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Freitag, 15. Januar 2016

Buch: Stricken für Wollsüchtige (Angela Mayer-Spannagel)

Es kommt ziemlich selten vor, dass mir ein neues Buch aus der Sparte "Handarbeiten" richtig gut gefällt. 

Dieses Buch jedoch finde ich sehr gelungen und so verdient es einen Eintrag hier im Blog.
Ich habe es in unserer kleinen Stadtbücherei entdeckt, wegen des Kunststoffeinbands spiegelt das Cover im Foto.  

Nun zum Buch: 

Das Buch ist liebevoll gestaltet und enthält viele sowohl schöne als auch aussagekräftige Bilder. 
Die Kulisse bilden oft Ansichten meiner oberbayerischen Heimat - vielleicht spricht mich das auch besonders an.
Die Modelle gefallen mir alle. Sie sind zeitlos, tragbar, alltagstauglich und haben Pfiff bzw. das "gewisse Extra", wie interessante Muster, gute Schnitte, nette Details.

(Ob ich sie alle stricken würde ist eine andere Frage, zumal ich ja sowieso nicht nach Anleitungen stricke und Strickbücker eher zur Inspiration oder zum Vergnügen lese.)

Diese Modelle sind enthalten (teilweise jeweils in mehreren Farbkombinationen): 

1 Paar Handstulpen
1 Babygarnitur  (Jacke + Hose)
2 Jacken 
3 Mützen 
1 Schulteruch
1 Paar Socken
2 Pullover 
1 Weste in verschiedenen Farben
1 Paar Stutzen (Beinstulpen, Wadlwärmer)
2 Paar Handschuhe 
Babyschuhe
1 Schal

Der Aufbau: 

Zum Auftakt jeden Modells gibt es eine großzügige Doppelseite mit schönen Fotos. 

Dann wird das Modell ebenfalls auf einer Doppelseite vorgestellt: 
Ein kleiner Text informiert über das Modell und Details, wobei ich diese Textchen wirklich interessant finde, was bei anderen modernen Strickbüchern leider selten der Fall ist.

Es gibt einen QR-Code, mit dem man sich die komplette Anleitung des Modells auf's Smartie laden kann. Da ich kein solches besitze (und nicht nach Anleitungen stricke), ist das für mich überflüssig.  

Die Rubrik "Das macht diese ... einzigartig" weist mit postmoderner Pfeildarstellung nochmals kurz und knapp auf Details dieses Modells hin. Die Überschrift löst bei mir einen Logikknoten aus, denn die Dinge, die da stehen, assoziiert mein Gehirn nicht mit "Einzigartigkeit", z.B. dass die Kapuze angestrickt wird oder das Bündchen einer Mütze elastisch ist. Die Überschrift trägt ein bisschen dick auf und imitiert amerikanischen Stil. "Details" als Überschrift hätten es auch getan. Aber egal. Jedenfalls gibt's hier noch einmal ein Foto vom Kleidungsstück ohne Träger darin. 

Zu jedem Modell gibt es noch eine Rubrik "Historisches" und das finde ich eine sehr nette Idee und lese die Texte auch gerne. 
"Jetzt gehts zur Sache": 
Zu den einzelnen Modellen gibt es übersichtliche Angaben zu Schwierigleit, Größe, Garn, Nadeln,  Zubehör, Maschenprobe. 
Ferner gibt es eine Schnittzeichnung mit Maßen, Beschreibung der Muster teils in Worten (z.B. Perlmuster), teils mit Strickschriften (Zöpfe, Farbmuster) sowie eine komplett ausgeschriebene Anleitung zum Nachstricken. 
Bei vielen Modellen gibt es auch noch kleine Tipps oder größere bebilderte Beschreibungen besonderer Vorgänge, Muster oder Techniken. 
Auch das gefällt mir sehr gut und ich denke, man könnte gerade als Anfänger aus diesem Buch auch viel lernen. 
Noch eine Anmerkung zur Größe: Es wird bei jedem Modell nur eine Größe angegeben. Auf Seite 9 ist kurz und übersichtlich erklärt, wie man seine eigene Größe berechnen und nach Schnitt stricken kann. 

