Mittwoch, 8. Juni 2016

Meine erste Begegnung mit dem Obertransportfuß

Den habe ich mir zu meiner neuen Janome gegönnt. 
Die Patchworkdecke dazu ist in Arbeit.  

Trotz längerer Suche im Netz habe ich wenig darüber gefunden, wann und warum die offene oder die geschlossene Variante besser ist:
Bei der offenen Sohle hat man einen besseren Blick aufs Nähgut, bei der geschlossenen wird der Stoff mit mehr Auflagefläche fixiert. Außerdem sind No-Name- Obertransportfüße oft nur für Maschinen bis 5mm Nahtbreite oder es wird nichts angegeben. 
Wenn ich dann doch einmal auf die Idee komme, einen breiten Stich zu nähen, könnte ich mit so einem die 7mm meiner Maschine gar nicht ausnutzen oder muss immer aufpassen, die Nadeln nicht zu ruinieren.

So habe ich mich für das Original entschieden, für das Komplettsett. Da sind dann auch gleich noch Führungshilfen dabei, die bei meiner neuen Maschine im Gegensatz zur alten auch nicht zur Standardaustattung gehören. 
Die Rückseite der Verpackung kann man aufklappen. Auf der Innenseite ist die Bedienungsanleitung. (Darf ich nicht aus Versehen entsorgen!)

Jetzt geht's an einen Test an einem Probestück:

Nachdem der Fuß fachgerecht montiert ist, klicke ich die Schattennahtführung ein, denn ich möchte, wie die Werbung verheißt, eine perfekte Quiltnaht im Nahtschatten ausführen. Die Plastikführung passt exakt in den Mittelschlitz des Füßchens, aber damit sie gerade und ohne seitliche Spannung darin sitzt, muss ich die Befestigungsschiene hinten im Fuß etwas justieren. Wenn man es "auf Anschlag" einklickst, sitzt die Führung minimal schief.

So und jetzt: Den Stoff unterlegen, so dass die Führung in der Naht platziert ist und entspannt drauf losnähen... 

Das Ergebnis:
Die perfekte Naht neben Naht, auf dem Nahtberg sozusagen, ca 1mm vom Nahtschatten entfernt.
(1, links auf dem hellblauen Streifen) 
Für die zweite Naht drehe ich versuchsweise den Stoff um (2, rechts auf dem hellblauen Streifen). Jetzt ist die Naht zwar "unten", aber unter "perfekte Naht im Nahtschatten" habe ich mir eigentlich etwas anderes vorgestellt! 

Also sehe ich mir das Ganze näher an und probiere Verschiedenes aus.

Fazit für die Praxis: 
Die Nähte werden am besten, wenn ich ohne Nahtführung nach Augenmaß nähe und die Nadelposition auf 4,5 stelle. 

Fazit der Problemfindung: 
Im Vehältnis zur Stichplatte der Nähmaschine steht die Nadel in der Mittelpsition (3,5) auch in der Mitte, aber sie steht dann nicht in der Mitte des Füßchens. 
Dieses passt offenbar nicht optimal an die Maschine. 

Bei den schlechten Lichtverhältnissen an der Nähmaschine ist das nicht gut zu fotografieren, aber vielleicht sieht man es trotzdem

Ohne Füßchen, Nadelposition Mitte
 
Mit Führung, Nadelposition Mitte: 

 
Mit Führung, Nadelposition 4,5 (1mm rechts neben der Mitte):

Ohne Führung, Nadelposition Mitte: 

Und dann wollte ich noch wissen, ob ich mit diesem Fuß-System überhaupt Zickzack und Zierstiche nähen kann, denn für letztere hatte ich die offene Fußsohle angeschafft und außerdem habe ich mir ja extra das teute Originalteil gegönnt, damit es auch wirklich an die Maschine passt.

Es geht. Mit Ach und Krach. 
Die folgenden Bilder zeigen die beiden Einstichstellen bei Zickzack mit 7mm Breite. 


Und jetzt?


Da ist das unagneheme Gefühl, dass irgendwas mit diesem supertollen Markennähfußset nicht stimmt. Oder mit meiner Nähmaschine (QDC 4120).
Gut. Man kann den Fuß an der Maschine benutzen und man kann sich darauf einstellen, dass man die Nadelposition anpassen muss – wobei das bei allem, was breiter als geradeaus ist, schon wieder tricky wird, weil man sich nicht an der Fußmitte als Nahtmitte orientieren kann. Einfach der Technik vetrauen und drauf los nähen – das geht nicht und fast sehne ich mich danach zurück, mit einem einzigen Fuß und einer guten Portion Tüftelwillen jede Naht zu meistern, wie früher....


Also eigentlich kann ich mich an technischen Dingen erfreuen, die gut funktionieren und gut gelöst sind, wohingegen mir solche unausgereiften Sachen den Spaß schon manchmal etwas verderben, vor allem, wenn sie auch noch teuer sind.

Statt zu nähen muss ich jetzt grübeln, ob ich mich um eine Reklamation kümmern sollte. 
Reklamationsärger statt Nähspaß. 

Und ich komme mal wieder ins Philosophieren. Wenn ich für einen qualitativ hochwertigen Markenartikel mehr bezahle als für einen billigen No-Name-Ramsch, dann finde ich das absolut in Ordnung. Aber dann möge der Qualitätsunterschied bitte auch erkennbar sein.

Hat jemand eine Janome und den Obertransportfuß? Ist da das gleiche Problem? 



... und ja, ich weiß, ich muss mal die Fussel entfernen ... erstaunlich, wie viele da immer in kürzester Zeit anfallen ...


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