Freitag, 18. März 2016

Handbuch Weben (Erika Arndt, 2006)

Erika Arndt: Handbuch Weben
Haupt-Verlag, 2006
ISBN 978-3-258-06993-7
240 Seiten


Dieses Buch ist in der Wanderbuchkiste Weben enthalten.
Das Inhaltsverzeichnis und weitere Meinungen finden sich im Handspinnforum.

Soweit ich weiß, ist dieses Buch DAS aktuelle deutschsparchige Buch für Weber überhaupt. Daher freue ich mich, dass ich es über die Wanderbuchkiste ausleihen und angucken kann. 

Mein erster Eindruck: 
Ein schönes Buch - liegt gut in der Hand, ist schön aufgemacht, schöne Bilder, nachvollziehbare Ordnung.   

Mein zweiter Eindruck nach dem Durchblättern des Kapitels über die Geschichte des Webens und dem Querlesen der Materialkunde: 
Vielleicht sollte ich mir das auch selbst anschaffen

Mein dritter Eindruck: 
Ich werde es mir nicht anschaffen, weil das Buch zum weitaus größten Teil ein umfassendes Fachbuch für Webstuhlweber ist. Und weil ich die Webstuhlweberei zwar faszinierend finde, mir aber momentan nicht vorstellen kann, mich mittelfristig instensiver damit beschäftigen zu wollen. (Vielleicht lache ich in ein paar Jahren über diesen Satz?)
Das Durchblättern und Querlesen des übersichtlichen und klar gegliederten Buches löst bei mir auch keine spontanen Gelüste in diese Richtung aus.
Eher denke ich mir: Oh, da muss man sich aber intensiv damit auseinandersetzen, bis das was wird. Ein Webstuhl braucht so viel Platz (stöhn) und all die vielen Einzelteile, die verstanden und bedient werden wollen (seufz) und diese Litzen (oh) und die vielen Kettfäden, die alle erst geschärt und dann an die richtige Stelle gefädelt werden wollen (mir wird schwindlig)...
Da bleibe ich doch lieber bei meinem überschaubaren und simplen Webrahmen.

Ich stelle mir vor, ein Webstuhlbesitzer liest dieses Buch wahrscheinlich so, wie ein Musiker seine Noten. Ich habe das Instrument nicht vor mir und kenne diese Noten nicht, deshalb finde ich vieles verwirrend.


Weil das Buch bald weiterwandert, will ich für mich hier festhalten, was mir bei der Lektüre so aufgefallen ist:

Zur Geschichte der Webkunst (10-28):
Ein Kapitel mit vielen schönen Bildern
 
Materialkunde (29-49): 


Das Kapitel ist sehr interessant, aber ich bin mir nicht ganz sicher, wie gut es recherchiert ist und wie nützlich die Informationen in der Anwendung wirklich sind, da die einzelen Angaben wiederum doch so knapp gehalten sind, dass sie eigentlich nicht wirklich viel aussagen.

Bei der Baumwolle finde ich (be-)merkenswert, dass die ältesten Baumwolltextilfunde von ca 5800 v.Chr. aus einer Höhle in Mexiko stammen, die ältesten Funde der alten Welt aus Pakistan um 3000 v.Chr. Dann war die Pflanze diesseits und jenseits des Atlantiks schon lange als Nutzpflanze bekannt.
Die Stapellänge der Fasern reicht von 15-50mm, die Feinheit liegt bei 12-45 Mikrometer
Interessant finde ich die Information, dass Baumwolle (wenn sie nicht vorbehandelt wurde), 8-10% bei der Wäsche einläuft. Dabei glaubte ich gerade neulich verstanden zu haben, dass Stoffe (v.a. Webstoffe, auch z.B. aus Leinen und Wolle) einlaufen, weil die Fasern beim Spinnen und Weben so viel gestreckt und gedehnt wurden und sie sich dann beim Waschen wieder in ihre ursprüngliche "Kürze" zurückbegeben.
Oder verstehe ich das falsch und gemeint ist, dass BaumwollSTOFFE einlaufen?
Aber das tun andere Stoffe auch.
 