Was mir am Buch nicht gefällt, ist der Titel: 
"Sucht" ist bei mir grundsätzlich negativ belegt. 
Aber wenn ich schon mit einem zwinkernden Auge "für Wollsüchtige" im Titel lese, dann erwarte ich innen eigentlich nicht so "grundsolide" Modelle mit dem Potential zu langjährigen Lieblingskleidungsstücken, sondern eher Projekte zum Stash-killen (um noch so einen Begriff zu bemühen) wie Yarnbombing oder Guerilla-Stricken oder anderes abgefahrenes, mehr oder weniger schrilles und unnützes Zeug, womit möglichst schnell möglichst viel Garn verbraucht werden kann. 

Abgesehen von dieser Kleinigkeit: 
Ein geglücktes Strickbuch, das meine Anforderungen an ein gutes Sachbuch als Informations- und Inspirationsquelle, Lesebuch und Bilderbuch voll erfüllt und nebenbei auch noch ästhetisch ist.   


Angela Mayer-Spannagel: Stricken für Wollsüchtige (2015)
ISBN-10: 978-3-426-64698-4
Knaur Kreativ Verlag
Blick ins Buch

Dienstag, 12. Januar 2016

Die Gletschereissocken

... sehen ohne Fuß drin seltsam aus. 
Mit Fuß drin auch, jedenfalls dann, wenn man seine Füße selbst von oben fotografiert, dabei im eisigen Wind bibbert und die Zehen nach oben zieht.
Aber seit dem Sockenfoto trage ich sie und ich habe herrlich warme Füße. 

Dabei trug ich heute morgen auch schon Handgestrickte
- allerdings aus gekaufter Superwash- Sockenwolle. 
Das ist wirklich ein großer Unterschied und ich sehe voraus, dass ich eines Tages nur noch Socken aus kompletter Eigenproduktion tragen werde.... 

Diese hier bestehen aus einem gekauften, gesponnenem und dann gefärbten
Weil ich nicht sicher war, wie weit das Garn reicht, strickte ich beide aus einem Knäul, den einen von außen bis zum Spitzenbeginn, den anderen von innen und die beiden Fußspitzen schließlich parallel. Und das war gut so, denn der letzte Meter fehlte dann wirklich. 
Memo: 
Garn: Coburger Fuchs (Wollmeister)
zweifach gezwirnt, stranggefärbt, 75g, 215m
+ Rest graublau (Bündchenrand und Spitzenspitze)
Socken: Größe 43, Gewicht 79g. 
Nadeln 2,25, 16x4 Maschen (64total)
(außer einer Fußspitze Zing )


PS: Blau ist für digitale Bilder eine schwierige Farbe. 
Deshalb kamen die beiden blauen Paare (die Novembersocken und die neuen)  jetzt doch noch mal gemeinsam aufs Foto.  
Beim Verlinken zum Creadienstag fiel mir auf, dass die DIY-Sammlungen am Dienstag sprießen wie die Frühlingsblumen. Also sind meine Socken heute auch mal bei Handmade on Tuesday, und bei den Dienstagsdingen mit von der Partie.

Sonntag, 3. Januar 2016

Die blaue Jacke oder....

... der Wollkalender im Januar

Eigentlich hatte ich vor, in jedem Monat zu erzählen, 
wie es zu dem jeweiligen Kalenderbild kam und was dahintersteckt.... 


.... aber schon beim ersten Bild scheiterte die Idee daran, dass ich von der betreffenden Jacke gar kein Foto hatte, obwohl sie schon seit über einem Jahr im Dauergebrauch ist. 
(Tja, das Wesentliche an einer Jacke ist ja auch, dass sie wärmt, und nicht, dass es Fotos von ihr gibt.)
Nun hat mir heute der Schnee eine hübsche Kulisse beschert, und so musste sie jetzt einfach mal runter von den Schultern und raus auf den Kleiderbügel. 
So kann ich mit drei Tagen Verspätung den ersten Kalenderfotoeintrag bieten. 

