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Freitag, 6. März 2020

Ein blau-weißer Quilt mit Geschichte

"Du sollst die alten Stoffe bekommen", hatte die beste Freundin gesagt, als sie in ihrem neuen Haus auf den prall gefüllten Sack der Vorbesitzer gestoßen war. 

So nahm ich ihn gerne mit. 

Es kam vor allem Weißwäsche zum Vorschein, Mitteldecken und Geschirrtücher, ein paar Bettlaken, Bettbezüge, Kopfkissen mit Spitzeneinsätzen, Nachthemden...
Aufgrund der Designs lassen sich die Stoffe um 1900 +/-20 Jahre datieren. Eine Mitteldecke zeigt und zitiert Bismarck, manche haben typische gründerzeitliche Designs, andere erinnern an Jugendstil. 

Manche Stücke sind schon im Lumpenstadium, viele aber noch recht gut erhalten. 

Eines war ganz anders, und vor allem: Blau. 



Die Schürze aus schwerem Leinen, von beiden Seiten mit Blaudruck verziert und sichtlich viel gebraucht, wurde das Kernstück eines ganz besonderen Projekts: 

Ein Quilt für meine beste Freundin.

Ich wählte Wäsche aus, halbierte sie, färbte jeweils die Hälfte blau und schnitt sie zu Quadraten.
Ich trennte Spitzen ab und nähte sie auf Quadrate, überwiegend auf blaue. 

Aus Randstücken mit Webkanten und anderen Reststreifen nähte ich neue Quadrate und verzierte die Kanten mit Zierstichen meiner Nähmaschine. 
(Habe ich schon mal erwähnt, dass ich Zierstiche liebe?) 

Einige ungemusterte Stoffe wurden mit der Stickmaschine bestickt.
Am Schluss wurden die Quadrate sorgfältig im Schachbrettmuster angeordnet, zusammengenäht, mit Volumenvlies und Rückseite verbunden, gesteppt, eingefasst – fertig. 
Jetzt ist die Decke auf dem Weg zu ihren Ursprungsort, dorthin, woher die Stoffe stammten. 

Ich muss gestehen, es tut mir weh, in alte Stoffe zu schneiden, die alte Wäsche auf diese Weise zu zerstören. Aber: So, wie sie sind, würden die alten Lumpen nur für die weiteren nächsten 100 Jahre sinnlos und ungeliebt in einem Schrank oder sonstwo im Weg herumliegen. Oder entsorgt. 
Nun sind die Stoffe zu neuem Leben erwacht, erfreuen das Auge und wärmen den Körper. 

Manchmal muss Altes kaputt gehen, damit etwas Neues daraus werden kann.  

Alles hat seine Zeit.
Auch Nähen hat seine Zeit. Und zerschneiden. Und wieder zusammennähen... 
(Salomo zugeschrieben)
Jedes der Quadrate hat seine eigene Geschichte. 
Zum Teil ist das nun auch meine Geschichte. 
Und wird bei meiner Freundin zu Geschichte.
In den gefärbten Stoffen kommen die Damastmuster des alten Leinens besonders schön zur Geltung. Am besten kann man sie sehen, wenn man schräg drauf schaut. 




Memo:
Größe ca 222cm x 142 cm
Oberstoff: altes Leinen, alte Baumwolle, teils mit Simplicolfarben gefärbt
Rückseite: Bettlaken
Füllung: Baumwollvlies 100g/qm (Nähzwerge)
im Nahtschatten gequiltet
In Arbeit seit ca. März 2019 - mit allerlei Unterbrechungen 






Kommentare:

  1. Liebe Damaris,
    dieser Quilt ist wunderschön, für mein Verständnis viel kostbarer als Quilts, die man aus neuen Stoffen näht. Herrlicher alter Damast (heute sündhaft teuer) und die zeitaufwendigen Stiche und Stickereien. So schön! Ich hoffe, deine Freundin weiß es zu schätzen.
    Liebe Grüße und Dir ein schönes Wochenende!
    Susan

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  2. Das ist ein Schatz! Wunderschön.
    L.G

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  3. Herrlich! Ich liebe es alte Sachen wieder zu verwerten und etwas neues daraus zu schaffen!Du hast echt ein meisterstück gemacht, so wunderschön! Diese zaubberhaften alten Stoffe und Spitzen, ein wirklicher schatz. In kombination mit blau sieht das einfach phantastisch aus :0) ganz LG aus Dänemark, Ulrike :0)

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  4. Einfach nur traumhaft!!!! Schön wenn alte Stoffe und Schätze so wieder freude bereiten.
    Lieben begeisterten Inselgruß
    Kerstin

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