Dienstag, 1. Dezember 2015

Strickgeheimnis

Wir saßen zusammen in meinem Wohnzimmer, meine Freundin und Noch-Kollegin und ich, tranken Tee, redeten und ich strickte. 
"Schaffst Du das bis Weihnachten?", fragte sie  mich. "Klar" sagte ich und war mir auch sicher, denn es wird ja bloß eine •••, also völlig unkompliziert und auch nicht wirklich viel zu stricken. 
Außerdem kenne ich meine Stricknadeln und weiß sie zu handhaben. Im Lauf der Zeit habe ich meine Kompetenzen einzuschätzen gelernt. 

Doch seit dem Satz überfällt mich ab und zu der Zweifel: Schaffst Du das wirklich? 
Dabei ist das eigentlich völlig egal, denn ich habe für den Empfänger des Gestricksels ohnehin schon ein anderes Geschenk und stricke eigentlich vor allem, weil ich gern stricke. 

Die größten Hürden und Tücken dieses Projekts liegen wahrscheinlich sowieso schon hinter mir. 
Letztes Jahr bekam ich von meiner Schwiegermutter eine Kiste Rohwolle zu Weihnachten. Die ist schon lange sortiert, gewaschen und kardiert und bereits vor den Sommerferien begann ich mit dem Spinnen zweier brauner Portionen. 
Dann kam der Urlaub. Dann tat das Knie immer mehr weh und ich wollte nicht auf dem doppeltrittigen Sonata spinnen, auf dem ich die ersten beiden Spulen angefangen hatte. Dann kam meine Meniskus-OP...
... und dann kam vor 1-2 Wochen der Tag, an dem mir die restlichen, auf dem Klavier vor sich hin staubfangenden Batts so sehr auf die Nerven gingen, dass ich sie innerhalb weniger Tage fertig spann, wusch, trocknete. 
Was ich befürchtet hatte, traf ein. Das Garn, das ich im Juli gesponnen hatte, war länger und dünner als die jüngste Produktion. Aber sowas kann man als erfahrene Strickerin ja ins Design integrieren... 

Ich strickte eine Maschenprobe und stellte dann nach ca 15cm des "ernsthaften" Gestricks fest, dass die Mapro irgendwie nicht gestimmt haben konnte
Die ••• wird viel zu eng und würde nie passen.  
Also noch mal neu.... 

Doch jetzt wird es so, wie es soll. Auch sind die wesentlichen Entscheidungen getroffen, festgelegt, an welcher Stelle welche Abnahmen erfolgen und wie die Kanten werden sollen. 
Und so kann ich entspannt und entspannend vor mich hinstricken und der Entwicklung der Dinge gelassen entgegensehen...
...und auch am heutigen Creadienstag noch ein bisschen dran stricken, 
damit es wirklich bis Weihnachten – Ihr wisst schon... 

Memo: 
zwei verschiedene Braun-Partien der Weihnachtswolle, 
eine davon mit Schwarzkopfgrüntönen zusammen kardiert,
kardiert mit Hero
gesponnen am Sonata, langer Auszug, 1:16
Stricknadeln 3,5




Epilog

Wir saßen zusammen in meinem Wohnzimmer, meine Freundin und Noch-Kollegin und ich, tranken Tee und redeten über den nächsten Akt in dem absurden Theater, das gerade an unseren Arbeitsplatz gespielt wird und an dessen Ende ich von der Bühne gehen werde, um dort nicht wieder aufzutreten. Viele Hürden und Tücken haben wir gemeistert, und vieles ist gelungen. Doch mit einem Dolch im Rücken, den die Chefin persönlich führt und dessen Hiebführung täglich bizarrer wird, kann ich nicht weiterarbeiten. Manche Dinge sind so absurd, dass ich sie nicht glauben würde, würde sie mir jemand anders erzählen. 
Dann kommt der Zweifel und beginnt zu bohren.... 
Doch die wesentliche Entscheidung ist nun getroffen. 
Ich kann loslassen und den Veränderungen, die zwangsläufig vor mir liegen, gespannt und zuversichtlich entgegensehen.

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