So, jetzt von vorn: 

Das Material ist Schwarzkopfwolle von Schafen aus dem Nachbarort aus der Ernte 2014. 
Den "grundlegenden Wollhaufen" habe ich hier schon einmal vorgestellt. 
Damals hat mir ein Gewitter den zum Sortieren bereitliegenden Berg nassgeregnet, 
so dass ich dann zügig arbeiten musste. 
Der Abfall wurde wegsortiert und die gute Wolle nach Länge und Beschaffenheit in verschiedene Körbe sortiert. 
Im Bild ein Teil der ungewaschenen sortierten Wolle. 
In jener Woche im Sommer August 2014, in der ich einmal "sturmfrei" hatte, wanderte dann ganz viel Wolle ins Farbbad. Für die blaue Jacke kamen der Inhalt des blauen und des gelben Plastikkorbes links vorne, der petrol-türkisfarbige Haufen hinter dem grünen Berg sowie der noch weiße Inhalt des Korbes links hintern zum Einsatz. Letzterer wurde vorher noch gefärbt, aber dummerweise war mir bei der ganzen Färbeaktion "blau" ausgegangen, so dass ich erst nachbestellen 
und später noch färben musste. 
Er wurde ziemlich dunkelblau mit einer Lilanote. 
Die blau-petrol-Töne packte ich zusammen in eine Tüte und schickte sie zum Kardieren weg.
Ich bat um eine gute Mischung der Farben und erhielt sie auch. 
Der Kandidat liegt entspannt auf dem Liegestuhl und harrt der Dinge, die da kommen.  
Vom fertigen Garn gibt es kein Foto, vom Stricken auch nicht, 
ebensowenig von der Jacke im Neuzustand.

Es war allerdings das erste Garn, von dem ich mir eine Tabelle 
mit Lauflängen und Gewichten machte. 
Für die Ärmel nahm ich dann die beiden dünneren Portionen. 

Ich begann mit dem Stricken im November und eine Freundin, 
die mir mal beim Stricken zuguckte, meinte: 
Das ist wie die Farbe des Meeres: Man denkt, es ist blau, aber es sind ganz viele Farben, die in einander verschwimmen....  Da hat sie recht, finde ich. 
Irgendwann im Januar 2015 war die Jacke dann so ziemlich fertig. 
Nur die Knöpfe fehlten noch – und fehlen bis heute. 
In der Blende sind zwar Knopflöcher, aber ich fand irgendwie nichts, was mir gefiel. 
(Als ob ich nicht gefühlte Millionen von Knöpfen mein Eigen nennen würde – aber keiner wollte an die Jacke.) 
So zog ich sie schließlich ohne an, was sich jedoch wärmetechnisch nicht bewährte. 
Eine Zeitlang improvisierte ich mit Klammern oder Sicherheitsnadeln bzw. einer Kiltnadel. 
Im Urlaub erstand ich schließlich im archäologischen Zentrum Hitzacker  
eine Eisenfibel nach bronzezeitlichem Vorbild. 
Ursprünglich war sie schwarz, aber durch den Gebrauch schimmert sie 
mittlerweile stellenweise metallisch. 
Ich konnte mir früher nie so recht vorstellen, wie diese Fibeln verwendet wurden und fand sie theoretisch auch nicht praktisch. 
Aber da kannte ich sie ja auch nur in Vitrinen und aus Büchern. 
Doch seit ich eine auch praktisch im Gebrauch habe, habe ich sie sehr schätzen gelernt. 
Normalerweise sitzt sie übrigens nicht so weit oben wie auf dem Foto, wo sie die Jacke daran hindert, vom Bügel zu rutschen, sondern an einer Stelle, wo sie dafür sorgt, dass die Jacke zu und meine Frontseite warm bleibt. 
Meine blaue Jacke in den Farben des Meeresrauschens ist sehr gemütlich und die Wolle gibt eine angenehme ausgleichende Wärme. Ich trage sie ausgesprochen gern und sie hat sich schon in vielen Lebenslagen bewährt. 
(Und sie ist schuld, dass manch anderes handgestrickte Stück nun im Schrank liegen bleibt.)
Mittlerweile hat sie ja auch schon einen Partner bekommen. 


Memo: 
Gewicht: 750g 
Nadeln: Nr. 4,5, Ärmel: Spiel Nr.5
(Der erste fast fertige Ärmel mit 4,5ern war viel zu stramm und ich musste feststellen, 
dass ich mit Spielen offenbar viel fester stricke als mit Rundnadeln. 
Also war Ribbeln angesagt.)
Schnitt: Raglan von oben nach Gefühl.
Blenden, Seiten und Bündchen: 
HR rechts, RR 1r/1l