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Montag, 19. März 2018

Eine Kurbelstickmaschine

Es war einmal. 
Irgendwann im letzten Jahr.

In einem Forum fragte jemand, ob jemand in einer gewissen Gegend vorbeikäme und eine Nähmaschine abholen könne, um sie kurzfristig unterzustellen. 
Der betreffende Ort lag fast auf meinem Weg zu meinem Vater und so sagte ich zu, die Maschine zu bergen.  
Am vereinbarten Tag sagte mir mein Vater zwar ab, aber ich holte die Maschine trotzdem. 
Schlussendlich verbrachte sie dann nur eine Nacht in meinem Haus, bevor sie weiter ihrem Bestimmungsort entgegen reiste. 

Eine kurze Zeit, die ich für ein paar eilige Fotos nutzte und dazu, dieses wundersame Ding von allen Seiten zu bestaunen. 




Was ist das nun für eine seltsame Zaubermaschine, mit all diesen Zahnrädern, Federn, Schrauben und Wellen und der verwirrenden Mechanik? 
Eine muskelkraftbetriebene Kurbelstickmaschine aus dem Hause Lintz & Eckhardt. 

Und was macht man damit? 
Sticken. 
Also jedenfalls kann man damit sticken, sofern man die Maschine beherrscht.
Zum Beispiel Borten, Tressen oder andere "Bänder" auf Vorhängen, Polstern, Uniformen und Faschingskostümen. Die Maschine arbeitet mit einem Faden und produziert einen Kettstich. 

Im Internet gibt es ein paar hübsche Videos, die solche bzw. ähnliche Maschinen in Aktion zeigen, z.B. 
eine jüngere Lintz & Eckhardt, die bereits mit Motor ausgerüstet ist
oder eine moderne asiatische Version.
In der Schaustickerei in Plauen findet sich in mehreren Beiträgen einiges Wissenswertes zur Kurbelstickmaschine. (Vor Ort kann man – neben vielen anderen Stickaschinen – auch eine davon in Aktion erleben.) 

Ich finde diese Maschine faszinierend und freue mich, dass ich dazu beitragen konnte, dass sie zu neuen Ehren kommt. 
Diese ganze Aktion hatte übrigens noch ein Nähmaschinen-Nachspiel, das auch schon lange darauf drängt, endlich hier im Blog gebührend gewürdigt zu werden. 

Kommt Zeit und Lust – kommt Beitrag. 
Vielleicht.  
Eines Tages... irgendwann einmal.

27.12.2018
Nachtrag: 
Auf die immer wieder mal auftauchenden Fragen nach der Bedienung oder nach Ersatzteilen kann ich leider keine befriedigende Antwort geben. Ich habe die Maschine ja nur von A nach B transportiert, aber nicht damit gearbeitet.  
Ich weiß jedoch, dass es im Nähmaschinentechnikforum und bei Hobbyschneiderin24 Leute gibt, die mit einer Kurbelstickmaschine umgehen können. 
Eventuell lohnt es sich, dort nachzufragen. 

Samstag, 10. März 2018

Ein neues Nachthemd aus einem alten Stoff...

 ... oder die Grenzen des Upcycling. 

1. Das Projekt: 

"Ich habe da einen ausgedienten Bettbezug mit einer langen Geschichte.... vor 30 Jahren .... 
Könntest Du mir ein Nachthemd daraus nähen?" sagte meine Freundin C. 

Der Reißverschluss war völlig hinüber, doch das Stoffstück war groß genug, weich und offensichtlich viel gewaschen. Der leichte Baumwolljersey wirkte jedoch weder fadenscheinig noch durchgescheuert und machte einen brauchbaren Eindruck. 

So hielt ich es für eine gute Idee, das geliebte Stück als Rohstoff für ein Nachthemd zu verwenden und so einer weiteren Nutzung zuzuführen. 

2. Die Umsetzung:

Die Freundin wohnt weit weg. Ich forderte diverse Maße an, wälzte meine nicht allzu umfangreiche Sammlung an Nähzeitschriften und entschied mich für ein Jerseykleid mit Brustabnähern ("Anna" aus "Milliblu's 2017", Gr. L ), das ich auf die gewünschte Länge verlängerte. 

Dann ging's ans Nähen: 
Die Nähte mit der Overlock: Polyester-Overlockgarn (aus 2017) und wie gewohnt mit Jerseynadeln. 
Die Säume an der Nähmaschine und mit der Stretch-Nadel, die noch vom letzten Shirt drin steckte. 

Hier trat das erste Problem auf: Ich hatte einen Wabenstich gewählt und wollte ihn mit einer Kontrastfarbe nähen, um dem Nachthemd ein wenig Pepp zu verleihen. 
Das sah soweit auch ganz gut aus. Aber dann riss ständig das Garn, natürlich vorzugsweise vorne am Halsausschnitt, wo man es besonders gut sehen kann. 
Es war ein nicht ganz neuer (aber auch nicht steinalter) Troja-Polyesterfaden, offenbar miserable Qualität. 
Für die untere Kante nahm ich dann ein anderes, farblich unauffälliges Garn und hatte damit keine Schwierigkeiten mehr. 
3. Das Problem: 

Und dann entdeckte ich das zweite Problem, das wahrscheinlich zu einer sehr kurzen Lebensdauer des Nachthemds führen wird: 

Die Nähte brechen.
Offenbar waren selbst die Jerseynadeln zu aggressiv für den alten Stoff. 
Oder ist das Polyestergarn schuld? 
Oder haben die Fasern des alten Bettbezuges durch die vielen Wäschen einfach so viel an Elastizität verloren, dass sie dem Nähvorgang nicht mehr standhalten? 
Hätte ich eine Mikrotex-Nadel besorgen sollen? 

Sollte ich alle Nähte nochmal wie bei einer falschen Kappnaht seitlich absteppen, um Zug aus den Nahtstellen zu nehmen? 
Ich entschied mich dagegen, denn ich fürchte, an dieser Stelle hat das Upcycling seine Grenze erreicht und jede weitere Mühe hat auf Dauer nur mäßigen Erfolg: 

Fasern und Textilien altern nun mal. 
Und irgendwann ist es einfach vorbei damit. 
Dann taugen sie noch als Lumpen, zum Beispiel, um die Nähmaschine zu polieren.  

Ich fürchte, bei diesem Bettbezug ist dieses Stadium nun einfach erreicht. 

Wie auch immer. 
Das Nachthemd steckt jetzt in der Post und ich bin neugierig, wie es der Empfängerin passt. 
Wenn sich der Schnitt bewährt, dann gibt es demnächst mal ein neues Nachthemd. 
Aus einem neuen Stoff. Für die nächsten 30 Jahre... 

Für ein ressourcenschonendes Probestück taugte der alte Lappen jedoch allemal, auch wenn es eigentlich nicht so gedacht war. 





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