Donnerstag, 11. August 2016

Wie aus einem alten Leinenrock eine neue Ramie-Tunika wurde


- Vorher - 
Vor Jahren sortierte die beste aller Schwiegermütter diesen Wickelrock aus. 
Ich fand ihn zwar schön, habe ihn aber nie getragen, weil ich mich darin nicht wohl fühlte. 
So lag er lange, lange Zeit in Dornröschens Schatzkiste und schlief.
Ein Rock, der nicht getragen wird.
Aus einem schönen Stoff, der seine gute Qualität bereits bewiesen hat. 
Und eine Frau, die mal eine neue Tunika braucht (also ich). 

Daraus folgt: -> Aus Unterteil mach Oberteil.

– Nachher–


Zwischen "vorher" und "nachher" lagen allerdings noch 

• eine Überraschung
Der Rock war gar nicht aus Leinen, wie ich immer dachte, sondern aus Ramie
Außerdem begrenzte der Waschzettel das Bügeln auf einen Punkt und der Stoff wollte und wollte nicht glatt werden. Er schrie förmlich nach mehr Hitze. 
Da war es an der Zeit, mich schlau zu lesen:
Was, bitteschön, ist Ramie? 
Ramie ist eine der Brennessel verwandte Bastfaser, die in Asien zu Hause ist und entfernt wie Flachs/Leinen verarbeitet und behandelt wird. 
(Und es ist empfehlenswert, den leicht knitternden Stoff heiß und mit Dampf zu bügeln.)
Der Stoff fällt wie ein Mittelding aus feinem Leinen und Seide. Er glänzt ein wenig und ich habe ihn schon beim Verarbeiten schätzen gelernt. Um nicht zu sagen: ich bin ganz begeistert davon und werde den Kittel in dem Bewusstsein tragen, ein ganz besonderes und edles Kleidungsstück mein Eigen zu nennen.  
Respekt vor der Faser und ihrer Verarbeitung haben mich auch zwei intererssante Filme gelehrt: 

• der Schnitt
Mal wieder nach Gefühl bzw. nach Altbewährtem selbstgebastelt, passte er nur mit Ach und Krach auf den Rock. Nun ziert den Rücken eine Naht, die schon vorher im Rock war und den einzigartigen Charakter des Kleidungsstückes unterstreicht. 
Und wo vorher am Po eine Tasche saß, ist jetzt an der Schulter ist ein dunkler Fleck,
Zunächst hatte ich überlegt, an dieser Stelle ein Tattoo draufzusticken, das ich auf der Haut nie tragen wollte, aber ich lasse es so. Noch ein einzigartiges Designelement.

• der Kampf mit den Zierstichen
Ich wollte die Knopfblende mit Zierstichen schmücken
Meine schicke, neue, elektronisch gesteuerte Nähmaschine nähte tadellos.
Es ist mir allerdings ein Rätsel, nach welchen Gesichtspunkten sie den immer gleichbleibenden Stich auf dem immer gleichbleibenden, gleichmäßig geführten, mit Solovlies unterlegten und barrierefreien Stück Stoff verteilt hat.
Ich versteh's nicht und sehne mich nach der unkomplizierten Musterautomatik meiner alten Pfaff 362 zurück, die solche Mucken nicht machte, seit dem Überholen durch den Fachmann aber nicht mehr funktioniert... 
Vielleicht war es, weil der Stoff recht glatt und rutschig ist.
Nun ja, wenn man es nicht weiß, fällt es vielleicht nicht auf. 
Oder sagen wir mal: Dieses einzigartige Designelement unterstreicht den individuellen Charakter der wertvollen Handarbeit.  

Weil die abgetrennte Tasche sowieso schon vorhanden war, bekam die Tunika die auch noch verpasst. 

Auf das Experiment, mir das Gewand möglicherweise mit fünf unterschiedlichen Knopflöchern zu ruinieren, ließ ich mich jedoch nicht mehr ein 
und nähte lieber die Knöpfe gleich durch beide Blenden an.

Trotz allem hat das Teil das Zeug zum Lieblingsstück und ich freu mich schon auf's erste Tragen. 
Vorher muss ich jedoch noch den Fleck beseitigen, 
den wohl gestern beim Trocknen ein Vogel auf der Vorderseite hinterlassen hat.

Das ist doch heute mal ein Fall für RUMS
und für Gustas Upcycling-Linkparty.  

1 Kommentar:

  1. Da hast du wirklich ein sehr edles Kleidungsstück gezaubert und als Tunika gefällt mir der Rock viel besser ;) Gerade die Stickerei wertet das Teil noch zusätzlich auf.
    Danke fürs teilen <3
    liebe grüße
    Gusta

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