Sonntag, 12. Juni 2016

Der Schrägband-Einfass-Fuß – eine erste Annäherung

Bevor die beiden Probeläppchen zu nutzlosen Ufos mutieren, mussten sie als Übungsobjekte für den Bandeinfassfuß aus meinem Füßchen-Set herhalten. 

Früher habe ich für alle Neugeborenen in der Verwandtschaft große, praktische und sehr beliebte Frotteetücher genäht, mit Kreuzstich-bestickten Borten drauf. 
Mühselig und langwierig war das Einfassen mit Schrägband... 

So war ich sehr gespannt, was der Bandeinfasser zu bieten hat. 

Nun habe ich schon erfolgreich ein paar Fehler ausprobiert, die ich das nächste Mal vermeiden will und das Ergebnis hat noch deutliches Verbesserungspotential. 

1. Der Fuß:  
• Mit der hinteren Metallschraube könnte man die Bandführung so justieren, dass die Position des Bandes optimal zur Nadelposition passt. (Das Band an der Nadel ausrichten.) Wenn man die Führung nach außen schiebt, wirkt der ganze Fuß allerdings etwas wackelig und instabil. 
Besser ist es, die Nadelpostion an der Maschine einzustellen, was bei Geradstich kein Problem ist. (Die Nadel am Band ausrichten. Will man aber z.B. mit Zickzack festnähen, geht das natürlch nicht.)
• Mit dem Rädchen stellt man die fertige Bandbreite ein. Es hat sich bewährt, es etwas enger einzustellen, als man meint, weil der Fuß das Band dann schöner um den Stoff legt. 
• Es ist ein passender Füßchen-Halter nötig, das Original von Janome passt in dem Fall nicht.


2. Das Übungsmaterial: 
ganz normales fertig gekauftes Baumwollschrägband (Rest)
Oberseiten: Reste alter Kopfkissenbezüge, BW, gefärbt, sehr glatt und rutschig
a) Mittellage: dünnes Molton, Rückseite: altes Bettlaken rosa gefärbt, BW; mit Sprühfixierer fixiert
b) Mittellage: 2 Schichten Vlieseline S13 aus den frühen 80er Jahren, Rückseite: Stück alter Leinenvorhang in blau, schlabberig und rutschig, alle 4 Lagen nur durch die Quiltnähte fixiert.
3. So geht's: 
• Schrägband in den äußeren Teil der Führung einfädeln. 
Das ging auch ohne abgschnittene Spitze ganz leicht, am besten, wenn der Fuß noch nicht an der Maschine ist. Fuß einsetzen und ein paar Stiche auf dem Band nähen, dabei die Nadelpostion festlegen und ggf. mit dem Rädchen die Bandbreite nachjustieren.  
• Stoff in den Schlitz einfädeln: das geht leichter, wenn man ihn mit einem passenden Gegenstand (Ahle, stumpfe Schere) vorsichtig etwas aufspreizt. 
3 - 4 Stofflagen waren sicher nicht die Idealbesetzung für den ersten Versuch. Das rutschte gerne wieder raus. 
Hilfreich war es, das Füßchen anzuheben, den Stoff so weit wie möglich an die Nadel zu schieben und so schnell wie möglich die ersten Stiche in den Stoff zu setzen, damit er bleibt, wo er ist. 
So, und dann einfach drauf losnähen und dabei den Stoff immer schön im Schlitz führen. 
Geradeaus ging es ziemlich gut und das Band wird wirklich von selbst schön um die Kante gelegt, die Stiche haben oben und unten einen guten Abstand.

4. Probleme und Verbesserungspotential: 
• Der Stofftransport: funktionierte nicht so ganz wie gewünscht. Die Stiche wurden sämtlich viel kürzer als eingestellt (in meinem Fall 2,2 - 2,8mm). Etwas besser wurde es mit höherem Füßchendruck, aber noch nicht zufriedenstellend. 
• Rundungen: Die Einstichstelle ist ja deutlich hinter der Stelle, an der man den Stoff führt. Das muss man bei Rundungen beachten und entsprechend "entspannt" führen. Der Stoff liegt dann nicht ganz im Schrägband (in der Füßchenführung), man muss die Nahtstelle im Auge behalten.
Beim zweiten Probestück gelang es mir schon viel besser. Das kann jedoch auch noch besser werden und ist wahrscheinlich leichter, wenn man nicht so viele Stofflagen hat. 
Die Stiche werden außerdem in den Kurven noch enger. 
Wenn jemand einen Trick für's Kurvennähen kennt, darf er ihn mir gerne verraten. 
• Die vielen Stofflagen: Dreilagig und etwas fixiert ging es eigentlich ganz gut, aber beim Vierlagigen rutschte die Leinenunterseite mehrfach weg, so dass am Schluss auf der linken Seite offene Kanten aus scheußlichen Falten ragten. "Nur" Falten habe ich gelassen, aber an den offenen Stellen habe ich doch noch mal getrennt. 
Bei vergleichbarer Versuchsanordnung sollte man die Stofflagen an den Kanten vor dem Nähen lieber doch irgendwie fixieren. 
Ehrlich gesagt gehören Mug rugs zu jenen Dingen, die die Welt meiner Meinung nach nicht braucht. 
Aber jetzt habe ich plötzlich auch zwei. Und siehe da, schon sind sie in Betrieb genommen: Einer liegt hier neben dem Computer unter der Tasse und der andere auf der alten Truhe neben meinem Spinnrad. Jetzt kann ich da endlich auch sorglos meine heiße Teetasse abstellen und muss nicht immer mein aktuelles Buch als Unterlage missbrauchen.
Ich brauch' die zwei Mug rugs also unbedingt - wer hätte das gedacht? 

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