Bei "Schafwolle" kommt mir die Darstellung der Schafrassen und ihrer Wollen sehr stark vereinfacht vor. Auch ist Mikron zwar die gängige Einheit unter Spinnern und Wollverkäufern, aber ich finde es unlogisch, dass bei der Baumwolle die Bedeutung von Mikrometer in drei verschiedenen Darstellungsformen erläutert wird (nur nicht mit Mirkon), während hier der Begriff einfach so in den Raum gestellt wird, ohne zu verraten, dass es sich dabei um die gleiche Größe (Mikrometer) handelt.
Nun ja.
Interessant fürs Weben: "Handgewebte Textilien" gehören nicht in die Schleuder", weil die dann knittern. (Da hab ich ja schon einiges falsch gemacht.)
Aber mann kann sie mangeln, bis sie trocken sind und davon werden sie knitterfrei. 

Sehr interessant und aufschlussreich finde ich die Abschnitte über maschinell gesponnene Garne (Zusammenstellung in Fotos mit Beschreibung, üblichen Bezeichhnungen, Eigenschaften) und über die Nummerierung der Garne. (Wo(-für) werden welche Nummern verwendet, was sagen sie aus? 
Dazu eine Umrechnugstabelle: NeL, NeB, Nm, tex, Titer denier, Meter je Kilo)

Ab hier geht's ans Eingemachte
Wer Weben am Webstuhl lernen will, dürfte hier alle Infos finden, die er braucht: 
  
Grundbegriffe und Webgeräte (50-69)
Gewebeplanung (70-80)
Arbeitsablauf beim Weben (81-121)


In diesem Kapitel finde ich das "Schlichten und Leimen"
 für schwierige Ketten besonders  interessant. 
(Schlichten für pflanzliche Fasern, Leimen für ungezwirnte Wolle) 
 

Bindungslehre (122-184)
Bildnerisches Weben (185-199)


Das Kapitel fällt etwas aus dem Rahmen. Es enthält hübsche Bilder, ist aber ziemlich knapp und wahrscheinlich habe ich einfach ein anderes, ziemlich schlichtes Buch über Bildweben im Kopf, das auf Anhieb Lust zum Nacharbeiten macht, während mir das Thema bei Arndt recht komplizert erscheint.
 
Gewebe zum Nacharbeiten (200-270)


Im letzten Teil des Buches werden Gewebe bzw. Projekte mit Foto und Patrone und den nötigen Angaben zum Nacharbeiten vorgestellt. 
Das finde ich beim Durchblättern inspirierend und stelle erstaunt fest, dass vieles in schlichter Leinwandbindung ist und manches davon auch auf dem Rahmen umsetzbar sein müsste.   
Ansonsten greift das Kapilel Themen aus der Bindungslehre wieder auf und beschreibt sie hier nochmal ganz praxisnah am konkreten Beispiel. 
 

So, nun kenne ich dieses Buch also auch. Also falls.... irgendwann.... mich ein Webstuhl anfallen sollte, weiß ich jetzt, was ich dann lesen muss, um schlau zu werden. 




Kommentare:

  1. So habe ich auch gedacht, als ich bei Bine(wollflocke) auf La Palma in dieses Buch schaute. Also falls auch mich der Web-Virus so richtig erwischt... ;O)))Ich danke dir für das umfangreiche mitlesen bei dir.
    Liebe Inselgrüße
    Sheepy

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  2. Herzlichen Dank für deinen ausführlichen Bericht. Bisher steht das Buch hier nur im Regal rum. Vielleicht sollte ich auch mal einen Blick hinein werfen. Leider fehlt mir zum Weben immer die Zeit...
    LG Constance

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