Donnerstag, 4. Februar 2016

Buch: Einfaches Weben (Rudolf und Helene Riedinger)

Rudolf und Helene Riedinger: Einfaches Weben. 
Bern/Stuttgart 1980. 144 Seiten, ca 18cm x 25cm.
ISBN 3-258-02960-1

Dieses Buch befindet sich in der Wanderbuchkiste Weben
Weitere Meinungen und das Inhaltsverzeichnis finden sich im Handspinnforum.

Was ist dieses Buch nicht? 
Ein Bastelbuch. 
Eine wissenschaftliche Abhandlung. 

Was ist dieses Buch? 
Eine Liebeseklärung an die Weberinnen in Guatemala und an ihre Kunst.
Eine Dokumentation ihrer Arbeit, sowohl der Techniken als auch der Ergebnisse und deren traditioneller Verwendung. 
 
Die Autorin hat das Weben bei den Nachfahren der Maya erlernt und gibt hier ihr Wissen auf eine Weise weiter, die zum Nachmachen einlädt. 

Zunächst wird die Herstellung des mobilen Hüftwebgerätes beschrieben. 
Zahlreiche Zeichnungen begleiten den Text und machen ihn zusammen mit einer meist großzügigen Seitenaufteilung leicht verständlich und nachvollziehbar. 
Dann lernt der Leser, wie er die Kette schärt, das Gerät einrichtet und für die Fachbildung eine Art Litzenstab anbringt.
Bemerkenswert finde ich, dass man mit dieser Webart Stoffe herstellt, die an allen vier Rändern geschlossene, saubere Webkanten haben. Außerdem wird mir sehr feinem Garn gewebt.
(Bei der Inka-Ausstellung in Rosenheim hatte ich seinerzeit schon die besonders schönen Ränder der feinen gewebten Gewänder bewundert und mich gefragt, wie das wohl geht.)

Bei den anschließend beschriebenen "drei gebräuchlichen Webtechniken" handelt es sich keineswegs um Leinwandbindung und Co., sondern um die Verfahren, mit denen farbenfrohe filigrane und sehr kunstfertige Muster eingewebt werden, wobei teilweise reliefartige Strukturen entstehen und die Stoffe durch mehrfache Fadenlagen dicht und warm werden.
Es folgt die Anleitung, wie man Muster im Maya-Stil entwirft, umsetzt und arbeitet. Die letzten Seiten des Buches widmen sich den Trachten der guatemalischen Indianer und zeigen, wo und wie die bunten Stoffe Verwendung finden.  

Ich denke, für jemanden, der diese Webkunst ausprobieren möchte, bietet das Buch alles, was er wissen muss, um das zu erlernen und solche Stoffe zu weben. 
Ich ahne, dass dies eine eigene Passion werden könnte, wenn man sich darauf einließe und verschiebe dieses Projekt für mich auf "vielleicht später mal".  
Aber ich will mir das Prinzip dieses Gurtwebgeräts merken, weil es bis zu einer gewissen Gewebegröße das (kettrestfreie) Weben mit jeder beliebigen Garnstärke ermöglicht, ohne dass man auf Gatterkammstärken Rücksicht nehmen oder sich einen großen Webstuhl anschaffen müsste. 
Das gefällt mir. 

Noch zur Aufmachung des Buches: Es enhält etliche Farb- und Schwarzweißfotos und sehr viele schlüssige und den Text sinnvoll ergänzende Zeichnungen. Insgesamt überwiegt jedoch der Text. 
(Da ich einige neuere Bücher aus dem Haupt-Verlag kenne, hatte ich irgendwie mehr bunte Bilder zum Ah- und Oh-Sagen erwartet, aber das hier ist definitiv kein Bilderbuch, sondern ein Lesebuch.)

Ich mag es.

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