voll cool, ey!"  
Das wichtigste Teil der ganzen Konstruktion ist der Webenova-Stab, der in der Anleitung auch konsequent so bezeichnet wird. Was das Lesen nicht gerade vereinfacht, zumal er im Verein mit den Webenova-Haltern und dem Webenova-Schema auftritt.
Er funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie die üblichen Drehstäbe bei Kinderwebrahmen. 
Die Rillen erstrecken sich etwa über 63cm.

Die Webenova-Halter fehlen in meiner Schachtel. Der Abbildung nach zu urteilen handelt es sich um Schraubzwingen, wobei sie offenbar einen zusätzlichen Haken hatten, in den man eine Querleiste einhängen konnte.  

Das Webenova-Schema ist eine Tabelle, auf der Möglichkeiten der Musterbildung abgebildet sind. 
Sie trägt das Druckjahr 1957. 

Nun zum Aufbau des Webenova, der konsequent nirgends als Webrahmen bezeichnet wird: 
Zwei "Längsstäbe" bilden die Seitenteile des Rahmens. Sie haben verschiedene Löcher. 

Die "Querstäbe" hätte ich spontan als Kett- und Warenbaum bezeichnet, das sind sie aber nicht. 
Die Neuerfindung des Webens sieht vor, dass man die Kette um den ganzen Rahmen herumwickelt. 

Je nachdem, in welchen Löchern man die Querstäbe anbringt, erhält man dadurch in 15cm-Schritten Kettlängen von 85-160cm. 
Die Querstäbe werden mit Holzmuttern auf Holzgewinden fixiert. 
Um die Kettspannung regulieren zu können, sind die Gewinde nicht mittig, sondern seitlich versetzt angebracht. So kann man durch Drehen der beiden Leisten den Umfang vergrößern oder verringern, ähnlich wie z.B. bei einem Ashford-Inkle-Loom. 

Für die Ausgangsstellung sollen die breiten Abschnitte nach außen, damit man später die Kette entspannen kann. 


Weitere wichtige Teile sind neben den vier Schiffchen der "Kettordner" und der "Verschlusstab", (damals noch nicht mit sss).
Der Kettordner ist mit Kerben versehen, die ein fleißiger Webenova-Mitarbeiter in mühevoller Kleinarbeit Strich für Strich eingebrannt hat. 
Falls dies das Originalteil ist. In der Anleitung ist die Rede von Rillen, bei denen man peinlich genau darauf achten soll, dass man keine auslässt. 
Bei den Brandkerben war es heute aber eher schwierig, den Kettfaden in bzw. auf den Rillen zu halten, so dass ich das schnell gelassen habe.  
Der Kettordner hat im Gegensatz zum Verschlussstab auch keine Beschriftung.  
Der Verschlussstab soll verhindern, dass die Kettfäden aus dem Drehstab rutschen. 
Dann gibt es noch den "Webehaken", das lange Holzteil, das wie eine Kreuzung aus Lesetab und Häkelnadel aussieht. 
Er dient dazu, Material durchs Fach zu ziehen, das sich nicht dazu eignet, auf Schiffchen gewickelt zu werden. Als Beispiele werden "Fleckerl, Bast, Wollreste" genannt. 
Die Anleitung schließt mit der vertrauenserweckenden Aufforderung: 
"Ist Ihnen etwas unklar oder haben Sie für besondere Arbeiten irgendwelche Fragen, 
so schreiben Sie an ..."


Fortsetzung folgt: 

Über meine Versuche, den Webenova in Betrieb zu nehmen, berichte ich bei Gelegenheit.






   

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