Samstag, 14. Mai 2016

Ich bin echt und

... mache mir meine Meinung selber. 

Seltsame Dinge geschehen. 

Einen meiner Lieblingsblogs kann ich plötzlich nicht mehr lesen, weil er nur noch für geladene Gäste zugänglich ist. 
Ich kann nur vermuten, dass diese Änderung aus triftigen und möglicherweise für die Blogschreiberin mit Ärger verbundenen Gründen nötig war. 
Ich finde es schade.

In einem anderen Lieblingsblog lese ich, dass Beiträge auf dubiosen Seiten verlinkt und damit für Propaganda missbraucht werden. Der Lektüre entnehme ich, dass es sich um Seiten handelt, die mit einer weltoffenen und menschenfreundlichen Lebenseinstellung nicht kompatibel sind - weder mit der der betreffenden Blogschreiberin noch mit meiner. 

Was ist denn da los? 

Mir fällt eine Radiosendung ein, die ich all all jenen, die im Netz Ideen suchen und Kontakte pflegen, dringend ans Herz lege:

Das kann ja wohl nicht wahr sein - Meinungsmache in sozialen Medien 
(Klick auf den Sendungstitel führt zur Sendung)

Manches in dieser Sendung hört sich so unglaublich an, dass ich schon fast geneigt bin, eine Verschwörungstheorie zu vermuten. Aber nur fast. Denn was die genannten Beispiele aus dem Russland-Ukraine-Umfeld betrifft, weiß ich, dass sie stimmen.
Meine beste Freundin lebte von 2009-2015 am Maidan in Kiew und schrieb über ihre Erlebnisse und Erfahrungen auf Facebook. Sie wurde mehrfach gehackt, Einträge wurden gelöscht oder verändert; das ganze Programm. Unglaublich und trotzdem wahr.
Sie hat ihre Facebook-Einträge über ihre Ukraine-Erfahrungen übrigens mittlerweile in zwei Büchern veröffentlicht und sie so einem "sicheren" Medium anvertraut:

Charis Haska:  
Nachts zittert das Haus: Erlebnisse am Maidan 2013/14 
und ganz neu:
Schwester Jelenas Tränen: Erlebnisse am Maidan 2014/15

Die Kräfte, die hinter der Meinungsmache in sozialen Netztwerken am Wirken sind, verließen die virtuelle Welt und wurden real, als vor Autorenlesungen Bücherlieferungen auf wundersame Weise abhanden kamen oder "spezielle" Kommentatoren in den Reihen der Zuhörer saßen. 
Wie gut die Propaganda wirkt, bekommt Charis in vielen prsönlichen Gesprächen mit Leuten, die weder dabei waren, noch persönliche Kontakte zu Betroffenen haben, sich dafür aber perfekt ionformiert haben, oft genug zu spüren.

Wie gut die Meinungsmache in unserem Land funktioniert, bekomme ich an der Theke unserer kleinen, feinen Metzgerei zu spüren, als ich beim Kauf von 3 kg Rindergulasch nebenbei und arglos bemerke, es kämen 8 Muslime aus meinem Flüchtlingskurs zum Mittagessen. 
"Ich habe Angst" sagt die Chefin. "Die machen unser Land kaputt, nehmen uns die Arbeit weg und bringen Kriminalität ins Land." 
"Hä?" - denke ich, sage es aber nicht, weil die Stimmumg in der vollen Metzgerei plötzlich eisig ist. 
"Du als Metzgermeisterin solltest doch lieber Angst vor dem Supermarkt und TTIP haben und Dich über billige und sehr, sehr fleißige Arbeitskräfte freuen, die in unser Land kommen. (Es sind ja nicht alle strenge Muslime, für die die Arbeit in einer normalen Metzgerei vielleicht nicht die beste Idee ist.)" - denke ich mir ebenfalls, aber ich habe den Eindruck, dass es nichts bringen würde, eine Diskussion anzufangen. 
Ich kenne Flüchtlinge. 
Sie kennt nur die Meinung über Flüchtlinge, die am lautesten und meisten herumgebrüllt wird. 
Wie soll man da argumentieren?  
Es tut weh, wenn ich sehe, dass Politiker glauben, sie könnten punkten, wenn sie die lauteste Meinung für die beste halten und ihr Fähnchen entsprechend in den Wind halten.
Leider scheint das hier in Bayern auch noch zu funktionieren. Und: Das macht mir Angst.

Aber ich weiß, dass Angst ein schlechter Ratgeber und ein belastender Begleiter ist. 
Also setze ich ihr die Hoffnung entgegen.    

Und mache mir meine Meinung aufgrund meiner Erfahrungen und meiner Einstellung dem Leben gegenüber selber - oder versuche es zumindest. 


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