Mittwoch, 3. Januar 2018

Es sollte eine Mütze werden

.... und zwar ein Weihnachtsgeschenk. 

Nachdem der Sohn seine Mütze sehr gerne trägt, wenn er sie nicht gerade an seine Liebste verleiht, lag der Gedanke nahe, derselben auch eine zu stricken. 
Das Partnermodell sozusagen. 

Hauptsächlich rot sollte sie werden, denn das Mädel mag rot. 
Aber nicht nur rot, sondern auch ein bisschen blau. 
Und Sockenwollle wollte ich nehmen – die ist für die jungen Leute unkompliziert zu waschen, falls es mal nötig ist. 
Und diesmal wollte ich von unten stricken, denn das top-down-Verfahren von Sohns Mütze bringt keine erkennbaren Vorteile. 
Außerdem sollte sie nach meinem üblichen Schema aus acht Segmenten bestehen.

Zuerst tauchte ich in die umfangreiche Sockenwoll-Ecke in Dornröschens Schatzkiste, konnte aber nichts Brauchbares in Rottönen zutage fördern. 
Also trugen mich meine Beine ins örtliche Handarbeitsstüberl. 
Doch auch dort gab es keine Sockenwolle mit rot als Hauptfarbe. 
In Ermangelung von Alternativen griff ich schließlich zu einem kuschligen Blau und staunte nicht schlecht, was für die 100g an der Kasse hinzulegen war. Tja. Da ist Kaschmir mit drin und das ist halt edel und deshalb teuer. Was man dem Garn lassen muss: Es ist wirklich schmuseweich. 


Zu Hause entdeckte ich dann das Innere der Banderole: "Wir empfehlen Ihnen Handwäsche..." 
Toll. Da hätte ich auch gleich eines meiner handgesponnenen Luxusgarne nehmen können....
Nachdem ich meinen "Mütze-mit-der-magischen-Sieben-Post" nochmal nachgelesen hatte, schlug ich 192 Maschen an und nahm das Projekt zu einem Sport-Event des Jüngsten mit, wo ich einige Stunden so vor mich hinnadelte. 
Schon nach einigen Zentimetern kam mir die Wolle recht labberig vor und ich hatte den Eindruck, das Gebilde wird viel zu weit. Aber das kann man bei 2 rechts-2 links-Rippen manchmal recht schlecht einschätzen und so verließ ich mich auf meine Angaben von damals und die Mütze wuchs, bis die Abnahmen fällig waren. Dann fuhren wir nach Hause. 

Dort lief mir der Große über den Weg und ich konfiszierte gleich mal seine Mütze zwecks Größencheck. Siehe da: Die war tatsächlich gewaltig ausgeleiert. 

Bekanntlich hat Wolle ein Gedächtnis, das durch Nässe aktiviert werden kann. 
Diese Mütze sollte sich gefälligst daran erinnern, dass sie seinerzeit mal gut gepasst hat und so steckte ich sie kurzerhand in die Waschmaschine. Das wirkte. 

Das blaue Kaschmirgebilde ribbelte ich trotzdem auf, schlug 160 Maschen an und strickte die Mütze nochmal. 
Und dann bemerkte ich beim Vorbeifahren im Nachbarort ein Wollgeschäft, dessen Existenz mir bislang noch gar nicht ins Bewusstsein gedrungen war. Neugierig nahm ich es in Augenschein und das erste, was mir im Wühlkorb entgegenguckte, war rotgrundige Sockenwolle. Genau die Farben, die ich mir für dieses Projekt und die zukünftige Trägerin ursprünglich vorgestellt hatte. 
Ohne Kaschmir, deutlich günstiger, zugegebenermaßen auch nicht ganz so kuschlig, dafür aber auch nicht so labbrig, aber kurioserweise von der gleichen Firma, die mir vor dieser Mützenaktion noch nie begegnet war. 
Also strickte ich die Mütze nochmal. Diesmal mit 152 Maschen Anschlag. (?)
Sie passt perfekt und steht der jungen Dame hervorragend. 
Ende gut. Alles gut. 

Memo blaue Mütze: 
Sockenwolle "Comfort-Cashemere Wellness", 
65% Schurwolle, 25% Polyamid, 10% Cashmere 
Nadelspiel 2,5
ca. 67g
Anschlag 160 Maschen, Muster 2r/2l
ab entsprechender Höhe in 8 Segmente aufteilen,
in jeder 2. Runde je eine Masche so abnehmen, dass die rechten Rippen oben bleiben. 

Memo rot-blaue Mütze: 
"Comfort-Sockenwolle color", 
75% Schurwolle, 25% Polyamid, 
Nadelspiel 2,5
ca. 54g
Anschlag 152 Maschen, Muster 2r/2l
ab entsprechender Höhe in 8 Segmente aufteilen. 

Bei dieser Mütze habe ich so abgenommen, dass die Rechtsmaschen-Rippen auf der linken Seite oben bleiben und die Mütze am Schluss umgedreht. 
Dadurch liegt am Umschlag der schönere Anschlagrand außen. 

Memo für zukünftige Projekte: 
Wenn ich diese Mütze nochmal stricke, werde ich nach dem Maschenanschlag die erste Reihe als Rückreihe stricken und dann erst zur Runde schließen. Dadurch kommt die rechte Anschlagkante im Umschlag nach außen und mann kann die Abnahmen von rechts arbeiten. 
Es ist doch mal wieder erstaunlich, wieviel man über eine Mütze labern kann. 



Nachtrag: 
Die Mütze kam so gut an, dass die Empfängerin gleich noch einen passenden Schal in Auftrag gab. 
Also guckte ich nochmal im Wollgeschäft im Nachbarort vorbei. Und staunte nicht schlecht, als mir dort das gleiche kaschmirhaltige blaue Garn in die Hände fiel – kostet dort nur die Hälfte. Was soll ich davon halten? 
Als die Verkäufen mich damit stehen sah, kam sie gleich und klärte mich auf, dass dieses Garn in der normalen Wäsche filzt, ihre Kunden hätten schon von entsprechenden Erfahrungen berichtet.... 



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